Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

BTTiM
FÜR  WÜRTTEMBERG
BADEN-HESSEN-GLr
SHSS-  LOTHRINGEN-Inhalt;

  Reiseskizzen  aus  Bosnien  und  Herzegowina.  —  Eine  Architektenfahrt  als
Bestandteil  des  Werkvertrages.  —  Kleine  Mitteilungen.  Personalien.

16/31.  März  1916

Alle  Rtchte  Vorbehalten.

Reiseskizzen  aus  Bosnien  und  Herzegowina.
Von  Regierungsbaumeister  G.  Hoh,  z.  Z.  in  Bamberg.

Heute,  wo  den  kriegerischen  Ereignissen  auf  der
Balkanhalbinsel  erhöhte  Aufmerksamkeit  zugewendet
wird,  dürfte  wohl  ein  Blick  auf  die  in  Bosnien  und  anstoßenden ­
  Ländern  übliche  Bauweise  einigem  Interesse
begegnen.
Dem  Reisenden,  der  die  Schwelle  des  Orients  in  Bosnien ­
  und  Herzegowina  betritt,  tut  sich  eine  ganz  neue
Welt  auf.  Das  Völkergemisch,  das  hier  beisammen  ist,
mit  seinen  verschiedenartigen  Religionen,  Sitten,  Ge-Abb.

  5.  Wohnhaus  in  Sarajevo.
brauchen,  Lebensgewohnheiten  und  seinen  malerischen
Trachten,  der  gebirgige  Bodencharakter  und  die  mangelnden ­
  Verkehrsverbindungen,  die  den  Wagenverkehr  auf  ein
Minimum  beschränken,  an  dessen  Stelle  das  Tragtier  tritt,
nicht  zuletzt  auch  die  eigenartige  heimische  Bauweise,  die
zwar  primitiv,  zum  Teil  unkonstruktiv  und  unbeholfen  ist,
jedoch  eine  Lülle  malerischer  Wirkungen,  reizvoller  Einzelheiten ­
  und  Ursprünglichkeit  bietet,  drücken  dem  Lande  ein
durchaus  charakteristisches  Gepräge  auf.
Die  Bauweise  ist,  wie  bei  dem  Holzreichtum  des  Landes ­
  nicht  anders  zu  erwarten,  hauptsächlich  und  ursprünglich ­
  eine  Holzbauweise.  Dies  trifft  vor  allem  für  die  ländlichen ­
  Wohnhäuser  der  Serben  zu,  welche  noch  auf  der
niedrigsten  Entwicklungsstufe  stehen.  Jedoch  läßt  auch
das  bedeutend  entwickeltere  und  massiver  gebaute  türkische ­
  ländliche  und  städtische  Wohnhaus  noch  seine  Herkunft ­
  von  der  Holzbauweise  erkennen.  Dieser  Unterschied ­

  in  der  Entwicklung  erklärt  sich  daraus,  daß  der
Türke  als  der  Herr  und  Besitzer  des  Bodens  sich  ganz
nach  seinen  Bedürfnissen  und  den  Anforderungen  seiner
Religion  entsprechend  einrichten  konnte,  während  der
zum  größten  Teil  leibeigene  Serbe,  der  sogenannte  Kmet,
der  keinen  Grundbesitz  hatte  und  für  die  Bedürfnisse  seines ­
  Herrn  zu  arbeiten  hatte,  im  Sumpf  der  Unwissenheit
und  Kulturlosigkeit  stecken  blieb,  was  sich  eben  auch  im
Wohnhausbau  ausdrückt.
Das  ländliche  serbische  Wohnhaus  wird  zumeist  als
Blockhaus  gebaut  und  bleibt  unverputzt.  Das  steile  weitvorspringende
  Walmdach  ist  mit  Schindeln  gedeckt  und
erhält  sein  charakteristisches  Aussehen  durch  die  an  den

Abb.  1.  Schema  für  ein  serbisches  ländliches  Wohnhaus.
Lirstendpunkten  sitzenden  Rauchabzugsöffnungen,  die  zugleich ­
  auch  zur  Beleuchtung  des  Dachbodenraumes  dienen. ­
  Dachaufbauten  kommen  vor,  jedoch  zumeist  nur  in
größeren  Ansiedlungen.  (Abbildung  1  Schema  eines  ländlichen ­
  serbischen  Wohnhauses.)  In  der  Regel  sind  diese
Häuser  nur  erdgeschossig.  Der  Grundriß  ist  der  denkbar
einfachste.  Durch  die  breite  Eingangstür  gelangt  man
direkt  in  einen  ungefähr  quadratischen  Raum,  in  dessen
Mitte  direkt  auf  dem  Lehmboden  ein  offenes  Feuer  brennt,
dessen  Rauch  durch  das  Dachgebälk  aus  den  schon  erwähnten ­
  Rauchabzugsöffnungen  ins  Freie  entweicht.  Dieser ­
  Raum  dient  zum  Aufenthalt  während  des  Tages  für  die
menschlichen,  während  der  Nacht  auch  für  die  tierischen
Bewohner.  An  diesen  Raum  stößt  die  Schlaf-  und  Auf-'
bewahrungskammer  für  die  wenigen  Habseligkeiten,  ein
Raum,  der  Bretterboden  und  eine  Holzdecke  besitzt.  Die
Einrichtung,  die  in  derHauptsacheaus  einigen  vierbeinigen
niedrigen  Sitzstockerln  besteht,  ist  die  allerprimitivste.
Im  Gegensatz  hierzu  wird  das  türkische  Wohnhaus
gemauert  und  verputzt.  Das  Erdgeschoß  wird  meistens
aus  luftgetrockneten  Lehmziegeln  (Tscherpitsch  genannt)
mit  dazwischen  gelegten  Holzstaffeln,  um  einen  besseren
            
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