Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

I./15. Januar 1917. 
BAUZEITUNO 
5 
Geschäftsstockwerke zusammengefaßt, während das vierte 
als Wohngeschoß sich breit darüber fegt. Zwei kräftige 
Gesimse bringen die Trennung deutlich zur Geltung, bis 
das gewaltige Dach wieder alles zusammenfaßt. Zu den 
sechs Fensterachsen der Straßenseiten kommen noch die 
beiden seitlichen Treppenhäuser, so daß alles Innere deut 
lich nach außen gekennzeichnet ist. Zum Schluß hat noch 
der Bildhauer im reichsten Maße Gelegenheit gehabt, 
Sinn und Zweck des Hauses bildnerisch darzustellen, so 
daß äußerlich und innerlich ein Haus großzügiger Ein 
teilung, aber auch der pünktlichen Ausarbeitung, bis ins 
kleinste entstanden ist. 
Der Entwurf und die Bauleitung lag bekanntlich in 
den Händen des Baurats Karl Hengerer, Stuttgart, und 
seines Mitarbeiters Architekt Karl R e i ß i n g. Die Bild 
hauerarbeiten stammen von Professor J a n n s e n. 
und braucht den Betrag nur anzufordern, ohne genauere 
Rechenschaft dafür ablegen zu müssen, daß er wirklich 
preiswert eingekauft hat. So kommt es, daß der 
Staat häufig, vielleicht sogar zumeist teurer kauft, als ein 
Privater in gleichen Fällen tun würde. Das ist bei den 
Kriegslieferungen besonders deutlich geworden. Vielleicht 
wären Millionen von Steuern weniger nötig, wenn nicht 
Milliarden infolge Mangels an kaufmännischer Geschick 
lichkeit vom Staate unnötig ausgegeben wären. 
Natürlich soll nicht gefordert werden, daß sich der 
Staat einer unwürdigen Preisdrückerei, wie sie im privaten 
Handel vielfach üblich ist, befleißige. Der Beamte soll wie 
in seinem übrigen Tun, so auch in seinem kaufmännischen 
Verfahren vorbildlich sein: er soll nach dem g e r e c h - 
ten, dem anständigen Preise streben. Der ist aber 
nicht unbedingt der teuerste. Freilich auch nicht der bil- 
Sparen im Staatsbetrieb. 
Aus dem 2. Oktoberheft des „Deutschen Willens“ (Kunstwart): 
Wir-sind gewohnt, Steuern, Zölle, Staatsbetriebe als 
die Quellen der Staatseinkünfte anzusehen. Vielleicht zu 
wenig wird die andere Möglichkeit ausgenutzt: das 
Sparen. Gewiß sparen die einzelnen Betriebe wie Post 
und Eisenbahn, indem sie bestimmte Sparverordnungen 
erlassen, auch Prämien aussetzen. Aber es gibt noch eine 
andere Weise zu sparen, die zu wenig geübt wird: das 
billige Einkäufen. 
In der Regel wird dem Beamten ein Betrag angewie 
sen, für den er dies oder das zu kaufen hat. Er gibt diesen 
Betrag dann auch wirklich aus; denn was hätte er von 
einer ersparten Summe anderes als „Scherereien“? Oder 
aber, ein Beamter erhält Vollmacht, etwas einzukaufen, 
ligste, aber er ist immerhin der „billige“. Bei den gewal 
tigen Lieferungen, die der Staat zumal im Kriege zu ver 
geben hat, sind auch bei einem durchaus gerechten „bil 
ligen“ Preis die größten Ersparnisse möglich, wenn nur 
der Beamte fähig ist, zu wirtschaften, das heißt: für 
den Staat zu s p a r e n. 
Die auf die angedeutete Weise entstandene teure Wirt 
schaft ist nicht nur eine wirtschaftliche Kraftvergeudung, 
sie bringt zugleich eine Verschiebung in der privaten Ein 
kommensverteilung mit sich, die nicht im Nutzen der All 
gemeinheit liegt. Durch die Steuern werden die auszu 
gebenden Beträge verhältnismäßig gleichmäßig von allen 
einzelnen Staatsbürgern aufgebracht. (Daß die größere 
Last noch immer auf den schwächeren Schultern liegt, da 
von können wir in diesem Zusammenhang absehen.) 
Werden nun die Beträge ausgegeben, so kommen sie bei
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.