Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-12/13,1915/16
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1915-1916/179/
STUTTGART 
DTOM 
FÜR WÜRTTEMBERG 
BADEN• HESSEN-Elfe » 
SHSS- L0THR1NGE 
Inhalt: Bilder aus Rumänien. — Die Warenumsatzsteuer. — BauschulzeiJ|HjfifoißHüV' 
und Einjährig-Freiwilliger-Dienst. 
Alle Rechte Vorbehalten 
Bilder aus Rumänien. 
Aufnahmen von Bauwerkmeister Herrn. Steinhilber, Stuttgart. 
(Schluß.) 
Ein ähnliches Haus mit massiven Umfassungswänden 
und Scheidewänden aus Holzfachwerk zeigt Bild 5; 
auch schließt ein mit Kalkmich bestrichener Holz 
zaun das Anwesen gegen die Straße ab. Bild 6 
führt uns ein besseres, von dem Ingenieur einer 
Petroleumgesellschaft bewohntes Haus vor Augen. Die 
Formen sind den landesüblichen angepaßt; aber die Aus 
führung und Grundrißeinteilung entspricht deutschen An 
sprüchen. 
Bei einer Streife in die Umgegend fand ich in dem 
nahegelegenen Doftana am gleichnamigen Fluß eine An 
zahl hübsch gebauter Mais- und Sägmühlen (Bild 7). Be 
sondere Einlaufkanäle führen den einfach gebauten unter- 
schlächtigen Wasserrädern aus Holz das Wasser zu. 
Weiter flußabwärts hemmt kein Stauwehr mehr den Lauf 
des wilden Gesellen. Aber auf eine Länge von etwa 200 
Meter stehen noch 10—12 Mühlen an seinem Ufer, deren 
20—30 Räder durch bloßes Eintauchen ohne jede Stau 
vorrichtung dem Bach den Weg sperren. Sie alle dreht er 
im Kreise und schafft mit den wackelnden Rädern ein im 
wahren Sinn lebhaftes Landschaftsbild. Ein eigenartiges 
Bauwerk kam mir in der Nähe bei einer Höhenwanderung 
zu Gesicht. Es ist eine in Bild 8 gezeigte kleine Weg 
kapelle aus Holz mit halbkreisförmigem Grundriß. Im 
Giebel sieht man ein in grellen Farben auf Holz gemaltes 
Bild. Wenig vertrauenerweckend ist der bauliche Zu 
stand. Der aus dem Innern wachsende Baum läßt auf 
keine allzu häufige Benützung schließen. 
Nachdem ich die Gegend im Bilde gezeigt habe, wird 
es auch von Interesse sein, einiges über die Bewohner zu 
hören. Nach meinen Beobachtungen ist die Bevölkerung 
dem Fremden gegenüber scheu und unterwürfig; man 
sieht wenig arbeitende Leute, aber viel herumlungerndes 
Gesindel und Bettelvolk, so daß man sich nach Italien ver 
setzt glaubt. Die Männer tragen weiße Hemdblusen mit 
farbenprächtig gestickten Einsätzen (Bild 1). Als Kopf 
bedeckung dient die Lammfellmütze. Die Frauen tragen 
meist hellfarbige Röcke und Blusen mit prachtvollen bun 
ten Stickereien und farbige Kopftücher. Die kleinen 
Kinder werden in einem Tragtuch auf dem Rücken ge 
tragen. Viele Zigeuner durchziehen zu Fuß, auf Maul 
eseln oder mit Wagen das Land. In den Schulhöfen der
        

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