Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1914)

losigkeit und Unwissenheit über Natur und Zweck dieses 
einzig dastehenden Gesetzgebungswerks herrscht. Zum 
Teil liege es daran, daß der Stoff schwierig und spröde 
ist und es bisher nicht gelang, ihn in eine wirklich volks 
tümliche, gemeinverständliche Form zu kleiden. Das 
immer umfangreicher gewordene Recht der Arbeiterver 
sicherung habe man durch seine Zusammenfassung in 
der Reichsversicherungsordnung dem allgemeinen Ver 
ständnis näher zu bringen versucht. Die Besorgnis man 
cher, es werde die Reichsversicherungsordnung den in 
erster Linie beteiligten Versicherten ein Buch mit sieben 
Siegeln bleiben, besteht auch in Süddeutschland. Nicht 
nur dem Laien, sondern auch dem Verwaltungsbeamten 
und dem Richter fällt die Zurechtfindung in dem unheim 
lichen Paragraphengewirr und in den unzähligen Ver 
weisungen schwer. Kein Wunder, daß durch die ver 
unglückte Darstellung des Arbeiterversicherungsrechts 
diesem selbst wenig allgemeines Interesse zugewendet 
wird und freudige Mitarbeit, wie sie bei Einführung des 
Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes überall beob 
achtet werden konnte, mehr und mehr schwindet. Dem 
Herrn Präsidenten des Reichsversicherungsamts gebührt 
deshalb Dank und Anerkennung, daß er von hoher Warte 
aus unaufhörlich bemüht ist, dem sozialen Werk erster 
Ordnung neue Freunde zuzuführen, das Interesse an ihm 
wieder zu stärken und seine Segnungen der Menschheit 
zu offenbaren. 
In dem heute vorliegenden Buch verbreitet sich der 
Herr Verfasser über die Erkenntnis, daß die vornehmste 
Aufgabe der sozialen Versicherung nicht in der Gewäh 
rung zahlreicher und hoher Renten, sondern in der Ver 
hütung oder zum wenigsten in der möglichst vollkom 
menen Heilung der Schäden zu suchen ist. Auf diesem 
Boden stehend, behandelt der Herr Verfasser zunächst 
die Krankenversicherung, dann bei der Unfallversicherung 
die Unfallverhütung, die erste Hilfe bei Betriebsunfällen, 
das berufsgenossenschaftliche Heilverfahren in der Warte 
zeit und die Arbeitsvermittlung, und bei der Invaliden 
versicherung die Heilfürsorgebestrebungen im allgemeinen, 
die Tuberkulosebekämpfung, Wohnungsfürsorge usw. Die 
vorbeugenden Maßnahmen und Wohlfahrtsbestrebungen 
der Versicherungsträger sind nach ihrer geschichtlichen 
Entwicklung und ihren Erfolgen in anziehender Weise 
geschildert. Es wird nachgewiesen, wie diese vorbeu 
gende Arbeit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres 
Volkes erhöht, unsere Wettbewerbsfähigkeit dem Auslande 
gegenüber stärkt und wie sie sich durch Verringerung 
der Rentenlast bezahlt macht. An der Hand der bisherigen 
Erfahrungen und der durch die Reichsversicherungsordnung 
gegebenen neuen Entwicklungsmöglichkeiten werden die 
Wege gezeigt, die zu einem weiteren zweckmäßigen Aus 
bau unserer Arbeiterversicherung in schadenverhütender 
Richtung führen. 
A. B. 
Baudireklor Albert von Bok + 
Am 17. ds. Mts. starb in Stuttgart Baudirektor v. Bok, 
der ein halbes Jahrhundert sowohl im staatlichen Bau 
wesen wie im Privatbauwesen in Stuttgart eine bedeu 
tende Tätigkeit entfaltete.
	        

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