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BAUZE1TUNQ 
Nr. 9/10 
fragen eingeladenen führenden Vertreter der Interessenten 
kreise sich sämtlich mit großer Schärfe gegen die vom 
Reichswohnungskommissar verfolgten Ideen, betr. Grün 
dung von Einkaufsgesellschaften, gewandt haben. Diese 
Interessentenkreise, die vertreten werden durch den Deut 
schen Wirtschaftsbund für das Baugewerbe, den Verband 
der Baugeschäfte von Groß-Berlin, den Verband der 
deutschen Ziegel- und Tonindustrie und den Verband 
Ver. Baumaterialienhändler Deutschlands, haben dies auch 
in einer Denkschrift zum Ausdruck gebracht, die 
seitens der genannten Verbände dem Reichswohnungs 
kommissar zugestellt worden ist. Sie sagen in dieser 
Denkschrift, daß der vom Reichswohnungskommissar yor- 
gelegte Plan zu einer Neuregelung der Baustoffbewirt 
schaftung „nicht annehmbar erscheine, sondern bei kon 
sequenter Durchführung, insbesondere hinsichtlich der 
Schaffung zentralisierender Einkaufsstellen zur Ausschal 
tung des Handels vom Absatz, zur Fernhaltung des Bau 
gewerbes von der Lieferung des Baumaterials und zur 
Knebelung der Industrie durch Abhängigmachung von 
einzelnen Interessentengruppen führen muß“. Sie fordern 
demgegenüber die Uebertragung der Baustoffbewirt- 
schaftung auf „Selbstverwaltungskörper, 
welche von den Fachverbänden der beteiligten Wirt 
schaftszweige gebildet werden müssen“. Es muß also 
ausdrücklich festgestellt werden, daß Maßnahmen, wie sie 
Herr Dr. Outkind in seinem Pressevortrage in Aussicht 
stellte, der Ueberzeugung aller sachverständigen Kreise 
nach unzweckmäßig und undurchführbar sind. Wenn 
diese Maßnahmen entgegen dem Votum der in dem 
Reichsausschuß vereinigten sachverständigen Kreise zur 
Durchführung gelangen sollten, dürfte die Mitarbeit der 
Vertreter von Industrie, Handel und Baugewerbe in 
diesem Sachverständigenausschuß sich erübrigen. 
Vereinsmitteilungen. 
Verein staatlich geprüfter bad. Werkmeister E. V. 
Karlsruhe, Geschäftstelle Lachnerstr. 13. Unseren ver- 
ehrl. Mitgliedern geben wir hierdurch bekannt, daß wir 
durch die fortwährende Steigerung der Papierpreise und 
Druckkosten gezwungen sind, den Beitrag für die Vereins 
zeitung ab 1. April 1920 auf 8.— Mk. jährlich zu erhöhen. 
Als neu eingetretene Mitglieder begrüßen wir die 
Kollegen: Herr Nikolaus Reinhard in Mannheim und 
Herr Riede in Singen. 
Bezirk IV. Die Versammlung am 12. Febr. 1920 war 
von 18 Mitgliedern und 3 Kollegen des Vereins staatl. 
geprüfter Tiefbauwerkmeister besucht. Es wurden ver 
schiedene Vereinsangelegenheiten behandelt. Kollege 
Ortsbaukontrolleur Schneider setzte seinen Vortrag über 
„Erleichterungen im Kleinwohnungsbau“ fort, dessen 
Ausführungen allseitiges Interesse erregten. Mit dem 
Dank der Versammlung an den Vortragenden und dem 
Wunsche, daß auch andere Kollegen über zeitgemäße 
Fragen solche Vorträge halten mögen, konnte die gutver 
laufene Versammlung geschlossen werden. Der Obmann. 
Bund deutscher Architekten. Im Festsaal der Bau 
gewerkeschule referierte am 28. Februar Herr Architekt 
Hofherr, Vorstand der Landesbautenprüfstelle, über Bau 
stoffbeschaffung und -bewirtschaftung. Seinen Ausfüh 
rungen wurde lebhaftes Interesse entgegengebracht und 
er verstand es, die Zuhörer zu überzeugen, daß die 
Zwangsbewirtschaftung der Baustoffe derzeit eine Not 
wendigkeit bildet. Herr Hofherr streifte auch die ge 
schichtliche Entwicklung und legte dar, wie hiebei immer 
den Bedürfnissen einer gesunden Bewirtschaftung nach 
gegeben wurde. Erschreckend waren die niedrigen 
Zahlen über die augenblicklich verfügbaren Baustoffe. Es 
schloß sich eine sachverständige Aussprache an, in 
welcher die Möglichkeit und Fähigkeit solcher Baustoffe 
behandelt wurde, die ohne Kohlen erzeugt werden 
können. 
