Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

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BAUZEITUNO 
Nr. 20/21 
ergänzt. Betrugen sie mehr als 15 Pfennig, war also die 
tatsächliche Entlohnung höher als der Tariflohn zuzüglich 
der ersten und der neuen (zweiten) Zulage, so sollen sie 
unverändert weiterbezahlt werden. Auf tariffreien Ar 
beitsstellen, für die während des Krieges besondere Platz 
verträge oder Lohnvereinbarungen abgeschlossen sind, 
soll der Lohn durch entsprechende Zuschläge dem Tarif 
lohn des nächstliegenden Tarifgebiets zuzüglich beider 
Zulagen — der vom Mai 1916 und der gegenwärtigen — 
ausgeglichen werden; auch hier sollen bisher gezahlte 
höhere Löhne nicht gekürzt werden. Indes findet bei den 
auf Grund von Verträgen dieser Art Beschäftigten eine 
Anrechnung der sogenannten Auslösung statt, soweit sie 
mehr als 2 Mark für den Kalendertag (also 14 Mark für 
die Woche) beträgt. Die Arbeitgeber haben sich verpflich 
tet, die neue Zulage rückwirkend vom 27. April 1917 ab 
zu gewähren; dabei ist vorausgesetzt, daß, bevor die Zah 
lung beginnt, die Lrage der Rückerstattung durch das 
Reich bezw. die Bundesstaaten geregelt ist. An dem neuen 
Vertrage sind, wie bei dem erwähnten Reichstarifvertrag 
aus der Vereinbarung vom 3. 4. Mai 1916, der Deutsche 
Arbeitgeberbund für das Baugewerbe auf der einen, der 
Deutsche Bauarbeiterverband, der Zentralverband der 
Zimmerer und verwandten Berufsgenossen Deutschlands 
und der Zentralverband christlicher Bauarbeiter Deutsch 
lands auf der anderen Seite beteiligt. 
Verschiedenes. 
Siedlung für Kriegsbeschädigte. Die Siedlüngs- 
gesellschaft Sachsenland in Halle an der Saale hat das 1150 
Morgen große Gut Neumühle im Kreise Zorbis im Wege 
der Zwangsversteigerung erworben. Auf diesem Oute 
sollen Kriegsbeschädigte angesiedelt werden. Die Gesell 
schaft hat in der Provinz Sachsen bereits 500 Einfamilien 
häuser fertig gestellt und nicht weniger denn 4000 Sied 
lungen vorbereitet. 
Wohnungsnot in der Schweiz. In den Städten der 
Schweiz macht sich eine schnell steigende Wohnungsnot 
bemerkbar. Ueberall übersteigt die Nachfrage nach Woh 
nungen das Angebot ganz erheblich. Nach den statisti 
schen Erhebungen vom 1. Dezember 1916 standen z. B. 
in Zürich nur 0,8% aller Wohnungen leer. 
Wohnhäuser und Haushaltungen in Preußen. Die 
Präge, ob wir nach dem Kriege mit einer Wohnungsnot 
zu rechnen haben, erfährt durch die Statistik eine eigen 
artige Beleuchtung, welche auf eine unbedingte Bejahung 
schließen läßt. Im Jahre 1900 wurden in Preußen 
3 557 366 bewohnte Wohnhäuser und 7 456 683 Haus 
haltungen gezählt. Auf jedes Haus kamen demnach 2,1 
Haushaltungen. Im Jahre 1910 waren 3 956111 be 
wohnte Wohnhäuser vorhanden und 8 807 405 Haushal 
tungen. Auf jedes Haus kamen also 2,22 Haushaltungen. 
Die Vermehrung der Wohnhäuser hat demnach mit der 
Vermehrung der Haushaltungen nicht gleichen Schritt ge 
halten. Da nun die Bautätigkeit seit drei Jahren fast völlig 
ruht, so ist anzunehraen, daß in dem Jahrzehnt 1910 bis 
1920 die Vermehrung der Wohnhäuser noch weniger 
Schritt mit der Vermehrung der Haushaltungen halten 
wird. Obwohl man die großen Menschenverluste berück 
sichtigen muß, so ist andererseits damit zu rechnen, daß 
die Neigung, eigene Haushaltungen zu begründen, nach 
jedem Kriege außerordentlich stark ist und daß jedenfalls 
eine sehr erhebliche Rückwanderung der vor dem Kriege 
im Ausland beschäftigt gewesenen und dort jetzt zurück 
gehaltenen Deutsdhen eintreten wird. 
