Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

BAUZEITUNG 
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Nr. 27/3 1 
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mit allem zu versorgen. Der Tunnel, der 150—200m vom 
Bahnhof Montmedy weg beginnt, war gesprengt, die 
Wiederherstellung stieß auf gewaltige Schwierigkeiten, man 
ging daher sofort daran, eine Umgehungsbahn um den 
Festungsberg herum zu bauen. Die Bahn, die für die erste Zeit 
ihre Dienste schon tat, führte direkt durch Montmedy und 
war eingleisig. Kaum war sie jedoch fertig, so nahm 
man eine zweigleisige Linie, für die man eine bessere 
Tracegefunden hatte, in Angriff. Gleichzeitig wurde aberauch 
die Wiederherstellung des Tunnels in’s Auge gefaßt und 
dies, obwohl man nach den Untersuchungen wußte, daß 
solches monatelange Arbeit kosten werde. Aber weil der 
Tunnel eine noch bessere Abwickelung des gewaltigen 
Verkehrs ermöglichen würde, so ging unsere Heeres 
leitung an die Aufgabe. Die Meinung sonst ging zwar 
allgemein dahin, daß der Krieg längst aus sein werde, 
bis der Tunnel wieder gebrauchsfähig sei. Leider ist es 
anders gekommen, der Tunel ist zwar heute, wo ich dies 
schreibe (Ende Mai), noch nicht im Betrieb, es kann sich 
allerdings um nicht mehr viel handeln; aber der Krieg 
ist noch nicht aus. 
Montmedy ist ein nettes, an den Festungshügel sich 
anschmiegendes Städtchen von ca. 3000 Einwohnern, die 
offenbar in großer Beschaulichkeit dahinlebten. Aus dem 
Kampf ums Dasein macht man sich nicht viel, Fabriken 
gibt es in der ganzen Umgebung nicht, die Landwirtschaft 
aber ist in dieser Gegend besonders ertragreich, kein 
Wunder also, daß Montmedy von vielen kleinen Rentiers 
bevorzugt wird. Diese geben auch dem Städtchen sein 
Gepräge. Das Leben der Bürger hatte natürlich auch 
einen gewissen Einfluß auf die Garnison, die teils in einer 
Kaserne in der Stadt unten, zum größten Teil aber oben 
auf der Festung untergebracht war. In dieses beschau 
liche Idyll brachte der Krieg viel Verwirrung und so kams, 
daß die Festung dem Kampfe auswich, damit, wie wir 
Schwaben sagen, nicht alles kaput ist. 
Beim ersten Anblick der gewaltigen Festungsmauern 
kann man sich bass verwundern, daß man so ein Boll 
werk mir nichts dir nichts im Stiche läßt. Sieht man je 
doch näher zu, dann wird es einem klar, daß diese Festung 
schon seit langem vernachlässigt wurde und wenn man 
als Soldat die Haltung des Kommandanten verwerfen muß, 
so wird man doch bei einer Kritik nicht vergessen können, 
daß es bei der Festung von Grund aus gefehlt hat.
	        

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