STUTTGART
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FÜR WÜRTTGMBGRQ
BHDENHESSENGL
SPSS- LOTHRINGEN*
1./15. Juli 1918
Ideen-Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für Kleinwohnungen der Stadt
Stuttgart. — Das Baugewerbe in der Uebergangswirtschaft. — Zement-Ersatz
und Aehnliches. — Wettbewerb. — Verschiedenes.
Alle Rechte Vorbehalten.
Ideen-Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen
für Kleinwohnungen der Stadt Stuttgart.
II. Platz an der Sickstrasse.
Nr. 71a Kennwort: „Terrasse“.
Der Verfasser hat sich mit den etwas schwierigen
Geländeverhältnissen zwischen Schwarenberg- und Sickstraße
in einer durchaus glücklichen Weise durch die Anlage
einer Terrasse abgefunden. Er teilt im übrigen das
ganze Baugelände in zwei unter sich geschlossene Bauteile,
die für die Einzelblöcke eine gute Belichtung sowohl
der Wohnräume wie der Gartenanlagen gewährleisten.
Ein besonderer Vorzug dieses Projekts ist die
Südlage der Wohnräume an der Sickstraße. Die Einzeltypen
der 2 und 3 Zimmerwohnungen weisen keine besondere
Eigenart auf, sie halten sich mit rund 66 bezw.
rund 76 qm in den Grenzen des Zulässigen. Die Architektur
der Anlage hat mehr den städtischen Wohnhauskarakter
als den einer Kleinhaussiedelung, was jedoch
bei der durchaus städtischen Art der Umgebung des Baugeländes
nicht als Vorwurf zu betrachten ist. Sie ist im
übrigen schlicht und ansprechend.
Nr. 27 Kennwort: „66 und 77 qm“.
Der Lageplan zeigt eine sehr hübsche Zweiteilung
in der Form, daß zwei selbständige symetrische Baugruppen
entstehen, von welchen jede wiederum aus 3
Häusergruppen besteht. Die Ueberbauung des Platzes
ist dadurch, daß die beiden Gruppen nach der Südseite
offen stehen, eine verhältnismäßig dünne, was sich auch
darin ausspricht,'daß nur 98 Wohnungen untergebracht
worden sind. Das ist etwas unter dem Mittel, ist aber
natürlich bedingt, durch die entsprechende lichte Ueberbauung
des vorgesehenen Bauplatzes, von welchem zwei
größere Teile frei bleiben zur Anlegung von Gemüsegärtchen.
Der Spielplatz hinter den Gemüsegärten an
der Schwarenbergstraße ist sehr günstig gewählt, da dort
an der Böschung der zum Ueberbauen am wenigsten vorteilhaft
gelegene Platz ist. Der Spielplatz hinter der Baugruppe
an der Ecke liegt weniger günstig. Was die
Wohnungen anbelangt, so sind für den 2 Zimmertyp 66
qm, für den 3 Zimmertyp 77 qm Platz aufgewendet; das
ist wohl etwas reichlich, aber noch zulässig, immerhin
auch mit ein Grund, warum verhältnismäßig wenig Wohnungen
untergebracht werden konnten. Zu beanstanden
ist, daß an der Schwarenbergstraße die Zimmer nach
Norden, die Treppenhäuser und die Nebenräume dagegen
an die Südseite gelegt sind. Das ist vielleicht wegen
der Fassadenausbildung geschehen, ist aber ein Fehler,
was ausdrücklich festgestellt sein soll. Die Ausbildung
des Aeußeren der Gebäude ist einfach, aber gut, der
Charakter einer Bauanlage für Kleinwohnungen ist gewahrt.
Alles in Allem ist die Arbeit als eine gute und
gefällige Gesamtleistung zu bezeichnen, die eines Preises
würdig erachtet worden ist.
Das Baugewerbe in der Uebergangswirtschaft.
Der Deutsche Wirtschaftsbund für das Baugewerbe
hat in seiner in Stuttgart abgehaltenen diesjährigen ordentlichen
Hauptversammlung sich u. a. eingehend mit den
Fragen der baugewerblichen Uebergangswirtschaft beschäftigt.
Er hat einstimmig eine Entschliessung angenommen,
welche die Hauptforderungen enthält, die das
Baugewerbe für seine Wiederaufrichtung nach dem Kriege
stellt. Wir entnehmen derselben folgendes:
Die Hauptversammlung nimmt Kenntnis von dem Bericht
des Geschäftsführenden Vorsitzenden über die Bemühungen
des Bundesvorstandes, die Reichsregierung zur
Inangriffnahme wirksamer Massnahmen für die Wiederaufrichtung
des Baugewerbes nach dem Kriege zu veranlassen.
Die Hauptversammlung erklärt sich einverstanden
mit den hierbei vom Bundesvorstand zur Geltung gebrachten
Erwägungen und mit den aus diesen hervorgegangenen
Vorschlägen.
Die Hauptversammlung erklärt die Berücksichtigung
dieser Vorschläge für unbedingt erforderlich, um eine Wiederaufnahme
der Bautätigkeit während absehbarer Zeit
nach dem Kriege zu ermöglichen. Insbesondere ist hierbei
eine Lösung der Fragen der Baustoffbeschaffung und
-Verteilung notwendig, derart, dass sowohl die seitens der
Heeresverwaltung freizugebenden Baustoffe und Geräte,
als auch alle sonstigen Baumaterialien auf dem direktest
möglichen Wege dem Baugewerbe zugeführt werden, und
zwar, soweit irgend angängig, unter Vermittelung des
Deutschen Wirtschaftsbundes für das Baugewerbe und
seiner Unterverbände.
Es ist ferner rechtzeitig Vorsorge zu treffen für die
Bereitstellung von Arbeit, wozu die möglichste Beschleunigung
in der baupolizeilichen Prüfung vorliegender Baugenehmigungsgesuche
sowie die frühzeitige Vorbereitung
aller Projekte für nach dem Kriege zu errichtende Bauten
der Reichs-, Staats-, und Komunalbehörden dringend
erwünscht ist. Schliesslich ist, um der auch für die ersten
Jahre nach dem Kriege noch zu erwartenden Teuerung
der Materialien und Arbeitslöhne in ihrer lähmenden
Wirkung auf die Bautätigkeit entgegenzuwirken, die Zuführung
von Mitteln zum Baumarkte durch die Reichs-,
Staats- und Kommunalbehörden in weitestem Umfange
nötig. Dabei ist grundsätzlich zu fordern, dass strengste