Wertzuwachs- und Umsatzsteuern. In Potsdam tagte 
am 6. Mai der Verband der brandenburgischen Haus- und 
Orundbesitzerverein. Dabei hielt Professor van der 
Borght einen längeren Vortrag über die Abbürdung der 
Steuerlasten des Haus- und Grundbesitzes. Er stellte eine 
Reihe von Leitsätzen auf, die von der Versammlung an 
genommen wurden. Darin heißt es: „Die Wertzuwachs 
steuer, neben der Vermögenszuwachs- und der Kriegs 
steuer ist eine durch nichts gerechtfertigte und unhaltbare 
Sonderbelastung des Grundbesitzwechsels. Ihre baldige 
völlige Beseitigung durch reichsgesetzliche Vorschrift ist 
aus Gründen steuerlicher Gerechtigkeit, und wegen des 
Mißverhältnisses ihrer Veranlagungskosten zum Ertrage 
auch aus finanzpolitischen Gründen geboten.“ Und fer 
ner; „Die Bedürfnisse des Haus- und Grundbesitzes, des 
Realkredits und der Wohnungsversorgung erfordern 
gleichmäßig, daß die Häufung der Umsatzsteuern besei 
tigt und ein Höchstmaß für die Gesamtbelastung, des 
Grundbesitzwechsels mit solchen Steuern festgelegt wird.“ 
Weiter wird verlangt, daß die Umsatzsteuern überhaupt 
nicht erhoben werden bei Zwangsversteigerungen und 
ähnlich liegenden Fällen. 
Ostpreußen. Der Kreistag des Kreises Ragnit hat be 
schlossen, das 550 Morgen große Gut Lehrhof zum Preise 
von 400 000 Mark anzukaufen und es durch die Klein 
siedlungsgesellschaft aufteilen zu lassen. 
Württ. Kunstverein Stuttgart. Neu ausgestellt 
sind: Oelgemälde von August Aldinger, Nürtingen, 
Wilhelm Blutbacher, Ludwigsburg, Hugo Diez, Stuttgart, 
Heinrich Feigenbaum, Freudenstadt; Oel- und Pastellbil 
der von Karl Fuchs, Eßlingen; Oelgemälde von Erwin 
Grammel, Freudenstadt, Gottl. Grau, Heilbronn, Maria 
Kleiner, Stuttgart, Bernliard Klinckerfuß, Prien a. Chiems, 
Valerie May-Hülsmann, Stuttgart, Anna Quedenfeldt, 
Stuttgart; Oelgemälde und Zeichnungen von Willo Rail, 
Stuttgart, Franz Reinhardt, München, Rudolf Thost, Stutt 
gart, Albert Wunderlich, Stuttgart; Zeichnungen von 
Franz Baum, Ludwigsburg; farbige Zeichnungen von Karl 
Stirner, z. Z. Samaden; Porträtreliefs von Johannes Mai- 
höfer und Clauß Mohr. 
Personalien 
Württemberg.Verliehen dem Baurat Schmöger, Vorstand des 
Bezirksbauamts Heilbronn, das Ritterkreuz des Ordens der Württ. 
Krone, anläßlich seiner Zurruhesetzung. 
Berichtigung, ln letzter Nummer ist bei der Aufzählung der 
an der Techn. Hochschule Stuttgart die Diplomhauptprüfung be 
standenen Kandidaten der Name des Friz, Wilhelm von Stuttgart 
irrtümlicherweise mit „tz“ gesetzt worden. 
Bücher 
Schriften des Verbandes zur Erklärung der Wünschelruten- 
Frage. Stuttgart Verlag von Konrad Wittwer. Das vorliegende 
Heft 7 enthält den Schriftwechsel des Verbandes mit dem Reichs 
kolonialamt über Erfolge mit der Wünschelrute in Deutsch-Süd 
westafrika, bearbeitet von Wirkl. Geh. Admiralitätsrat G. Franzius. 
Es war die letzte Arbeit des verdienstvollen Mannes, dessen um 
fassendes Wirken auf dem Gebiet der Ingenieurwissenschaft und 
in der Welt der Technik in einem warmen Nachruf gewürdigt 
wird. Von der gewaltigen Bedeutung der Wünschelrute als ernst zu 
nehmendes Problem erfüllt, trat er im Zentralblatt der Bauverwaltung 
nachdrücklich dafür ein. Die Zusammenstellung und Durcharbeit 
des ersten Teils des vorliegenden Hefts hat er kurz vor seinem 
Ende 1914 erfolgten Tode vollendet. Es war ihm eine Freude, 
die von Landrat v Uslar unternommenen Erfolge mit der Wünschel 
rute durch die vom Reichskolonialamt angeordneten Untersuchungen 
im allgemeinen bestätigt zu sehen. Daß ein so umfaßendes Ge 
samturteil über den Nutzen der Verwendung von Rutengängern, 
wie es vom Reichskolonialamt nach mehrjährigen Erfahrungen ab 
geben wird, von hohem Wert ist, liegt auf der Hand. Ist doch 
jedem dadurch Gelegenheit gegeben, sich an Hand des amtlichen 
Actenmaterials sein Urteil in der Sache zu bilden. Dem Heft sind 
eine Bibliographie der Wünschelrute von Graf Karl von Klinckow- 
ström nnd Neuerscheinungen des Büchermarkts sowie eine Ab 
bildung, Rutengänger um 1420 darstellend, be.igegeben. 
Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart. 
Druck; Gustav Stiirner, Waiblingen.
	        

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