Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-12/13,1915/16
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1915-1916/149/
1-/15- Sept. 1916 
HTO&fli 
FÜR WÜRTTEMBERG 
BADEN'HESSEN* GL 
SHSS LOTHRINGEN* 
Inhalt: Die ersten Kriegerheimstättensiedelung in Württemberg. Die neue Kriegs 
anleihe. Vereinsmitteilungen. Kleine Mitteilungen. Personalien. 
Alle Rechte Vorbehalten. 
Die erste Kriegerheimslältensiedelung in Württemberg. 
(Von Stadtbaumeister Schleicher, Oberndorf und Katastergeometer Linkenheil, Schramberg). 
Unter denjenigen deutschen Städten, denen der Krieg 
einen zuvor nicht geahnten Aufschwung gebracht hat, 
befindet sich auch die schwäbische Oberamtsstadt Obern 
dorf a. N. Längst ist das trauliche Schwarzwaldstädtchen 
am oberen Neckar zwar schon bekannt durch zwei Dinge, 
nämlich durch die Waffenfabrik Mauser und durch den 
„Schwarzwälder Boten“. Aber in baulicher Entwicklung 
wollte die Stadt nie recht vorwärts kommen; denn sie war 
ganz von der Entwicklung der Waffenindustrie abhängig, 
und hier lag die Sache so, daß den wenigen flotten Jahr 
gängen meist lange Jahre der Ruhe folgten. So war’s denn 
auch mit der Bautätigkeit wie der ganzen Stadtentwick 
lung. 
Da kam der Krieg, und mit ihm neues Leben nach 
Oberndorf. Langwierige Fragen der Neckarverlegung, 
des Bahnhofumbaues, von Straßen- und Brückenbauten, 
welche seither der Stadterweiterung hemmend im Weg 
standen, wurden mit einem Schlaggelöst, denn das Reich 
brauchte Gewehre und die Waffenfabrik Platz für die 
Ausdehnung. Und so entstand dann in kürzester Zeit ein 
ganz neuer Stadtteil, teils als reines Industriegebiet, teils 
als Arbeitersiedelung; denn die Fabrik steigerte ihren Be 
trieb und ihre Arbeiterzahl um ein Mehrfaches des seit 
herigen Bestandes. Mehr wollen wir, solange noch der 
Krieg dauert, nicht sagen; aber wenn einmal der Friede 
wieder eingekehrt ist, dann wird Oberndorf mit einer der 
Städte sein, die erzählen können, was deutsche Kraft und 
deutscher Geist, deutsche Verwaltung und deutsche Tech 
nik in denkbar schwerster Zeit und unter schwierigsten 
Verhältnissen auch hinter der Front geleistet haben. 
So kam es auch, daß die Einwohnerzahl der Stadt 
während des Krieges auf das Doppelte stieg, und trotz 
der Neuanlage von mehr als hundert Arbeiterhäusern, 
trotz lebhafter sonstiger Bautätigkeit herrscht immer noch 
Wohnungsnot und Nachfrage nach guten gesunden Woh 
nungen. 
Nun besitzt die Stadt auf der Höhe beim „Lindenhof“, 
an der Gabelung der Straßen nach Schramberg und 
Alpirsbach, also auf der Schwarzwaldvorebene, ein um 
fangreiches, vorerst als Allmand benütztes Gelände. Jahre 
lang lockte dieses, zumal infolge seiner Lage an verkehrs 
reicher Stelle und mit prächtiger Aussicht über das Neckar 
tal hinweg nach den Albbergen und an den beiden Kraft 
wagenlinien nach Schramberg und Alpirsbach, zur Be 
siedelung. Und als die Frage der Schaffung von Krieger 
heimstätten, an deren Entwicklung dem Vorkämpfer der 
deutschen Bodenreform Damaschke ein wesentliches Ver 
dienst hat, in immer lebhaftere Erörterung kam, da ent 
schloß sich die Stadtverwaltung Oberndorf, dieser Frage 
näher zu treten. Sie ließ zunächst über das Gelände Höhen- 
Lageplan 
Baublock A
        

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