Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/60/
52 
BAUZEITUNG 
Nr. 7 
Der Schutz des geistigen Eigentums 
und das Ebinger Rathaus 
Der Wettbewerb um das Ebinger Rathaus im Jahre 
1911 darf als bekannt vorausgesetzt werden. (Vgl. Württ. 
Bauzeitung, Jahrgang 1911, Nr. 46 und 48.) 
Als Träger des 1. Preises waren mir zwar vom Stadt 
schultheißenamt und beteiligten Oemeinderäten alle Aus 
sichten auf Uebertragung der Planbearbeitung und Ober 
leitung gemacht worden, während die örtliche Bauleitung 
dem Ebinger Stadtbaumeister, der als Preisrichter funk 
tionierte und einen Entwurf außer Wettbewerb eingereicht 
hatte, verbleiben sollte. 
wurf zu Grund: Der Grundriß ist nur in unwesentlichen 
Einzelheiten abgeändert und auch der äußeren Erschei 
nung sieht man an, daß kein grundsätzlich neuer Entwurf 
gemacht wurde, sondern nur einzelne Bauglieder nach 
Geschmack des Bauleiters verschoben und abgeändert 
wurden. 
Ebenso zweifellos aber ist, daß der künstlerische Ge 
danke, der in meinem Entwurf zum Ausdruck kommt, 
vollständig „hinausgeändert“ und gänzlich verloren ge 
gangen ist: Das innere Gleichgewicht der Baumassen ist 
durch Streichung des Hauptgiebels und durch die Häu 
fung der Massen von Turm und Saalgiebel vollständig 
aufgehoben; die zarte Gesimsbildung, die dem Bau seine 
Proportionen gab, ist durch schwere und weitausladende 
Rathaus Ebingen 
Wie es nun kam, daß in der Folge der Stadtbaumeister 
und Preisrichter beauftragt wurde, die Planbearbeitung 
und Ausführung meines Entwurfes zu übernehmen, ist 
eine Geschichte für sich, die hier unerörtert bleiben soll. 
Ich begnüge mich damit, festzustellen, daß ich, abgesehen 
von der Konkurrenzarbeit, mit der Ausführung nichts zu 
tun gehabt habe. 
Bei der Einweihung wurde in allen Blättern freundlich 
mein Name mit dem des Stadtbaumeisters als Autor ge 
nannt. Auch sonst habe ich oft das Vergnügen, als geis 
tiger Vater dieses Ebinger Rathauses genannt und befragt 
zu werden. Leider habe ich alle Ursache, diese Vater 
schaft wenn nicht ganz abzulehnen, so wenigstens auf das 
mir wirklich zukommende Maß zu beschränken. Die 
umstehenden Abbildungen von Entwurf und Ausführung 
(vom gleichen Standpunkt aus) zeigen wohl jedem 
Beschauer sofort, daß mein Entwurf in einer solchen 
Weise umgeändert worden ist, daß weder ich noch der 
Stadtbaumeister von Rechts wegen als Verfasser genannt 
werden kann. Zweifellos liegt der Ausführung mein Ent- 
Entwurf 
Gesimse ersetzt; statt der im letzten Feld bewußt abge 
setzten Arkaden ist jetzt der ganze Baukörper unterhöhlt 
und durchlöchert; die durch den Längsfirst betonte 
Straßen- und Platzwirkung ist durch den ums Eck laufen 
den First zerstört; die dem Grundriß entsprechende, un 
regelmäßige Fenstereinteilung, die die Wagrechte betont 
und die Senkrechte aufheben sollte, ist in gleiche Axen um 
gewandelt, — kurz, so ziemlich alle Gedanken und Be 
sonderheiten des Entwurfs sind in der Ausführung ver 
schwunden. 
Daß ich unter diesen Umständen die Mitwirkung und 
Autorschaft an dem ausgeführten Bau aus künstlerischer 
Ueberzeugung ablehnen muß, dürfte wohl jedem einleuch 
ten und ich muß Freude und Stolz über das Werk dem 
Bauleiter ganz allein überlassen. 
Der Zweck dieser Zeilen ist aber auch noch ein ande 
rer; Das Ebinger Rathaus scheint mir eines der sinnfäl 
ligsten Beispiele zu sein, um die Unhaltbarkeit unserer 
Zustände bezüglich des Schutzes des geistigen Eigentums 
zu beweisen. Gesetzlich stehen dem Architekten keine
        

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