Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

1./I5. April 1918. 
BAUZEITUNG 
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Abbildung 3. Ein geschlossener Hofraum fehlt diesen 
Anlagen. Dagegen gehört zu jedem Haus ein zwischen 
Gebäude und Straße liegender freier Vorplatz. 
Einen besonderen Reiz der Gebäude dieser Gegend 
bilden bei näherer Betrachtung die zum Teil sehr schönen 
architektonischen Haustüreinfassungen, deren Ausführung 
das vorhandene Steinmaterial ermöglichte und begünstigte. 
Einige Beispiele hierüber mögen vielleicht bei Gelegen 
heit an diesem Ort besonders behandelt und besprochen 
werden können. Leider hat der Backsteinbau der letzten 
Jahrzehnte diese jahrhundertealten Gepflogenheiten im 
Steinmetzgewerbe fast gänzlich verdrängt. 
Sind die vorn behandelten Bauweisen einander auch 
nicht verwandt, so sind sie doch im Aeusseren schein 
bar, und besonders für den Laien, einander ähnlich. 
Dagegen ändert sich nun das Bild in den nördlichen 
Gebieten Frankreichs völlig. Die Lage der Gebäude zur 
Straße, wie dies die Anlage des typischen fränkischen 
Bauernhofes mit sich bringt, trägt zu dieser augfälligen 
Veränderung des Straßenbildes den Hauptteil bei (Abb. 5.) 
Nicht die Langseiten der Gebäude mit ihren Fenstern, 
sondern die sehr schmalen fensterlosen Qiebelseiten der 
einbündig gebauten Häuser oder gar die Rückseiten der 
Gebäude stehen hier nach der Straße. 
Um einen viereckigen Hofraum gruppieren sich die für 
die Landwirtschaft erforderlichen Gebäude, (Abb. 5 a). Der 
Hof selbst ist gegen die Straße entweder durch eine 
hohe Mauer mit Tor oder auch — und dies ist meist bei 
größeren Anwesen der Fall — durch einen Torbau, (Abb. 
5 rechts) welchem an beiden Seiten niedrige einstöckige 
Gebäude angegliedert sind, abgeschlossen. Da der Hof 
raum für die Abwicklung des Wirtschaftsbetriebs genü 
gend Raum bietet, sind hier wieder die Straßen von ge 
ringerer Breite. Die schmalen Giebelseiten, welche bei 
den Wohnhäusern alle in einem Schornstein endigen, las 
sen die fehlenden Fensteröffnungen gegen die Straße 
kaum vermissen, besonders wenn die zum Hof führenden 
kleinen Eingangs- und großen Einfahrtstore geöffnet und 
dadurch Hofeinblicke gewährt werden. Wohltuendes 
Baumgrün, welches über die Hofmauern von der Straße 
aus sichtbar ist oder hohe Ulmen vor dem Hause geben 
der Anlage solcher Straßen noch einen besonderen Reiz. 
Hierüber habe ich in einer Broschüre: „Ländliche 
Bau- und Wohnverhältnisse in Nordfrankreich näheres 
ausgeführt. Wohl in ganz Frankreich aber herrscht Gleich 
mäßigkeit in dem Bau von industriellen Arbeiterhäusern, 
wobei jedoch das zweistöckige Reihenhaus am häufigsten 
vorkommt. Mitten in landwirtschaftlichen Gebieten be 
gegnet man diesen stadtartigen Aufmachungen, (Abb. 6) 
welche in jeder Beziehung nur geringen Anspruch auf 
menschliche Wohnbefriedigung machen können. Lang 
weilige Straßenbilder mit kahlen Backsteinfassaden bilden 
die Regel. Jedoch macht sich in der Nähe der deutschen 
Grenze nun der deutsche Einfluß etwas geltend, denn 
hier begegnet man in den neueren Anlagen der Zechen 
arbeiterhäuser das freistehende Ein- oder Zweifamilien 
haus, umgeben von einem größeren oder kleineren Garten. 
Architekt Hermann Finkbeiner, z. Zt. Lt. d. R. im Felde. 
Wettbewerbe. 
Kriegerhelmstätten für Innsbruck. Der Krieger 
heimstättenverein Innsbruck schreibt gemeinsam mit der 
Stadtgemeinde einen Wettbewerb aus, um einen muster 
gültigen Bebauungsplan für Heimstätten zu gewinnen. 
Die Teilnahme ist auf die in Innsbruck-Stadt und -Land 
wohnenden oder geborenen oder zuständigen Ingenieure, 
Architekten und Baumeister beschränkt. Als Preise stehen 
insgesamt 4000 Kronen zur Verfügung. 
Mönchen. Der Magistrat beabsichtigt innerhalb des 
Münchener Architekten- und Ingenieur-Vereins einen Wett 
bewerb für Kleinwohnungsbauten zu veranstalten und 
hiefür eine Summe von M. 5000.— bereitzustellen. 
Ein flugtechnischer Wettbewerb. Der „Reichs 
anzeiger“ schreibt in seinem amtlichen Teil einen Wett 
bewerb aus, um Unterlagen für die Vereinheitlichung der 
Rohrschalter (Hähne, Ventile, Schieber und dergl.) in 
Flugzeugen zu erlangen. Verlangt werden Zeichnungen 
und Probeausführungen verschiedener Schalter. Das Preis 
gericht setzt sich aus je 3 Vertretern der beteiligten Be 
hörden und der Fachindustrie, sowie 1 Vertreter der vor 
genannten Versuchsanstalt zusammen. An Preisen, die den 
Mitteln der Nationalflugspende entnommen sind, werden 
ausgesetzt: ein 1. Preis von 5000 M., ein 2. Preis von 
3000 M., ein 3. Preis von 2000 M. Anmeldungen sind 
unter Benutzung von Formularen, die ebenso wie die 
näheren Bedingungen der Ausschreibung in der Deutschen 
Versuchsanstalt für Luftfahrt, Berlin SW., Belle-Alliance- 
platz 2, erhältlich sind, bis zum 1. Mai 1618 an den Vor 
sitzenden des Preisgerichts, Herrn Marinebaurat Laudahn, 
Berlin W. 10, Reichsmarineamt, zu richten, der auch über 
etwa noch vorliegende den Wettbewerb betreffende Fragen 
Auskunft erteilt. Die Probeausführungen müssen bereits 
bis zum 1. Juli 1918 an die Prüfstelle der Deutschen 
Versuchsanstalt für Luftfahrt, Adlershof bei Berlin, ein- 
gesandt sein. Es ist zu hoffen, daß der Wettbewerb 
unter den einschlägigen Firmen rege Beteiligung finden 
und daß das Ergebnis dem angestrebten Zweck, eine
	        

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