Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

STUTTGART 
16./3).März J917 
FÜR WÜRTTEMBERG 
BRDEN-HESSEN*EL 
SHSS- LOTHRINGEN 
Inhalt; Gesichtspunkte über Entwässerungsanlagen. — Verschiedenes. — 
Zeichnungen aus Ensisheim. — Vereinsmitieilungen. — Personalien. 
. Lied zur Kriegsanleihe. 
Feder- 
— Ein 
Alle Kechte Vorbehalten 
Gesichtspunkte über Entwässerungsanlagen 
von Fr. Schräder, Architekt und Bauschuloberlehrer in Glauchau i. Sa. 
Die Tage- und Abfallwässer, sowie auch die Abfall 
stoffe bei Benützung von Aborten mit Wasserspülung wer 
den in der Regel den öffentlichen Straßenkanälen durch 
Hauskanäle mit entsprechendem Gefälle zugeführt, und 
zwar unter dem Straßengelände in gehöriger Tiefe oder 
unter dem Kellerpflaster, wenn im Kellergeschosse sich 
Waschküchen, Küchen, Abortanlagen, Werkstatträume 
und dergleichen befinden. Der Anschluß der Hauskanäle 
an das Straßennetz geschieht in der Regel auf Kosten des 
Anbringers durch die Gemeinde, während die Anlagen 
innerhalb des Grundstückes vom Besitzer selbst zu be 
wirken sind. Die Fortführung in offenen Gräben oder 
auch in Rinnen wird in städtischen Orten nur ganz aus 
nahmsweise und dann auch nur für ganz reines Regen 
wasser gestattet. 
Die Röhren der Straßenkanäle (Hauptleitungen) wer 
den zweckdienlich aus hartgebrannten Backsteinen (Klin 
kern) oder aus Beton und bei kleinen Querschnitten aus 
glasierten, gebrannten Tonröhren mit rundem, meist aber 
eiförmigem Querschnitt 1 hergestellt. Sie müssen so tief 
verlegt werden, daß sie einmal frostfrei sind, das andere- 
mal auch die Kellersohle der Gebäude entwässert werden 
kann. Gemauerte Kanäle sind mit Zementmörtel zu 
mauern, und die Innenwände sind mit ebensolchem glatt 
zu putzen. Der untere Teil der Röhren wird häufig durch 
besonders geformte Sohlenstücke aus Zementbeton, besser 
noch aus glasiertem, gebranntem Ton oder, wenn auch 
seltener, aus emailliertem Gußeisen angefertigt. 
Alle Kanalleitungen sind möglichst geradlinig aus 
zuführen. Etwaige Knickpunkte sind zugänglich herzu 
stellen, entweder durch Reinigungsdeckel, welche sich 
leicht öffnen lassen müssen, oder durch Schächte (Schrote, 
Gullis), welche die Einführung von Schlammfängen ge 
stalten. Die Sohle solcher Schächte ist aber nicht vertieft 
anzulegen, sondern ist mit Abflußrinnen von halbkreisför 
migem Querschnitt zu versehen, damit der glatte Abfluß 
keine Unterbrechung erleidet. Geringere Gefälle wie 
1 ; 100 sollen für Straßenleitungen überhaupt nicht zur 
Anwendung kommen. 
Für Kanäle innerhalb des Grundstückes kommen in 
der Regel nur glasierte Tonrohre oder gußeiserne Rohre 
zur Verwendung, seltener solche aus Zement. Alle Röhren 
sind gut an ihren Stößen abzudichten, und zwar die Röh 
ren aus Zement und gebranntem Ton mit geteertem Hanf 
strick und Zement oder besser noch mit festem Ton, die 
Röhren aus Gußeisen dagegen mit Hanf und Bleiverguß, 
der zweckdienlich noch gut verstemmt werden muß. 
Das Gefälle der Hausleitungen soll tunlichst zwi 
schen 1:15 und 1 : 50 liegen. Muß dasselbe unter 1 : 50 
aus irgend einem Grunde liegen, so ist besondere Spü 
lung der Leitungen vorzusehen. Der Querschnitt genügt 
bei gewöhnlichen Hausleitungen mit 15 cm. Für Grund 
stücke mit mehr als 1200 qm Grundfläche beziehungsweise 
Abflußfläche oder für größere Zuflußmengen aus gewerb 
lichen Anlagen ist naturgemäß ein entsprechend größerer 
Querschnitt zu wählen, der aus Gründen genügender 
Leistungsfähigkeit rechnungsmäßig zu ermitteln ist. 
Die Verbindung zwischen Straßen- und Hausleitung 
darf nicht durch einen Wasserverschluß unterbrochen wer 
den, damit die Luftbewegung nicht gehindert wird. Die 
Abführung des Hofwassers erfolgt vermittelst eines ge 
mauerten, aus gebrannten Ton, Gußeisen oder Zement 
beton hergestellten Einlaufs (Senkkasten) mit Schlamm-
	        

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