Vereinigung der mittl. techn. Beamten im Ministerium 
des Innern. Am 24. Februar 1920 fand die 1. Sitzung des 
Beamtenbeirats statt. Die Wahl der einzelnen Abteilungs 
vorstände und der Oeschäftsleitung des Beirats nahm den 
größten Teil der zur Verfügung stehenden Zeit in An 
spruch. Unter Vorsitz des Herrn Ministers, im späteren 
Verlauf des Herrn Ministerialrats Neuffer, wurden zu 
nächst nochmals die Grundzüge der Verfassung des Bei 
rats erläutert und besprochen. Hierauf wurde zur Wahl 
der Abteilungsvorstände geschritten mit folgendem Er 
gebnis : 
Höhere Beamte: Häffner, Oberregierungsrat, Vorstand; 
Berstecher, Bauinspektor, Stellvertreter. 
Mittlere Beamte: Höchel, Kanzleirat, Vorstand; Frick, 
Geometer, Stellvertreter. 
Sonstige Beamte: Joos, Oberkanzlist, Vorstand; Stäb- 
ler, Stellvertreter. 
Untere Beamte: Eberhardt, Oberlandjäger, Vorstand; 
Etzel, Staatsstraßenwärter, Stellvertreter. 
_ Aus diesem „engeren“ Beirat heraus war nun der „Leiter“ 
des Beirats zu wählen. Die Wahl fiel auf Höchel als 
Leiter und Häffner als Stellvertreter. Nach der Wahl er 
folgte noch eine anregende vielseitige Aussprache und es 
wurde beschlossen, auf die Tagesordnung der baldigst 
einzuberufenden nächsten Sitzung unter anderem zu 
setzen: Stellungnahme zur neuen Gehaltsordnung und 
Vorschläge zum neuen Haushaltsplan. 
Es liegt nun an den Vereinsmitgliedern, Wünsche und 
Vorschläge baldmöglichst zu Papier zu bringen und sie 
ungesäumt zwecks Weiterverarbeitung an die Vereins 
leitung unter der Anschrift: Bauamtswerkmeister Steinle, 
Sillenbuch, Post Degerloch, zu senden. 
Der württemberffische Ingenieurverein hat in seiner 
Sitzung vom 12. Februar d. L einstimmig beschlossen, 
Herrn Geh. Kommerzienrat Dr. Ing. e. H. Philipp 
Wieland zu seinem Ehrenmitglied zu ernennen, in 
dankbarer Würdigung der großen Verdienste, die er sich 
als Ingenieur in seiner parlamentarischen Tätigkeit um 
Industrie und Handel durch tatkräftiges Geltendmachen 
ihrer Lebensbedingungen, um die technische Hochschule 
des Landes durch verständnisvolle Förderung ihres Aus 
baues, um die deutschen Ingenieure durch klarstellende 
Hervorhebung ihrer Bedeutung für die Gesamtheit des 
Volkes erworben hat. Alsdann besprach der Vorsitzende 
ein Rundschreiben des Vorstands des Hauptvereins, in 
welchem die deutsche Industrie um Zuweisung von An 
zeigen für die Zeitschrift gebeten wird, um damit dem 
Verein die Geldmittel zu verschaffen, welche er zu seinen 
Aufgaben nötig hat, namentlich um auch fernerhin durch 
LJnterstützung und Drucklegung von Forschungsarbeiten 
der technischen Wissenschaft die jetzt besonders nötige 
Hilfe geben zu können. Hierauf hielt Herr Dr. Göller 
einen interessanten Vortrag über die Herstellung 
des Ozons und Erfahrungen überOzon- 
1 ü f t u n g , der durch zahlreiche Lichtbilder wirksam 
ausgestaltet war. Er schilderte zunächst das Vorkommen 
des Ozons, die Entwicklung der Ozonforschung, dann die 
Herstellung desselben im allgemeinen und an ausgeführten 
Anlagen. Hierauf ging der Vortragende auf die Verwen 
dung des Ozons in Versammlungsräumen. Schulen, 
Spinnereien, Zigarrenfabriken usw. ein. Besonderes 
Interesse erregten die Mitteilungen über Anwendung des 
Ozons zur Gewinnung von Kaliseife aus Braunkohlen 
teerölen, über die Verwendung zu medizinischen Zwecken 
usw. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion, 
an der sich die Herren Gärttner, Baumann, Göller und 
Wanner beteiligten. 
Druck: Gustav Stürner in Waiblingen. 
Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart.
        

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