Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1914)

21. Februar 1914 
BAUZEITUNG 
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Als Sohn eines Volksschullehrers in Eltershofen bei Schw. 
Hall am 19. Juli 1825 geboren, begann er schon im Jahr 
1839, also mit 14 Jahren in der polytechnischen Schule 
seine Fachstudien, bestand 1848 mit Erfolg die zweite 
Staatsprüfung im Baufach und trat dann in den Staats 
dienst ein. Von Stufe zu Stufe stieg er infolge seiner 
hervorragenden Tüchtigkeit auf, feierte 1900 als Bau 
direktor sein 50 jähriges Dienstjubiläum, von allen Seiten 
hoch geehrt, trat jedoch kurz darauf in den Ruhestand. 
Ueber die Verhältnisse bei seinem Eintritt in den staat 
lichen Dienst gibt eine Erzählung in der Monatsschrift des 
Vereins für Baukunde von 1900 ein Bild, wonach Bok die 
Besichtigung der ihm zur Ausführung übertragenen Gestüts- 
Bädern, Neubau des Katharinenstiftes, der Trinkhalle, 
sowie des großen Termalwasserreservoirs zur Samm 
lung und Warmhaltung des unbenutzten Termalwassers 
in Wildbad, das Ludwigspital in Stuttgart, das Schul 
lehrerseminar in Saulgau, der Umbau des Klosters Roten- 
münster in eine Irrenanstalt im ehrenvollen Auftrag der 
kath. Kongregation Untermarchtal usw. Aus dem Gebiet 
des Kirchenbaus ist die Wiederherstellung der romanischen 
Stiftskirche in Oberstenfeld zu nennen. 
Auch im Privatbau war er zum Teil bahnbrechend, 
zu nennen sind: Bauten in der See- und Kriegsbergstraße, 
das hübsche Haus Kepplerstraße 1 und namentlich als 
eines der ersten massiven Privathäuser nach jahrzehnte- 
Nach 
Aufnahme 
von Bau 
werkmeister 
Wacker- 
Feuerbach 
Grabstein 
vom Friedhof 
Landau 
(Pfalz) 
bauten in St. Johann, Offenhausen, Marbach und Güterstein 
als „berittener Kgl. Hochbauführer“ auf einem Gestüts 
pferd vornahm, um an Zeit und Fahrgeld zu sparen. 
Die Zahl der von Bok ausgeführten Staatsbauten ist 
eine sehr erhebliche und verteilt sich auf alle Gebiete 
des Hoch- und teilweise auch des Tiefbauwesens. 
Genannt seien: Die bekannte große Staatsturnhalle, die 
an der Lindenstraße hier stand und jetzt hinter das Eber 
hard-Ludwigsgymnasium versetzt ist, die Diäkonissenan- 
stalt an der Forststraße, die Erweiterungsbauten am Museum 
der bildenden Künste, wobei die Oberlichtanlagen beach 
tenswert sind, die Kunstschule an der Urbanstraße, die 
Neubauten der früheren Klöster Zwiefalten, Schussenried 
und Weissenau, sowie des Deutschordenschlosses Win 
nental zu Staatsirrenanstalten, die neue Universitätsklinik 
und die medizinische Klinik in Tübingen, Umbauten von 
langem Fachwerkbau das Kaufhaus Sontheim in der König 
straße (1854) usw. 
An der polytechnischen Schule dozierte er von 1853 
bis 1858 über Bau- und Feuerpolizeigesetze, in der Bau 
gewerkschule über Baukonstruktionen. Neuerungen auf 
allen Gebieten des Hochbaues, namentlich den sich neu 
einführenden Zentralheizungsanlagen, brachte er reges 
Interesse entgegen. 
Zu betonen ist an seinen Werken die abgeklärte reife 
architektonische Ausbildung, die bis ins kleinste sorg 
fältige und mustergültige konstruktive Durcharbeitung 
unter gewissenhaftester und sparsamster Prüfung nach 
der Seite der Kostenfrage, so daß seine Bauten neben 
der vorzüglichen praktischen Anlage in ökonomischer 
und konstruktiver Beziehung Musterleistungen dar 
stellen.
	        

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