Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/82/
BAUZE1TUN0 
Kr. 10 
74 
Dorfkirche (Innenraum) Architekt: Ludwig Bührer-Stuttgart 
Eine protestantische Kirche, als Ort für die würde 
volle Abhaltung des Gottesdienstes, zu schaffen und die 
protestantische Gesinnung innen und außen zum Ausdruck 
zu bringen, d. h. ernste und edle Einfachheit in Gestalt 
und Farbe. 
Die Umfassungswände sind verputzt angenommen, 
mit sparsamer Verwendung von Hausteinen, das Dach 
mit dunkelbraunen Pfannen oder Biberschwänzen gedeckt. 
Tödlicher Unfall durch Herabfallen 
einer Turmspitze 
sk. Wird durch den Einsturz eines Gebäudes oder 
durch Ablösung von Teilen desselben ein Mensch getötet 
oder verletzt, so wird nacii § 836 BGB. der Besitzer 
des Grundstücks für den entsprechenden Schaden haftbar 
gemacht, sofern der Einsturz oder die Ablösung die 
Folge fehlerhafter Errichtung oder mangelhafter Unter 
haltung ist. Erbringt jedoch der Besitzer den Beweis, 
daß er zur Abwendung der Gefahr die im Verkehr er 
forderliche Sorgfalt beobachtet hat, so entfällt die Schaden 
ersatzpflicht. Die Stadt Saarbrücken hatte im Jahre 1906 
ein Gebäude, das in den Jahren 1868—72 errichtet 
worden war und bis zum Erwerb durch die Stadtgemeinde 
als Krankenhaus gedient hatte erworben, um es zu Schul 
hauszwecken zu verwenden. Zum Schmucke des Gebäudes 
waren auf den Seitenflügeln spitze Türmchen von ungefähr 
4 Meter Höhe angebracht. Am 29. April 1911 löste sich, 
plötzlich die Spitze eines dieser Türmchen, traf den gerade 
vorübergehenden Einwohner Hantke auf den Kopf und 
erschlug ihn. Daraufhin erhob die Witwe H. gegen die 
Stadt beim Landgericht Saarbrücken eine Schadenersatz 
klage auf Zahlung einer Rente. Sie machte geltend, daß 
die herabgefallene Spitze mit den darunter befindlichen 
Steinen nicht ordnungsmäßig verbunden gewesen sei. 
Außerdem sei das Steinmaterial veraltet und morsch und 
hätte zwischen den einzelnen Steinen der Mörtel gefehlt. 
Die beklagte Stadtgemeinde bestritt jegliches Verschulden 
ihrerseits, da sie nach dem Erwerb des Hauses den 
Stadtbaumeister W. beauftragt habe, des öfteren Revisionen 
vorzunehmen. Deshalb könne sie für das Fehlen der 
Verdübelung und die übrigen Mängel nicht verantwortlich 
gemacht werden. Beide Instanzen, das Landgericht Saar 
brücken und auf die Berufung der Stadt das Oberlandes 
gericht Köln, erkannten den Anspruch der Witwe H. als 
dem Grunde nach gerechtfertigt an. ln der Begründung 
des Urteils führte der Berufungsrichter ungefähr aus: 
Aus der Beweisaufnahme habe sich ergeben, daß das 
abgefallene Stück des Turmes mit dem übrigen Teil 
nicht durch Verdübelung verbunden gewesen sei. Offen 
sichtlich sei dieser Mangel auch geeignet, das Loslösen 
des Stückes herbeizuführen. Da aber außerdem das 
Steinmaterial stark in der Verwitterung begriffen gewesen 
sei, wäre überhaupt eine Beseitigung der Türme geboten 
erschienen. Wenn sich auch von den übrigen Turm-
        

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