Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

76 
BAUZE1TUN0 
Nr. 29/30- 
Erfreulicherweise, so konnte der Berichterstatter aus 
führen, hat der Krieg, obwohl er erklärlicherweise auf die 
angeschlossenen Organisationen nicht ohne schädigende 
Wirkungen geblieben ist, nicht vermocht, sie in ihrem Be 
stände ernsthaft zu erschüttern, so daß erwartet werden 
darf, daß sowohl die einzelnen Verbände, als ihre Zen 
trale, der Reichsbund, imstande sein werden, die ihnen ob 
liegenden Aufgaben nach Beendigung des Krieges mit Er 
folg durchzuführen. 
Die Zahl der im Reichsbund vertretener Gewerbe ist 
während des Berichtsjahres unverändert geblieben, jedoch 
hat sich die Zahl der angeschlossenen Verbände um einen 
verringert, da der Verband selbständiger deutscher In 
stallateure, Klempner und Kupferschmiede in Düsseldorf 
aus dem Reichsbunde ausgeschieden ist. Das Klempner 
gewerbe ist z. Zt. nur noch durch den Verband deutscher 
Klempner- und Installateurinnungen in Leipzig vertreten. 
Die während des Krieges vom Reichsbunde bearbeite 
ten Angelegenheiten verteilen sich insbesondere auf drei 
Gebiete: die Beteiligung an der Kriegsarbeitsgemeinschaft 
für das Baugewerbe, die Stellungnahme zu den Tarifver 
handlungen und die Unterstützung der Bestrebungen zur 
Hebung des Realkredits. 
Die Kriegsarbeitsgemeinschaft hat die 
Erwartungen, die man bei ihrer Gründung auf sie setzte, 
erfüllt. Es ist gelungen, im ersten Kriegswinter die Ver 
gebung von Bauarbeiten durch die Behörden kräftig anzu 
regen und dadurch einerseits der damals herrschenden 
großen Arbeitslosigkeit zu steuern, andererseits auch den 
unter der Lahmlegung jeder Tätigkeit teilweise wirtschaft 
lich schwer leidenden Unternehmern Beschäftigungsmög 
lichkeit zu geben. Der durch die steigenden Einziehungen 
zum Heeresdienst und die Abwanderung der Bauarbeiter 
in die Kriegsindustrie, sowie die Aufnahme einer lebhaften 
Bautätigkeit der Militärbehörden im Sommer 1915 ein 
tretende Arbeitermangel, der sich seitdem fortgesetzt 
steigerte, veranlaßte den Zentralausschuß der Kriegs 
arbeitsgemeinschaft seine Tätigkeit zur Arbeitsbeschaffung 
einzustellen. Er beschloß seine Arbeiten im November 
1915 mit der Annahme von Grundsätzen zur Beschäf 
tigung kriegsbsschädigter Bauhandwerker, deren Durch 
führung den örtlichen Kriegsarbeitsgemeinschaftcn über 
tragen wurde. 
Einen breiteren Raum als die Fortsetzung der Kriegs- 
Fig. 11 
arbeitsgemeinschaft nahmen in den Arbeiten des Reichs 
bundes die Erörterungen über die im Frühjahr 1916 be 
vorstehende Erneuerung der meisten bau 
gewerblichen Tarife ein. 
Es ist erfreulicherweise gelungen, die bisherige Ein 
heitlichkeit beim Ablaufe der Verträge im großen und 
ganzen zu erhalten und durch Bewilligung angemessener 
Teuerungszulagen an die Arbeiterschaft den den Burg 
frieden im vergangenen lahre vielfach störenden Lohn 
treibereien Einhalt zu gebieten. 
Mit einem Ausblick auf die voraussichtliche Gestal 
tung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse nach 
dem Krieg und auf die Aufgaben, die den Arbeitgeber 
organisationen dann erwachsen werden, schloß der Vor 
sitzende seine Ausführungen, denen der lebhafte Beifall 
der Versammlung zuteil wurde. 
Im Anschluß an die Ausführungen von Herrn Popp be 
richteten die Vertreter der angeschlossenen Zentralver 
bände über den Verlauf und die Ergebnisse der dies 
jährigen Tarifverhand ungen in den einzelnen Gewerben.. 
Die Berichte ergaben, daß in allen in Betracht kom 
menden Gewerben die Verlängerung bezw. Erneuerung 
der bisherigen Tarifverträge gelungen ist. 
Unter Punkt 3 der Tagesordnung berichtete Herr 
Popp, sowie einer seiner Mitarbeiter über die weiteren 
Vorbereitungen zur Gründung eines Verbandes der 
deutschen HypothekenschutzBanken. Die 
Versammlung nahm reges Interesse an dem Fortgang der 
Arbeiten in dieser für das Gedeihen des Grund- und Haus 
besitzes so wichtigen Angelegenheit. 
Sodann nahm die Versammlung den Bericht des 
Vertreters des Rechnungsprüfungsausschusses Herrn 
Schwenke (Berlin) entgegen und erteilte auf seinen 
Antrag dem Verwaltungsausschuß und der Geschäftsfüh 
rung Entlastung. 
In gleicher Weise genehmigte sie nach einem Bericht 
des Verwaltungsdirektors des Reichsbundes Herrn Dr. 
Eroehner (Berlin) den Voranschlag für 1916 und 
setzte die Beitragshöhe in gleicher Weise wie im Vor 
jahre fest. 
Es folgten die nach den Satzungen erforderlichen 
Neuwahlen. Danach ist im Geschäftsjahre Bundesvor 
sitzender wieder Herr Popp, 1. stellvertretender Vor 
sitzender Herr Ingenieur Dr. Klause (Berlin), 2. stell 
vertretender Vorsitzender Herr Malermeister Kruse 
(Berlin). Die Benennung des Ortes der nächsten Bundes 
versammlung wurde auf Antrag des Verwaltungsaus 
schusses diesem überlassen. 
Am Schlüsse der Tagung hielt Herr Dr. Arendt 
(Berlin), Mitglied des Reichstages und des Hauses der Ab 
geordneten, einen Vortrag über das Thema; „Was muß 
während des Krieges und nach dem Kriege geschehen, um 
einen Zusammenbruch des städtischen Realkredits zu ver 
hüten ?“ Herr Dr. Arendt gab in eingehenden, von großer 
Sachkenntnis getragenen Ausführungen eine Darlegung 
der bereits durchgeführten oder geplanten Maßnahmen 
zum Schutze des Realkredits und entwarf ein großzügiges 
Bild von der durchgreifenden Neugestaltung, die not 
wendig ist, um die drohende schwere Krisis auf dem 
Orundstücksmarkt zu verhüten. Die Versammlung spen 
dete dem Herrn Vortragenden für seine klaren und licht 
vollen, von großem Interesse für die besonderen Bedürf 
nisse des weiteren Baugewerbes getragenen Ausführungen 
den lebhaftesten Beifall. 
In einem kurzen Schlußwort gab der Vorsitzende der 
Hoffnung auf einen baldigen siegreichen Frieden und auf 
ein darauf folgendes Aufblühen des deutschen Wirtschafts 
lebensund besondersdes deutschenBaugewerbesAusdruck. 
Mit einem begeistert aufgenommenen Hurra auf 
Kaiser und Heer schloß der Vorsitzende die 2. Kriegs 
tagung des Reichsbundes. 
Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart. 
Druck; Gustav Stürner in Waiblingen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.