Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

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BAUZEITUNG 
Nr. 35/36 
Ein schwachgebrannter Ziegel bietet daher in bezug 
auf Ausblühungen eine doppelte Gefahr: sowohl durch 
seinen Sulfatgehalt, als auch durch seine besondere Fähig 
keit, salzhaltige Wässer in sein Inneres aufzusaugen. 
Es gibt nun ein einfaches bewährtes Mittel, um sich 
davon zu überzeugen, ob ein Ziegel zu Auswitterungen 
Veranlassunggeben kann. Man schleift zwei Steine aufein 
ander, um eine ebene Oberfläche zu erzeugen, legt den 
Stein mit dieser ebenen Fläche auf ein bis zum Rande mit 
destilliertem Wasser gefülltes Wasserglas und dreht das 
ganze System nun um. Das Wasser dringt unter Auf 
steigen von Luftbläschen langsam in den Stein ein, durch 
tränkt ihn, nimmt die löslichen Salze auf und leitet sie nach 
der Oberfläche des Steines. Nach dem Verdunsten des 
Wassers zeigen sich nach etwa 8 Tagen deutlich die Salze 
an der Steinfläche, falls der Stein zur Bildung von Aus 
witterungen befähigt war. In ähnlicher Weise kann man 
auch den Mörtel prüfen. Man zerkleinert den Mörtel, leitet 
bis zur völligen Absättigung Kohlensäure in das feuchte 
Pulver, bringt es in das Glas mit dem destillierten Wasser 
und stülpt dieses in der oben angegebenen Weise über 
einen erprobt salzfreien porösen Ziegelstein. Die ausblü 
henden Salze können nun an dem Stein in gleicher Weise, 
wie oben angeführt, beobachtet werden. 
Durch solche Ueberlegungen und einfache Vorprüf 
ungen können sich oft gewisse allgemeine Richtlinien für 
die Ursachen des Schadens ergeben, die durch die genaue 
chemische Untersuchung dann weiter gestützt werden. 
V. Rodt. 
Billigheim (Pfalz) Stadteingang. 
Zum Wiederaufbau Nordfrankreichs. 
Im Zusammenhang mit den in den letzten Tagen in 
der Presse aufgetauchten Nachrichten über ein neuge 
gründetes „Volksarbeitsamt“ erfahren wir von unterrichte 
ter Seite, daß es sich dabei lediglich um ein Manöver 
unverantwortlicher Kreise unabhängig-kommunistischer 
Richtung handelt. Ein Zweifel darüber konnte allerdings 
bei Sachverständigen nach den phantastischen Angaben, die 
das „Volksarbeitsamt“ über seine-Vorarbeiten und die 
angeblich verfügbaren Arbeitermassen machte, nicht mehr 
möglich sein. 
Es sei daran erinnert, daß bereits vor einigen 
Monaten dem Auswärtigen Amt die Vorverhandlungen mit 
der Entente in der Wiederaufbaufrage übertragen wurden 
und daß nach Klärung der Kompetenzfragen das Reich s- 
wi rtschaftsministerium im Juli die Vorbereitung 
der Wiederaufbauarbeiten vom technisch wirtschaftlichen 
Gesichtspunkt aus übernommen hat. Diese Behörden ar 
beiten in engster Fühlung mit den sogen. Reichs-Arbeits 
gemeinschaften der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die die 
massgebenden Zentralorganisationen auf beiden Seiten 
— und zwar auf Arbeitnehmerseite neben denen sozial 
demokratischer Richtung auch die christlichen und hirsch- 
dunckerschen umfassen —. Von diesen Reichsarbeitsge 
meinschaften, die der Regierung Sachverständige aus Ar 
beitgeber- und Arbeitnehmerkreisen zur Verfügung ge 
stellt haben, kommt für den Wiederaufbau besonders in 
Frage die Reichsarbeitsgemeinschaft für das Bau 
gewerbe (Berlin S. W. 11), ferner die für das Holzge 
werbe, die Industrie der Steine und Erden (Baustoffe) 
und die Eisen- und Metallindustrie. Interessenten aus 
Arbeiter-, Angestellten- und Unternehmerskreisen des Hoch- 
Beton- und Tiefbaugewerbes werden, sobald die Vorver 
handlungen beendet sind und die Ausführung von 
Arbeiten in Nordfrankreich ins Auge gefaßt werden kann, 
rechtzeitig durch ihre Reichs-Arbeitsgemeinschaft für das 
Baugewerbe angeschlossenen Berufsverbände unterrichtet 
werden. Von dem neuen „Volksarbeitsamt“, das mit den 
maßgebenden Behörden und Berufsverbänden keinerlei 
Verbindung hat, können sie weder zweckdienliche Aus 
kunft noch spätere Übertragung von Arbeit erwarten. 
Schwammverdacht. Ist der Käufer eines Hauses ver. 
pflichtet, dem Käufer das frühere Vorhandensein von 
Schwamm bekanntzugeben? 
Kläger kaufte vom Beklagten ein Haus und verlangte 
später 10 000 Mk. mit der Behauptung zurück, das Haus 
sei früher mit Schwamm behaftet gewesen, was ihm arg 
listig verschwiegen worden sei. 
Der Beklagte wurde antragsgemäß verurteilt, und das 
Reichsgericht hat dieses Erkenntniss bestätigt. 
Der Beklagte hatte durch seinen Verwalter davon 
Kenntnis, daß einmal Hausschwamm in dem Gebäude 
festgestellt worden war, sodaß fortan mit der Möglichkeit 
des Fortbestehens des Schwammes gerechnet werden 
mußte. Nach feststehender Rechtsprechung des Reichs 
gerichts ist der Verkäufer verpflichtet, nicht nur von dem 
Vorhandensein des Hausschwammes dem Käufer Kennt 
nis zu geben, sodern auch dem früheren Vorhandensein 
des Hausschwammes. Freilich ist neuerdings, seitdem die 
Wissenschaft festgestellt hat, daß unter Ümständen der 
Schwamm entgültig beseitigt werden kann, die Mitteilung 
von Schwammverdacht dann nicht erforderlich, wenn die 
vorgenommenen Arbeiten die Annahme der entgültigen 
Beseitigung des Schwammes rechtfertigen und wenn 
ferner in der betreffenden Gegend allgemein die Über 
zeugung herrscht, einmal vorhanden gewesener Schwamm 
könne beseitigt werden. 
Diese Voraussetzungen treffen auf den vorliegenden 
Fall nicht zu. Der Beklagte mußte nach den getroffenen 
Erhebungen mit dem Fortbestehen, bezw. mit dem Wieder 
auftreten des Schwammes rechnen, und darin liegt eine 
ausreichende Begründung-für seine Arglist. 
Stalldecken mit dem Deckenstein „Huz“ 
hergestellt. 
Die Baustoffknappheit veranlasst heute den Techniker 
mehr denn je neue Konstruktionen zu schaffen. Das 
Hauptbestreben geht durchweg dahin, möglichst voll 
wertige Ausnützung der Baustoffe in konstruktiver Hin 
sicht zu erreichen. Deutlich tritt auch das Bestreben zu 
Tage Konstruktionen zu schaffen, welche in wärme- 
wirtschaftlicherBeziehung besser sind, als die früheren 
Konstruktionen.
	        

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