Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

STUTTGART 
Süd- und mitteldeutsche 
ÜTOK3 
Reue Folge der Bauzeitung für Württemberg, Baden, fjessen, 
Flsaß-Gothringen. 
Gegründet als Würtlembergische Bauzcitung im lahre 1904. 
Inhalt: Holzbalkendecken. — Der Rentenanspruch des infolge 
neuen Berufe gezwungenen Arbeiters. — Das Urhebern 
recht des angestellten Architekten an den für sein ' 
Entwürfen. — Rundschau. — Vereinsmitteilungen. 
Holzbalkendecken. 
Von Bauinspektor Dr.-Ing. Schnidtmann, Stuttgart. 
Die krankhafte Lage unseres Baumarktes stellt an 
jeden Techniker die Forderung, die Abmessungen seiner 
Konstruktionen auf jenes Mindestmaß zu bringen, das mit 
ihrer Zweckerfüllung und dem als nötig anerkannten 
Sicherheitsgrad eben noch vereinbar ist. Gilt diese For 
derung auch allgemein von allen Bauteilen, so muß sie 
doch besonders dringend erhoben werden, wenn es sich 
um Konstruktionen handelt, die als alltägliche Erschei 
nung im Baugewerbe, also mit großer Häufigkeit und 
unter wenig veränderten ähnlichen Bedingungen stets 
wiederkehren. Eine solche ist zweifellos die gewöhn 
liche Holzbalkendecke im Hochbau, die infolge der Eisen- 
und Zementnot jetzt wieder als Sieger im Wettbewerb 
auftritt auch in Fällen, in denen sie unter normalen Ver 
hältnissen ausgeschaltet gewesen wäre. Und doch kann 
man sich beim Besuch vieler Baustellen nicht des Ein 
drucks erwehren, daß hier der Grundsatz zielbewußter 
Sparsamkeit noch keineswegs überall durchgedrungen 
ist, daß vielmehr bei der Querschnittsbemessung der 
Holzdecken noch vielfach nach alter Schablone verfahren 
wird, die zur Zeit ihrer Entstehung Begründung gehabt 
haben mag, unter den heutigen Verhältnissen aber der 
Berechtigung entbehrt. „Das Bessere ist des Guten Feind“, 
sagt ein altes Dichterwort, und auf unseren Gegenstand 
übertragen, möchten wir es so deuten: Die wissenschaft 
liche Untersuchung, die statische Berechnung kann und 
soll die Faustregeln verdrängen! Einen Beitrag hiezu 
sollen die nachfolgenden Zeilen liefern. — 
Der eigentlichen statischen Untersuchung mögen 
einige allgemeine Bemerkungen vorangehen. Wie be 
handeln Holzbalkendecken, wie sie im Hochbau bei 
Wohnhausbauten, Schulen, Krankenhäusern und Büro 
gebäuden üblich sind; Deckenkonstruktionen außerge 
wöhnlicher Art, sei es hinsichtlich der Belastung oder 
der Spannweiten, werden wohl stets zweckmäßiger Ge 
genstand einer eigenen Betrachtung bleiben. Bei den ge 
nannten Gattungen pflegt man in Württemberg als Nutz 
last eine gleichmäßig verteilte Last anzunehmen, welche 
je nach dem Zweck zwischen 125 und 350 kg pro qm 
schwankt. Es muß jedoch gleich bemerkt werden, daß 
diese Annahme wohl für die Bemessung der Balken, nicht 
aber für die des Dielenbelages *) ausreicht. Für den letzte 
ren kommt vielmehr im allgemeinen die Belastung durch 
eine Person in Frage, welche ihr (Durchschnitts-)Oewicht 
von 75 kg, in der Mitte des Belages stehend, auf eine Die 
lenbreite von 25 cm überträgt. 
•) Wir verstehen in der Folge unter dem Dielenbelag nur die 
unmittelbar tragenden, also quer zum Gebälk verlegten Dielen. 
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AU« Rechte Vorbehalten. 
Die SchwierigkgfEiäher genauen und direkten Bestim 
mung der Querschnitte liegt in dem Umstande, daß diese 
nicht nur die Bedingungen genügender Festigkeit erfüllen, 
sondern auch für ein gewisses Maß von Steifigkeit Ge 
währ bieten müssen, um einerseits beim Begehen nicht 
den Eindruck der Federung und des Schwankens zu ma 
chen, und andererseits den Deckenputz nicht zu stark zu 
beeinflussen und zum Reißen zu bringen. Diese Steifig 
keit findet ihren Ausdruck in der Durchbiegung ; 
aber über das mit Rücksicht auf die genannten Umstände 
zulässige Maß derselben liegen bis jetzt keine sicheren 
Angaben vor, so daß man zu Annahmen gezwungen ist, 
die ihre Rechtfertigung lediglich in mehr oder weniger 
gefühlsmäßig geschätzten Erfahrungswerten finden. Bei 
der Berechnung der Balken selbst kommt insbesondere 
noch die Schwierigkeit in der Beurteilung des günstigen 
Einflusses des Belages und der Zwischenkonstruktion auf 
deren Durchbiegung hinzu. Wir werden dem dadurch 
Rechnung tragen, daß wir die zulässige relative Durch 
biegung der Balken, diese als einzelne unabhängige Trä 
ger aufgefaßt, wesentlich höher annehmen als jene des 
Dielenbelages, und zwar letztere zu - * , erstere zu J r , r , 
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Dabei gehen wir von dem Gedanken aus, daß es genügt, 
nur die durch die Nutzlast hervorgerufene Durchbiegung 
in Rechnung zu stellen, nicht jene unter der Gesamtlast; 
denn nur die erstere ist es, die nach der Fertigstellung der 
ganzen Deckenkonstruktion in Erscheinung tritt. 
Wie bereits erwähnt, ist es aber notwendig, sich da 
bei vor Augen zu halten, daß diesen Zahlen und den 
daraus nachfolgend abgeleiteten Formeln eine gewisse 
Willkür anhaftet und daß dieselben vielleicht einer Kor 
rektur bedürfen, wenn einmal exaktere Messungen vor 
liegen werden. Daß sich angesichts der Wichtigkeit der 
Sache die Vornahme solcher Beobachtungen lohnen 
würde, bedarf wohl kaum eines Beweises, und wenn diese 
Zeilen hiezu anregen sollten, wäre ihr Zweck erfüllt. — 
Wir betrachten nun eine Holzbalkendecke, deren Die 
lenbelag durch n einfache Dielen *) von der Stärke d ge- 
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gemeineren Fall anzunehmen.
	        

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