1./15. Jan. 1920
BAUZE1TUNQ
3
Nr. 20: Kennwort „Beherrschende Masse“.
Die Lage des Gebäudes passt sich dem Gelände an.
Der Charakter des Gebäudes entspricht seinem Zweck
und der Landschaft. Das Gebäude selbst, dreigeschossig
aufgeführt, enthält in zwei vorgelegten einstöckigen Flügelbauten
einerseits die Wohnung des Hausmeisters, andererseits
die Krankenabteilung. Der Mittelbau enthält
nach vorne eine große offene Halle, nach hinten Kochküche
mit den Wirtschaftsräumen. Zweckmäßige Anlage
des Haupteinganges und Treppenhauses. An die in der
Mitte des Erdgeschosses liegenden Tagräume schließen
sich in gut gelungener Weise offene Liegehallen an mit
dem Vorteil, daß die Tagräume direktes Tageslicht bekommen.
Ein gemeinsames geräumiges Treppenhaus verbindet
in geschickter Weise die sonst streng geschiedenen
Räume für Knaben und Mädchen. Die im Obergeschoß
liegenden Schlafsäle sind zweckentsprechend angeordnet,
mit je einem Waschraum und Aufsichtsraum für den
Schlafsaal. Die Bedingungen des Programms sind eingehalten.
Die Kostensumme bewegt sich in normalen
Grenzen.
Nr. 136: Kennwort „Jugendfreude“.
Die Lage des Gebäudes ist gut, sie nimmt sowohl auf
die Geländeverhältnisse, wie auf die Landschaft und die
Aussicht genügende Rücksicht. Alle Räume zum Aufenthalt
der Kinder sind gegen Südosten und Südwesten gelegen.
Das Programm ist erfüllt, die Tagräume liegen im
Erdgeschoß und insbesondere in guter Verbindung mit
der Küche. Erwünscht wäre die besondere Hervorhebung
des Haupteingangs, an Stelle von den zwei gleichwertigen
Eingängen. In das Erdgeschoß sind zweckmäßig auch
die Räume für das Personal gelegt, während alle Schlafräume
mit Zubehörden im ersten Stock recht gut vereinigt
sind. Krankenabteilung und Hausmeisterwohnung sind
einwandfrei untergebracht, für erstere kann ein Zugang
von außen ohne weiteres geschaffen werden. Die äußere
Ausbildung dürfte etwas gefälliger gestaltet sein, insbesondere
wäre auf die halbkreisförmigen Vorbauten zu
verzichten, im allgemeinen ist das Aeußere von anzuerkennender
Geschlossenheit und Ruhe und in seiner Gesamtentwicklung
recht gut in die Landschaft eingepaßt.
Die Baukosten überschreiten das zulässige Maß nicht.
Die Vorzüge der Entwurfes berechtigen denselben zur
Auszeichnung mit an erster Stelle.
Nr. 47; Kennwort „Helios“.
Die Vorzüge des Entwurfes liegen in der guten Situierung
des Gebäudes auf dem hochgelegenen ebenen
Teile des Bauplatzes, in der klaren, inneren und äußerlichen
Trennung der einzelnen Raumgruppen, in der guten
Lage der Küche zu den Tagräumen und in der klaren,
einfachen, in der Nähe wie in der Feme gut wirkenden,
durchgehend horizontal gegliederetn äußeren Erscheinung
des zweigeschossigen, teilweise nur eingeschossigen
Baues. Die Gleichwertigkeit der beiden Eingänge in die
Anstalt und die zu aufwändig wirkende Säulenhalle hätten
vermieden werden sollen. Die Baukosten sind mäßig.
Nr. 104: Kennwort „Simpel und doch einfach“.
Die Lage des zweigeschossigen Anstaltsgebäudes
innerhalb des Bauplatzes und gegenüber dem See ist gut;
seine Grundform ist dem Bauplatz besonders angepaßt.
Im Erdgeschoß liegen gut zusammengruppiert die Aufnahme-
und die Tagräume, im Obergeschoß im wesentlichen
die Schlafräume. Aborte und Bäder hätten dabei
ausreichender angelegt werden sollen. Die Wirtschaftsräume
bilden einen an der Nordoftecke des Hauptbaues
hackenförmig nach rückwärts angegliederten Flügelbau,
der in guter Verbindung mit den an der sonnigen Südecke
des Gebäudes praktisch liegenden Tagräumen steht. Die
Krankenabteilung ist in einen vom Hauptgebäude, gegen
den tiefer liegenden Teil des Bauplatzes, ziemlich weitab
gelegenen eigenen Bau verlegt. Die Benützung und Bewirtschaftung
derselben wird mangels jeder gedeckten
Verbindung Schwierigkeiten mit sich bringen. Einzelne
Stellen des Grundrisses, so besonders bei dem Gebäudeknick
auf der Ecksäule, bei der Haupttreppe und an der
Nordecke sind nicht gut gelöst. Die Baukosten sind entsprechend.
Das Aeußere zeichnet sich durch seine schöne
Einfachheit und gut wirkende Horizontalgliederung vorteilhaft
aus.
Nr. 7: Kennwort „Windschutz“.
Der Verfasser nimmt bei der Lage des entworfenen
Gebäudes vielleicht zu viel Rücksicht auf klimatische Einflüsse,
wenigstens verdirbt er damit die Erscheinung des
von ihm entworfenen Gebäudes in der Landschaft. Abgesehen
von der gekrümmten Ausbildung der Grundrisse,
die in diesem Maße nicht gerechtfertigt erscheint, zeigen
dieselben Vorzüge durch klare Einteilung und Unterbringung
der geforderten Räume an richtiger Stelle. Für
den Verkehr von der Küche zu den Tagräumen erscheint
die große, offene, wahrscheinlich zugige Durchfahrt bedenklich.
Der Hauptzugang an der westlichen Oebäudeseite
dürfte räumlich würdiger gestaltet sein. Das Aeußere
des Hauses zeigt die für seine Zwecke einfache und
schlichte Haltung.
Sparsame Bauweise und Wärmewirtschaft.
Ueberall in deutschen Landen wird heutzutage die
sparsame Bauweise für Wohnhäuser in den Vordergrund
gestellt. Nachstehend wollen wir deshalb einmal eine
kurze technische und wirtschaftliche Betrachtung darüber
anstellen, was man eigentlich unter sparsamer Bauweise
versteht. Wenn man annimmt, daß das Haus, welches die
geringsten Baukosten verursacht, am billigsten ist, so befindet
man sich im Irrtum. Das Gegenteil kann der Fall
sein, d. h. dasjenige Haus, welches den geringsten Baukostenaufwand
erfordert, kann im Laufe der Zeit am
teuersten werden. Denn bei einer solchen Betrachtung
muß man nicht nur die eigentlichen Baukosten, sondern
auch die jährlichen Unterhaltungs- und Betriebskosten, zu
welch letzteren vornehmlich diejenigen für Heizung und
Wärmeversorgung gehören, mit in den Kreis der Berechnung
ziehen. Jedenfalls ist die Brennstoffvergeudung,
die eine unzweckmäßige Bauweise hervorrufen kann, zuweilen
recht groß und die außerordentliche Verteuerung
der Kohlen zwingt die Allgemeinheit, sich dem Problem
der Wärmewirtschaft und Wärmesicherheit in ganz be-„Jugendfreude“.
Architekt Eugen Steigleder, Stuttgart
rtrmvmD: rr« jnoan» nroa
■v't