Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

STUTTGART 
BTO&3 
FÜR WÜRTTEMBERG 
ERDEN-HESSEN-EL 
SHSS- LOTHRINGEN* 
Inhalt: Zu den Siedlungsfragen. — Kriegerheimstätten auf Erbbaurecht. — Heimstätten 
für Arbeiter und Krieger in Franken. — Bedenken gegen großstädtische Kleinhaussied 
lungen. — Verschiedenes. — Kleine Mitteilungen. — Vereinsmitteilungen. — Bücher. 
Personalien. — Briefkasten. 
Alle Rechte Vorbehalten. 
Zu den Siedlungsfragen. 
Die vorliegende Nummer ist in besonderer Weise 
Siedlungsfragen gewidmet. Nachdem wir in No. 31/34 
Einzel- und Reihenhäuser gebracht haben, lassen wir heute 
Entwürfe von Gebäudegruppen für Kleinwohnungen folgen. 
Ueberall in deutschen Gauen ist man am Werk 
ernstlich mit sich zu Rate zu gehen um Grundlagen zu 
finden für die Ueberwindung der durch den ungeheuren 
Krieg geschaffenen Wirrnissen. Am meisten wird aber 
wohl zur Zeit beratschlagt, wie der sich immer stärker 
fühlbar machenden Wohnungsnot zu steuern ist. An guten, 
auf praktischen Erfahrungen beruhenden Ratschlägen fehlt 
es nicht, aber auch nicht an solchen, die weit über das 
Ziel hinausschiessen. Jedenfalls ist dies bei allen den 
Vorschlägen der Fall, wo man das Heil nur im Einfami 
lienhaus sieht, ob nun die Großstädte, oder aber das 
platte Land in Frage kommen. Wir verweisen auf die 
in dieser No. abgedruckten Aeusserungen von Dr. Van 
der Borght und wir wüßten nicht, was gegen dessen Be 
denken gegen großstädtische Kleinhaussiedelungen vor 
gebracht werden könnte. Wir erinnern an die Stuttgarter 
Kolonie Falterau, gewiß eine architektonisch gut gelöste 
Kolonie, aber die Bewohner, die fast ohne Ausnahme 
nach Stuttgart zur Arbeit gehen, sind mehr unterwegs, 
als zu Hause. Nicht zuletzt aber, werden wir, wenn wir 
aus den Lehren dieses Krieges die richtige Nutzanwen 
dung ziehen, bei allen Siedlungsfragen bemüht sein müssen, 
diese so zu lösen, daß mit dem Grund und Boden im Interesse 
der Erzeugung von Nahrungsmittel so haushälterisch wie 
möglich veifahren wird. Anschliessend an die Wohnhaus 
gruppen für eine Siedelung in Franken, wiederholen wir 
in dieser Nummer die mit dem 1. und 2. Preis ausge 
zeichneten Entwürfe für die von der Stadt Stuttgart ge 
planten Kleinwohnungen in der Vorstadt Wangen. Möge 
es Stuttgart beschieden sein, nunmehr bald die Tat folgen 
zu lassen. Sch. 
Kriegerheimstätten auf Erbbaurecht. 
Von Dipl.-Ing. E. Schlunck, Ulm. 
Der ideale Gedanke, unsern Kriegern, die draußen 
mit dem Einsatz ihres Lebens die deutsche Erde, den 
deutschen Grund und Boden, gegen Feinde ringsum ver 
teidigt haben, Besitz ergreifen zu lassen, von diesem 
Grund und Boden ihnen auf eigener Scholle ein eigenes 
Heim zu gründen, hat sich immer mehr und mehr be 
geisterte Freunde erworben. Der praktischen Durchführ 
ung dieses Gedankens steht aber noch manche Schwierig 
keit hinderlich im Wege. Vor allen Dingen ist es die 
Finanzierung des Grundstückskaufes und des Häuser 
bauens, die sehr viel Schwierigkeiten bereitet. Die Heim 
stätten können ja bis zu einem hohen Prozentsatz ihres 
Wertes von den Versicherungsanstalten, Renlengutbanken 
und ähnlichen Kreditinstituten belieben werden. Eine 
Beleihung in vollem Werte ist aber nun doch aus 
geschlossen, infolgedessen muß der Krieger, der sich 
eine Heimstätte gründen oder eine solche erwerben will, 
doch über eigenes Kapital verfügen. Den Kriegsinvaliden 
und den Kriegerwitwen ist ja in dieser Beziehung durch 
das neue Kapitalabfindungsgesetz geholfen worden, erstere 
bekommen die Kriegszulage und Verstümmelungszulage, 
letztere einen Teil ihrer Witwenrente kapitalisiert, und so 
einen Kapitalbetrag in die Hände, der wohl in den meisten 
Fällen dazu ausreicht, den durch Beleihung nicht aufzu 
treibenden zum Erwerb einer Heimstätte fehlenden Betrag 
zu decken. Unseren Kriegern aber, die aus dem Felde 
gesund zurückkehren und keine Kriegs- und Verstümm 
lungszulagen beziehen, steht keine derartige Kapitalhilfe 
zur Verfügung, und auch sie sollen doch teilhaftig werden 
können des Segens, sich ein eigenes Heim auf dem 
heldenmütig verteidigten Heimatboden errichten zu können. 
Deshalb möchte an den Staat und an die Gemeinden 
nicht ungehört der Ruf ergehen: 
„Stellt unseren heimkehrenden Kriegern Grund 
und Boden in Erbbaurecht zur Verfügung.“ Das 
Kapital, das sie sonst für den Kauf des Grund und 
Bodens zahlen müßten, bleibt ihnen somit erhalten, sie 
brauchen für das Erbbaurecht nur einen jährlichen Zins 
aufzubringen. Es bleibt also nur die Beschaffung des Bau- 
kapitals nötig, die sich durch die Beleihung des Erbbau 
rechtes in weitgehendstem Sinne erreichen läßt. Das 
Erbbaurecht ist ja bisher in Deutschland trotz seiner 
sozialen Werte, die es in sich birgt, noch immer etwas 
stiefmütterlich behandelt worden, erst in den letzten 
Jahren vor Ausbruch des Krieges wurde es hier und da 
auf das Drängen der Bodenreformer hin vereinzelt vom 
Staat oder von Gemeinden angewendet. Die Schaffung von 
Kriegerheimstätten aber, zu der beizutragen es die Pflicht 
des Staates und der Gemeinden ist, wird wohl hoffent 
lich eine größere Anwendung des Erbbaurechtes mit sich 
bringen. Es dürfte daher für viele von Interesse sein, 
das Erbbaurecht einmal nach seinen rechtlichen und wirt 
schaftlichen Seiten hin etwas zu beleuchten. 
Das Erbbaurecht ist das vererbliche und veräußer 
liche Recht, auf einem Grundstück ein Bauwerk zu haben. 
Demgemäß kann also das Erbbaurecht nur dazu an einem 
Grundstück bestellt werden, um darauf ein Bauwerk zu 
errichten. (Es wäre also nicht möglich, an einem Grund 
stück ein Erbbaurecht zu bestellen, das z. B. nur aus
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.