Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

Alle Rechte vorbehaiter 
Gerade das Kleinhaus erfordert in dieser Beziehung viel 
Mühe und Sorgfalt und nur durch äußerste Vereinfachung 
in Grundriß und Formgebung können befriedigende Er 
gebnisse erzielt werden. 
Der vom Feld heimkehrende Baumeister hat dabei 
voraus, daß er sich an straffe Zucht gewöhnt und gelernt 
hat, eine Bauaufgabe mit den einfachsten Mitteln zu lösen. 
Auch kommt ihm zu gute, daß er die einfachsten Wohn 
verhältnisse gründlich selbst ausprobiert hat. Zudem 
konnte er auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen sehen 
wie andere Völker gerade diese einfachen Bauaufgaben 
in ihrer Eigenart durchaus malerisch zu lösen verstehen. 
Auch der Verfasser dieser Arbeit hat seine früheren Er 
fahrungen im Kleinhausbau während des Kriegs erweitert 
und sie in ruhigen Stunden verwertet. 
Dem Plan eines Einfamilien-Kleinhauses (Abb. 1) liegt 
das Bestreben zu Grunde, das Wohnbedürfnis auf einen 
größeren Familien-Wohnraum zurückzuführen. Unter Weg 
fall des üblichen Treppenhauses ist die Wohndiele als 
solcher ausgebaut. Der vor dem Eingang liegende Wind 
fang ist mit Wintertüre zu versehen. Der Zugang zur 
Treppe kann statt durch einen Vorhang, auch durch eine 
Türe abgeschlossen werden. Weitere Schlafräume für 
Kinder können im Dachraum nach Bedürfnis eingebaut 
werden. Um Kosten zu sparen, wird der von der Küche 
aus zugängliche, gleichzeitig die Speiskammer ersparende 
Keller unter einem Teil der Wohndiele mit Balkendecke 
Kriegerheimstätten. 
Mit recht angenehmen Gefühlen liest der Frontsoldat 
die z. Zt. häufigen Berichte über Gründung von Vereinen 
für Kriegerheimstätten, denn diese Bewegung zeigt ihm, 
daß man in der Heimat noch seiner gedenkt. Und wie 
kommt sie seinen Wünschen und Hoffnungen für die Zu 
kunft entgegen. Hat doch so mancher schon davon ge 
träumt, wie er einmal für sich und die Seinen einen 
Unterstand bauen möchte. Klein und einfach könnte er 
schon sein, aber ein Garten oder Stück Land darf nicht 
fehlen. Gar viele möchten wohl dieses Dankes der 
Heimat an die Krieger teilhaftig werden, die Bewegung 
wird deshalb allenthalben freudig und dankbar begrüßt. 
Auch im Interesse des darniederliegenden Baugewerbes 
sind die Gründungen zu begrüßen, denn während der 
größte Teil der Industrie durch gutbezahlte Heeresaufträge 
sich wirtschaftlich festigen konnte, hatte die Bauindustrie 
in der Hauptsache Opfer zu bringen, ihre Angehörigen 
sind fast sämtliche für die Front abkömmlich. Sie werden, 
soweit sie später einmal zurückkehren, gänzlich veränderte, 
die Baumöglichkeit erschwerende Verhältnisse vorfinden. 
Die Errichtung der Kriegerheimstätten wird dann viel zur 
Wiederbelebung der Bautätigkeit beitragen. Hauptaufgabe 
des Baumeisters wird es dabei sein, die voraussichtlich 
allgemein auftretende Forderung nach Sparsamkeit mit 
den gesteigerten Baustoffpreisen in Einklang .zu bringen.
	        

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