Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

16-/31- Januar 1917. 
BAUZEITUNG 
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— westfäl. Industriegebiet eine Entlaslungsstraße um die 
Stadt herum zu schaffen, welche die engen Gassen und 
scharfen Ecken der Altstadt vermeidet. Außerdem galt 
es, von den neu geplanten Walldurchbrüchen aus die 
neuen Straßen nicht planlos, ohne bestimmtes Ziel, ins 
Gelände hinauszuführen. Nur ausnahmsweise konnte es 
sich im übrigen darum handeln, neue Verbindungsstraßen 
für den Fernverkehr zu erschließen; denn für ihn genügen 
die alten geschichtlich gewordenen Wege im Allgemeinen 
vollauf. . . 
Laut Programm war auch die Frage zu untersuchen, 
ob es sich für Soest empfiehlt, eine strenge Zonen 
ordnung, d. h. genau begrenzte Zonen für die verschiedene 
Bauweise, Landhausviertel, Fabrikviertel u. a. w. einzuführen. 
Diese Frage bejahten die meisten Entwürfe; mit Recht, 
denn wozu „wilde“ Bebauung führt, das zeigen leider 
allzuhäufig — in Soest glücklicherweise nur an wenigen 
Stellen — verfehlte Bauwerke aller Art am falschen Platz. 
Gerade in Soest ließ sich eine klare Gliederung recht 
wiegende Arbeitersiedelungen und in Wohnstätten für 
heimgekehrte Krieger und Kriegerfamilien. Den Gedanken 
der Kriegerheimstätten haben nur wenige Entwürfe 
außer acht gelassen; manchen sah man es allerdings an, 
daß sie darauf verzichteten, eingehender in das Wesen 
der Kriegerheimstätten einzudringen. Außerdem sind noch 
wirtschaftliche Siedelungen vorgeschlagen, auch wieder 
solche für landwirtschaftlich gebildete Krieger, und land 
wirtschaftliche Anlagen allgemeiner Art außerhalb der Stadt 
erweiterung. Endlich noch gewerbliche Siedelungen für 
Großindustrie und kleinere Anlagen. 
Oft haben sich Städte mit Ringwall und radialer Anlage 
so weiter entwickelt, daß sich mit ihrem Wachstum 
ein weiterer, neuer Ring, mit dem alten Ring der Um 
wallung konzentrisch, um sie legte. Dieser natürlichen 
Entwicklung trugen auch viele Entwürfe Rechnung, zu 
mal ringförmige Feldweganlagen in den Außengebieten 
schon vorhanden waren und zur Ringbildung weiteren 
Anreiz gaben. Der Entwurf „Kultur im Krieg“ hat 
Straßenzug S-T vom Südwestfriedhof zum projektierten Stadttheater. 
Abschluß bei T. (Im Hintergrund Walldurchbruch zur Altstadt.) (Die Baumgruppe links ist vorhanden.) 
gut durchführen; so haben z. B. die preisgekrönten und 
angekauften Entwürfe fast alle die ruhigen, g'uten Wohn 
viertel mehr in den Westen gelegt, -wo auch ein auf 
drei Seiten von einem kleinen Wasserlauf umgebenes 
Außengebiet zu einer gartenstadtähnlichen Siedelung ge 
radezu herausfordert; besonders heraüsgehoben haben 
diese Stellen die Entwürfe „Kultur im- Krieg“ und der 
angekaufte Entwurf „Patroklus, (Verfasser des letzteren sind 
Landmesser Solinus und Architekt'Piel bei der westfäl. 
Bauberatungsstelle, in Münster.) Der Entwurf „Kultur im 
Krieg“ z. B. schlägt vor eine Gliederung' in zwei Arten 
von Wohnvierteln, erstens sog. Mietsviertfcl in vorwiegend 
geschlossener 3 stockiger Bauweise, die sich allmählich 
zu Geschäfts- und Verkehrsvierteln entwickeln, und außer 
dem reine Wohnviertel mit offener oder halboffener Be 
bauung von 2 Geschoßen. Außerdem 2 Arten von Landhaus 
vierteln, nämlich solche in weiträumiger Bauweise und 
solche in gartenstadtähnlichem (genossenschaftlichem), 
Charakter. Eine dritte Klasse der Wohnviertel bilden 
die Kleinhaussiedelungen, mit der Unterteilung in vor- 
diese Ringbildung ebenfalls vervollständigt und den 
grünen Gürtel um die Stadt, den der Entwurf „Sachsen 
spiegel“ (1. Preis) direkt an die alte Umwallung an 
schloß, als äußeren Abschluß, jedoch als Neuschaffung 
auf jungfräulichem, billigem Gelände um die Neustadt 
gelegt. Zwar meint das Preisgericht zu diesen Ring 
anlagen, daß die „grundsätzliche Anordnung der Ring 
straßenzüge nicht als notwendige Folgerung der vor 
handenen Radialstraßen anerkannt werden könnte“. 
Das ist in gewisser Hinsicht richtig, wenn man aber 
1 km rings um die Tore Baugelände legen soll, so 
kommt man, wenn man sich an die bestehenden Straßen 
und Wege der Feldmark und die örtlichen Verhältnisse 
anlehnen will, auf natürlichem Weg eben doch mehr 
oder weniger zur Ringbildung, was ein Blick auf fast 
sämtliche Entwürfe zeigte. Zudem erleichterte der süd 
liche Teil der Ringstraße die Führung einer Umgehungs 
straße für Kraftwagen südlich um die Stadt, eine Straße, 
auf welche das Preisgericht, wie es scheint, besonderen 
Wert legte
	        

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