Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

Ein 11. Preis, Kennwort: „Heimische Weise“. 
Verfasser: Eugen Steigleder, Architekt Stuttgart. 
Die ausgezeichneten Entwürfe haben im einzelnen 
die nachstehende Beurteilung erfahren: 
I. Platz an der Rotenbergstrasse. 
Nr. 71 Kennwort: „Drei Höfe“.. 
Die Gebäudegruppierung fügt sich zwanglos in die 
vorhandene Grundstücksform ein. Dabei erhalten die 
Baublöcke a, c, d und f die für die Durchsonnung der 
Wohnung günstigste Lage. Im übrigen ist Wert darauf 
gelegt, daß sowohl nach den Straßen wie nach dem Fried 
hof ein baulich guter Abschluß entsteht. Die Nachteile 
der Lage der in der Richtung der Rotenbergstraße liegen 
den Gebäude in Bezug auf die Himmelsrichtung wurden 
dadurch zu mildern gesucht, daß der größere Teil der 
Zimmerfronten nach Süden, die Treppenhäuser dagegen 
nach Norden gelegt wurden. Durch die gleichzeitig auf 
die Nordseite (Hofseite) gelegten Hauseingänge ist auch 
der Verlust wertvoller Wohnungsflächen für das Erdge 
schoß vermieden worden. Die Grundrisse der Wohn 
ungen sind zweckmäßig und ungezwungen und in den 
Größen angemessen. Ihre Ausmaße ermöglichten es, ne 
ben ausreichenden Flächen für Gärten doch die nicht un 
günstige Zahl von 139 Wohnungen zu erzielen. Der Bau- 
karakter ist dem Zwecke der Bauten gut angepasst. Auch 
gewährleistet die Wiederholung gleicher Architekturformen 
(Fenster u. s. w.) eine billige Herstellungsmöglichkeit der 
Gebäude. 
Nr. 76 Kennwort: „Heimische Weise“. 
Die vorliegende Arbeit ist eine sehr gute Lösung der 
gestellten Aufgabe. Der Grundgedanke, die Grundfläche 
in einem großen Stück, (Innenhof) zusammenzuhalten, ist 
der grundlegende gute Gedanke. Daß der Verfasser die 
Gebäude um den Hof herum einerseits symetrisch zu 
einer senkrecht zur Hauptstraße liegenden Axe angeord 
net hat und andererseits dieselben parallel zur Haupt 
straße stellt, ist mit Rücksicht auf einen Abschluß des 
später sicher zu einem Park umzuwandelnden Friedhofs 
als eine gute Lösung zu bezeichnen. Die Dreiteilung 
des großen Innenhofs sollte eigentlich nur durch kleine 
Futtermauern um den Geländegefällen zu entsprechen, 
ausgeführt werden. Der Spielplatz mit seinem geräusch 
vollen Betrieb sollte nicht in den großen Innenhof, son 
dern an die Rückseite der hinteren Gebäudereihe gelegt 
werden. Die Grundrisse sind zweckentsprechend, die 
Zahl der Wohnungen mit 108 ist zu knapp, da auf dem 
Gelände mindestens 125 bis 130 Wohnungen bei sinn 
gemäßer Ausnützung errichtet werden sollten. Da bei 
dem Projekt die Dachräume mit Rücksicht auf die ge 
ringe Neigung des Daches nicht ausgebaut sind, wäre 
die notwendige Zahl der Wohnungen zu erreichen durch 
die Reduktion der Grundfläche der zweizimmrigen und 
dreizimmrigen Wohnungen von 62 und 72 qm auf 73 und 
60 sowie durch den Ausbau der Dachräume. Eine Er 
höhung der rückwärtigen Bauten wäre mit Rücksicht auf 
die reizvolle Wirkung des Hofschaubildes zu vermeiden. 
Die Architektur ist bei aller Einfachheit von sehr schöner 
Wirkung, auch die Unterteilung der Gebäudefront bringt 
eine reiche Abwechselung in das Schaubild.
	        

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