Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

16./31. August 1919. BAUZEITUNG 103 
Wirtschaftliches Bauen. 
Bei Beobachtung der Wohnungsbauten in Stuttgart 
und Umgebung ist u. a. folgendes zu sehen: 
Als Betonmaterial wird sehr oft Kiessand verwendet, 
der sehr schmutzig ist und auch in Bezug auf Korngrösse 
so zusammengesetzt erscheint, daß ein branchbarer Beton 
sehr hohen Zementzusatz erfordert. Auf diese Weise wird 
der Mangel an Zement unnötigerweise gesteigert, 
Warum wird aber aus diesem Zustand heraus nicht 
gefolgert, daß Sand und Kies nur in solcher Zusammen 
setzung verwendet werden, daß mit einer Mindestmenge 
von Zement auszukommen ist? Warum wird nicht fest 
gestellt, welche Zementmenge eben noch ausreicht, um 
einen ausreichend festen Beton zu erlangen? Welche 
Festigkeit ist überhaupt im einzelnen Fall nötig? 
Absicht der Beteiligten entspricht oder nicht“ (Urt. des 
O.L.G. München v. 18. Juni 1917, Jur. Wochenschrift 
1917, S. 776). 
Man wird die Rechtsprechung nach dieser Richtung 
hin im Auge behalten müssen, ob nicht dem realen Leben 
weitere Konzessionen gemacht werden. Das Reichsge 
richt, das früher dem „Einwande der veränderten Um 
stände“ ganz ablehnend gegenüberstand, hat diesen Stand 
punkt während des Krieges mehr und mehr verlassen und 
sich dazu durchgerungen, einer Lösung der unter ganz 
anderen Verhältnissen abgeschlossenen Verträge zuzustim 
men. Bei konsequenter Durchführung des reichsgericht 
lichen Standpunktes muß man aber dazu gelangen, wie es 
das Oberlandesgericht München in dem oben angezoge 
nen Urteil getan hat. In den Kreisen der praktischen 
Juristen neigt man recht stark zu dieser Auffassung. 
Die Untersuchung dieser Frage muss m. E. für alle 
größeren Orte des Landes eingehend und raschestens 
durchgeführt werden. Es gilt Geld und Kohlen zu sparen! 
Vertragsänderung oder -Aufhebung infolge des Krieges. 
A. G.V. Die Anschauungen über unerfüllbare Verträge 
gehen noch fortgesetzt auseinander, namentlich soweit 
Preisfestsetzungen dabei eine Rolle spielen. Das Bürger 
liche Gesetzbuch gestattet im allgemeinen nicht, den In 
halt eines Vertrages aus dem Grunde zu ändern, weil sich 
die Verhältnisse seit Abschluß des Vertrages geändert 
haben. Es ist aber in der Rechtsprechung anerkannt, daß 
Vertragslücken vom Richter so auszufüllen sind, wie dies 
dem Willen der Parteien, wenn sie den eingetretenen Ver 
lauf der Dinge in Betracht gezogen haben würden, ent 
sprochen hätte. „Dabei ist das, was Treu und Glauben 
mit Rücksicht auf die Verkehrssitte fordert, als gewollt 
zu unterstellen, gleichviel ob dies der unausgesprochenen 
Rundschau. 
Württ. Kunstverein, Kunstgebäude Stuttgart, eröff 
net seine Ausstellung am Sonntag, den 31. August, mit 
einer großen Sammlung Oelgemälde und Graphik der 
Künstler-Vereinigung Dresden, ferner sind ausgestellt: 
Oelgemälde von Martha Buhl, München, Fritz Steisslinger, 
Seeburg. 
,, und Graphik von Kurt Wirtz, Blaubeuren. 
„ von H. Reicher, Stuttgart. 
Zeichnungen von Eug. Osswald, München. 
Beamtenwohnungsvereine und Stadtverordnete. 
Der Beamtenwohnungsverein in Lüneburg beabsichtigt 20 
Wohnhäuser zu errichten und stellte bei der Stadtver 
waltung den Antrag, ihm die üblichen Überteuerungszu 
schüsse zu gewähren. Die Bürgervorsteher (Stadtver 
ordnete) waren gern bereit, diese Gelder zu bewilligen, 
da die Wohnungsnot in Lüneburg groß ist und jede Be 
strebung, sie zu beseitigen mit Freuden begrüßt und 
unterstützt werden müsse. Durch Beamtenwohnungsvereine 
aber würden die Klassengegensätze noch mehr verschärft 
und das Bestreben der Neuzeit sei es, diese Gegensätze
	        

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