Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

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BAUZEITUNG 
Nr. 40/42 
Kriegssitzung des Verbandes 
Deutscher Baugewerkmeister. 
Der Verband hielt am 7. und 8. d. Mts. in Dresden eine 
Kriegssitzung des zu diesem Zwecke erweiterten Vor 
standes ab, die von Fachgenossen aus allen Teilen Deutsch 
lands außerordentlich gut besucht war. Die Verhandlungen 
leitete der Verbandsvorsitzende Architekt Oestrich- Berlin. 
Nach der Erstattung des später noch als Sonderdruck 
erscheinenden Tätigkeitsberichtes durch den Geschäfts 
führer des Verbandes, Syndikus Schlegel, sprach zunächst 
Rats-Maurermeister Höfchen- Berlin über die Förderung 
des baugewerblichen Lehrlingswesens und insbesondere 
über die Notwendigkeit, rechtzeitig neue Kräfte dem 
Bauhandwerk zuzuführen. Es wurde beschlossen, von 
der Schulkommission und dem Geschäftsführenden Aus 
schuß des Verbandes eine Werbeschrift herauszugeben 
und den Innungen zur Verwendung in ihren Bezirken zur 
Verfügung zu stellen. Ueber die Fürsorge für Kriegs- 
nahme des deutschen Baugewerbes an den Wieder 
herstellungsarbeiten in Ostpreußen entwickelte sich eine 
lebhafte Aussprache, an der sich die Herren Burkhardt- 
Gotha,JLauffer- Königsberg, Dr. Adler- Posen, Wurm- 
Bartenstein, Herzog-Danzig, Gestrich-Berlin, Müller- 
Stettin, u. a. beteiligten. Das Ergebnis war die Annahme 
der folgenden vom Posenschen Bezirks-Verband ein- 
gebrachten Leitsätze: 1.) Für die auszuführenden Arbeiten 
kommen in erster Linie die Kollegen in Ost- und West 
preußen in Betracht und zwar besonders diejenigen, welche 
in den geschädigten Gebieten ansässig waren. Erforderlichen 
Falles sind sie auch mit Rat und Tat möglichst weitgehend 
zu unterstützen. 2.) Eine Beteiligung an den von den 
ostdeutschen Handwerkskammern geplanten Lieferungs 
genossenschaften kann später nur dann empfohlen werden, 
wenn die Gewähr vorhanden ist, daß die betr. Genossen 
schaft auf ausreichende Aufträge rechnen darf. Ueber 
das Verhältniss des Innungs-Verbandes D. B. zum Deutschen 
Arbeitgeberbund f. d. B. sprach in ausführlicher Weise 
Baumeister Krauß- München. Nach der Aussprache 
beschädigte referierte Baumeister Busch- Stuttgart. All 
gemein wurde anerkannt, daß diese Fürsorge Ehrenpflicht 
der deutschen Arbeitgeber ist und daß auch der Innungs- 
Verband D. B. von seinen Mitgliedern die tunlichste 
Einstellung invalider Kriegsteilnehmer erwartet. Die Frage 
geeigneter Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der Bau 
tätigkeit nach dem Kriege behandelte Architekt W. Leh 
mann- Hannover. Er betonte die Notwendigkeit, daß 
die in Aussicht genommenen Bauten des Reiches und 
des Staates, wie auch der Gemeinden schon jetzt so 
weit vorbereitet werden müßten, daß sie sofort nach Be 
endigung des Krieges in Angriff genommen werden können. 
Eine entsprechende Entschließung, die den Geschäfts 
führenden Ausschuß mit der Abreichung entsprechender 
Eingaben beauftragt, wurde von der Tagung einstimmig 
angenommen. Die von einer Seite angeregte Gründung 
eines Deutschen Baumuseums erachtete die Versammlung, 
ohne dem Gedanken grundsätzlich entgegen zu sein, als 
zur Zeit nicht verfolgbar, weswegen dieser Punkt von 
der Tagesordnung abgesetzt wurde. Ueber die Anteil- 
an der sich auch der als Gast anwesende Vorsitzende 
des Deutschen Arbeitgeberbundes f. d. B., Baumeister 
Behrens - Hannover beteiligte, konnte der Verbands 
vorsitzende feststellen, daß es der übereinstimmenden 
Ansicht des Vorstandes entspricht, wenn der Geschäfts 
führende Ausschuß des Innungs-Verbandes D. B. über die 
Behandlung wirtschaftlicher Fragen mit dem Deutschen 
Arbeitgeberbund f. d. B. bei geeigneten Gelegenheiten 
Beratungen abhält. Am zweiten Verhandlungstage sprach 
zunächst Baumeister Noack- Dresden über Fragen des 
Verdingungswesens. Er hatte seinen Vortrag in drei 
Teile zerlegt: Verdingungsverträge, Preisverzeichnisse und 
Preisschutzverbände. Die Versammlung stimmte seinen 
Vorschlägen einstimmig zu, die dahin gingen: 1.) Den 
Geschäftsführenden Ausschuß des Innungs-Verbandes zu 
beauftragen, mit dem Vorstande des Deutschen Arbeit 
geberbundes f. d. B. über die von diesem bearbeiteten 
Normalien von Verdingungsverträgen zwecks deren ge 
meinsamer entgültiger Feststellung zu beraten, 2.) Den 
Bezirksverbänden das Gleiche hinsichtlich von Preis-
	        

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