Süd- und mitteldeutsche 
DTOM 
15 Febr. 1919 
Heue Folge der Bauzeitung für Württemberg, Baden, fiessei 
ClsaB-Oothringen. 
Gegründet als Württembergisdie Bauzeilung im Jahre 1904. 
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Inhalt: Zwei technische Kriegsarbeiten. — Feuerschulztüren bewährten Systems. — 
Aus den Reihen der mittleren Techniker. — Techniker heraus. — Die Soziali 
sierung im Baugewerbe. — Sozialisierung von Betrieben. — Wettbewerb. — 
Vereinsmitteilungen. — Verschiedenes. 
Alle Rechte Vorbehalten. 
Zwei technische Kriegsarbeiten. 
Von Hans Vatter]. 
Die Ueberwindung des Steilabfalles der Alb hat für 
den Straßen- und Bahnbau immer technische und finan 
zielle Schwierigkeiten mit sich gebracht. Die Bahnen 
machen am Fuße der Alb meist Halt, nur die Hauptbahn 
Stuttgart—Ulm und die Nebenbahn Reutlingen—Mün- 
singen stellen in Württemberg die Verbindung zwischen 
Oberland und Unterland her. Der Umbau der zwei 
gleisigen Hauptbahn zwischen Plochingen und Ulm fin 
det sein Haupthindernis in dem Umbau der Geislinger 
Steige zwischen Geislingen und Amstetten. Es wurde 
schon an den Ausbau weiterer Hauptlinien über die Alb 
gedacht und an die Ausführung eines großen Tunnels 
von Geislingen ab, der eine Erbreiterung des Bahn 
dammes der Geislinger Steige entbehrlich machen würde. 
Doch sind diese Fragen durch den unglücklichen Ausgang 
des Krieges in weite Ferne gerückt. 
Bei den Straßen liegen die Verhältnisse wesentlich 
besser als bei den Bahnen. Die alten Albsteigen mit ihren 
großen Steigungen sind vielfach verschwunden, und an 
ihre Stelle sind Kunststraßen getreten. Doch da und 
dort liegt noch ein Albort, wie auf einer Insel, abge 
schnitten vom allgemeinen Verkehrsweg; nur eine fast 
unfahrbare, alte Steige bildet das Verbindungsmittel. 
In dieser Notlage stand auch die kleine Gemeinde 
Oberböhringen auf dem etwa 800 Meter hohen Michels 
berg bei Geislingen. Wer kennt nicht diesen inselartigen 
Albvorberg zwischen Süßen und Geislingen mit seinen 
charakteristischen Bergformen, welcher stets zahlreiche 
Touristen zu einer schönen Randwanderung eingeladen 
hat. Für den Touristen genügen ja die kleinen Albvereins- 
wege, ja sie werden den staubigen Kalkstraßen bevorzugt, 
und selbst die stolperigen, steilen Albsteigen sind kein 
schlimmes Hindernis für ihn. Dagegen genügen die 
letzteren für die bescheidensten Albbauern nicht mehr. 
Und so tritt das Drängen der an dem Steilabfall der Alb 
wohnenden Menschen immer mehr hervor, die Ueber- 
bleibsel der alten Steigen zu beseitigen und eine günstige 
Verbindung mit den im Tal liegenden Bahnen herzustellen. 
Die kleine Gemeinde Oberböhringen hat im Jahre 
19150 6 mit Hilfe von 100 russischen Kriegsgefangenen 
eine neue Steige nach dem Entwurf von Oberamtsstraßen- 
meister Vatter ausgeführt. — Einige kleine Bilder zeigen 
die Straße in der Ausführung und nach Fertigstellung. 
Eine bedeutend schwierigere Albsteige soll demnächst 
als Notstandsarbeit zur Ausführung kommen. Es ist 
dies eine neue Steige von Geislingen nach dem unmittel 
bar über Geislingen gelegenen Albort Weiler ob Helfen 
stein. Es handelt sich um eine besonders schwierige 
Linienführung, die aus dem Höhenlinienplan ersichtlich 
ist. Schon der Beginn der Straße — Uebergang der 
Hauptbahn Stuttgart—Ulm — war mit großen techni 
schen Schwierigkeiten verknüpft. Zuletzt gelang es jedoch, 
mit der hisenbahnverwaltung eine Einigung dahin zu er- 
Straßenstrecke 
im Gehängeschutt des 
Weißjura. 
Steige 
nach Oberböhringen 
im Bau.
        

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