Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

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BAUZEITUNO 
Nr. 3/4 
Große Beachtung forderte das Programm auch für 
die Grünanlagen und besonders deren planmäßige 
gegenseitige Verbindung. Das war nun verhältnismäßig 
leicht zu erfüllen. Geschickte Anordnung zeigten die 
Entwürfe, welche von der alten Umwallung ausgehend 
die Grünflächen radial nach außen ausstrahien ließen; 
dieser Anordnung kamen zudem kleine Einsenkungen, 
die in selber Richtung liefen, und die nebenbei auch als 
Durchlüftungskanäle stadteinwärts wirken, zugute. Auch 
der Zug des Soestbaches gab vielen Entwürfen Gelegen 
heit zur Einfügung von Anlagen. Die Ringbildungen 
erleichterten den gegenseitigen Zusammenhang der 
Grünflächen. Andererseits sah man auch wieder Entwürfe, 
die unverständlicherweise diese Flächen in kleinen 
zerstückelten Formen wahllos rings über den Plan zer 
streuten; andere verfielen auch hier wieder in großstädtische 
Nachahmungen und legten lange und breite Pracht 
straßen an und zwar in einem Querschnitt, wie ihn Soest 
niemals ausführen kann. 
Den Norden der Stadterweiterung, der durch 
die großen Anlagen der Staatsbahn von dem Haupt 
teil der Stadt getrennt ist, und in dem das Walzwerk 
der Hüstener Gewerkschaft liegt, auch einige Siedlungs 
anfänge von Arbeiter- oder Bahnunterbeamlenkolonien, 
benützten so ziemlich alle Entwürfe für die weitere 
Unterbringung größerer gewerblicher Anlagen, zumal 
hier die Ruhr-Lippe Kleinbahn den Anschlußverkehr 
vom künftigen Hafen an der Lippe her vermittelt. Der 
Entwurf ,,Kultur im Krieg“ hat für diese Zwecke in 
diesem Gelände einen besonderen Industrie 
bahnhof vorgesehen, von dem aus, unabhängig 
vom sonstigen Güter- und Personenverkehr, 
die Anschlußgleise in die Industriebaublöcke 
nach allen Seiten geführt werden können. 
Für die Anlage der Kleinhaussiedelungen in 
diesem Gebiet — andere Formen des Woh 
nungsbaus kommen im Norden, von einigen 
Verkehrsplätzen abgesehen, nicht in Betracht 
— war darauf zu achten, daß sie unbelästigt 
von der Nachbarschaft der Fabriken lagen 
und auch der Weg zu diesen und zur Stadt, 
auch zum Industriegebiet im Südosten, nicht 
zu weit wurde. 
Der Lage der Eisenbahnen im Stadt 
gebiet wurde von vielen Entwürfen etwas zu 
wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Es führen 
dreierlei Bahnen durch Soest: Die Hauptbahn 
(Staatsbahn) mit den Linien nach Paderborn, 
Elberfeld und Hamm; die norma'spurige west 
fälische Landesbahn, am Hauptbahnhof begin 
nend mit einem Stadlbahnhof „Thomätor“, 
und die Ruhr-Lippe Kleinbahn, die mitten 
durch West- und Nordstadt führt mit den 
Bahnhöfen „Jakobitor“ im Westen und „Brü 
dertor“ beim Hauptbahnhof. Für die Führung 
dieser Kleinbahn durch den Norden sah das 
Programm schon eine Vorlegung vor; aber 
auch die Lage der Bahn im Westen, wo 
sie sich in merkwürdigen Windungen hinter 
Häuser und Gärten durchschlängelt, muß 
mit der Zeit die Stadterweiterung stören, 
weshalb verschiedene Entwürfe auch hier eine 
Verlegung vorschlugen, meist eingefügt in 
einen entsprechenden Straßenzug. Für die 
andern Bahnen waren Veränderungen kaum 
noch angängig. 
Es sei noch erwähnt, daß der mit dem 
I. Preis ausgezeichneteEntwurf,, Sachsenspiegel“ 
(Verfasser Regierungsbaumeisler Langen und 
Architekt Schmitthenner-Berlin) das Baugebiet 
wesentlich beschränkte und die immerhin 
mißverständliche Forderung der Aufteilung auf mindestens 
1 km vor die Tore unbeachtet ließ, was zu verschiedenen 
Erörterungen in der „Deutschen Bauzeitung“ (Nr. 81—92 
v. 1916) geführt hat. 
Kriegsliste der deutschen Normalprofile für 
Walzeisen zu Bauzwecken. 
Die schon im Frieden als zweckmäßig und im Inte 
resse aller Beteiligten liegende Beschränkung der Zahl 
der Normalprofile erweist sich angesichts des Krieges 
als eine Notwendigkeit. Von einer Vereinfachung des 
Walzprogramms darf bis zu einem gewissen Grade eine 
Beseitigung der jetzt bestehenden Lieferungsschwierig 
keiten von Eisen aller Art erwartet werden. Im Ein 
verständnis mit Vertretern der Konstruktionsfirmen ist 
daher eine Auswahl aus den bestehenden Normalprofilen 
getroffen worden, auf die sich die Verbraucher in Zu 
kunft in ihrem eigenen Interesse beschränken müssen. 
Die getroffene Auswahl wird in erster Linie den Bedürf 
nissen der Konstruktionsfirmen gerecht, trägt aber auch 
denen anderer Verbraucher, wie Waggonfabriken und 
Maschinenbauanstalten, Rechnung. 
Die Anfertigung besonderen Zwecken dienender 
Spezialprofile wird dabei nach wie vor erfolgen. Es- 
muß aber den Abnehmern solcher Profile überlassen 
bleiben, sich wegen der Lieferung mit den Werken be- 
besonders zu verständigen. 
Am Thomätor (neue Lösung.)
	        

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