Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

,/15. Mai 1920. 
BAUZE1TUNQ 
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Der Beklagte hat allerdings gegen den § 16.12 a. a. O. 
verstoßen; die Klägerin hat aber nicht bewiesen, daß die 
ses Versehen für den Unfall ursächlich gewesen ist. Die 
drei gerichtlichen Sachverständigen haben bekundet, daß 
bei den vom Beklagten verwendeten Haken ein Loslösen 
des Eimers nur unter besonderen Umständen möglich war; 
gegen derartige Zufälle hätten aber auch Doppelhaken 
keine unbedingte Sicherheit geboten. Nur bei Karabiner 
haken ist eine vollständige Sicherung gegeben. Der § 16.12 
läßt aber dem Unternehmer die Wahl, ob er Doppelhaken 
oder Karabinerhaken benutzen will. Es genügt also die 
durch Doppelhaken gebotene Sicherung zum Vergleich 
heranzuziehen. Hiernach ist in derDuldung der Benutzung 
einfacher Haken seitens des P. keine Außerachtlassung der 
jenigen Sorgfalt zu erblicken, zu welcher P. vermöge seines 
Gewerbes besonders verpflichtet war. 
Gegen diese Entscheidung legte die Klägerin Revision 
ein. Sie wies darauf hin, daß daß bei einem Verstoß gegen 
die Unfallverhütungsvorschriften, welche das Ergebnis 
einer umfangreichen Erfahrung seien, von vornherein die 
Vermutung bestehe, daß der Unfall durch diesen Verstoß 
verursacht sei. Demnach hätte das Oberlandesgericht nicht 
die Beweislast bez. der Ursächlichkeit der Klägerin auf 
bürden dürfen. Das Reichsgericht hob das angefochtene 
Urteil auf und verwies die Sache an das Oberlandesgericht 
zurück. 
Wettbewerbe. 
Dresden. Zur Erlangung von Entwurfsskizzen für 
das Deutsche Hygiene-Museum und die staatlichen Natur 
wissenschaftlichen Museen in Dresden wird ein allge 
meiner Deutscher Ideen-Wettbewerb unter allen deutschen 
Architekten, einschließlich der deutsch-österreichischen, 
ausgeschrieben. Unterlagen gegen Mk. 50.— durch die 
Verwaltung des Deutschen Hygiene-Museums, Dresden-N., 
Großhainerstr. 9. Zeitpunkt für die Ablieferung ist der 
1. Sept. 1920. An Preisen stehen insgesamt Mk. 100000 
zur Verfügung, die aufgeteilt werden sollen in einen ersten 
Preis von Mk. 35000, einen zweiten von Mk. 25000, 
einen dritten von Mk. 15 000, einen vierten von Mk. 10000 
und für einen fünften, sechsten und siebten Preis je 
Mk. 5000. 
Rundschau. 
Württ. Kunstverein. Neu ausgestellt: Große Sammlung 
Oelgemälde und Graphik „Frauenkunstverband Stuttgart”; 
ferner Oelgemälde von Peter Bayer, Mannheim, Hilde Bök- 
len, Stuttgart, Oskar Elsäßer, Pforzheim, Fritz Seemann, 
Stuttgart, Hch. Feigenbaum, Freudenstadt, Eugen Krauß, 
Stuttgart, Hans Weißhaar, Wildberg; Aquarelle von Gustav 
Jäger, Botnang; Holzschnitte von Philipp Bauknecht, 
Davos. 
Feuerbach. Auf dem neuen städt. Lagerplatz soll laut 
Gemeinderats-Beschluß ein Wohngebäude mit 6 Woh 
nungen errichtet werden. Kostenschätzung 325,000 M. 
Niederstetten. Ein größeres Gelände erwarb die Stadt 
von der Gutsherrschaft Bartenstein und soll mit dem Bau 
von Wohnhäusern sofort begonnen werden. 
Mieterschutz des Auslandes. Bekanntlich ist auch 
in England eine große Wohnungsnot vorhanden. Ihre 
Bekämpfung wird in großzügigster Weise von der eng 
lischen Regierung betrieben. Damit aber während der 
Zeit der Wohnungsnot die Bodenrente nicht in die 
Höhe getrieben wird, hat das englische Gesetz bestimmt, 
daß während sechs Monaten nach Friedensschluß die 
Mieten überhaupt nicht gesteigert werden dürfen. Nach 
Ablauf von sechs Monaten dürfen sie um 10% gesteigert 
werden, vorausgesetzt, daß das Haus zum Wohnen ge 
eignet und ordnungsmäßig unterhalten ist. Bevor diese 
Steigerung zulässig ist, mnß der Vermieter dem Mieter 
4 Wochen vorher eine schriftliche Benachrichtigung zu 
kommen lassen und dem Mieter von seinem Rechte 
Kenntnis geben, sich an das örtliche Gesundheitsamt 
um Ausstellung einer Bescheinigung zu wenden, daß das 
Haus 'die notwendigen Bedingungen erfüllt. Wenn das 
Gesundheitsamt bescheinigt, daß das Haus die Beding 
ungen nicht erfüllt, kann der Mieter die Zahlung der 
10 */« verweigern. Die englischen Mieterschutzgesetze 
sollen vorläufig bis zum 25. März 1921 in Kraft bleiben. 
Auch die dänische Mieterschutzgesetzgebung bestimmt, 
daß der Zuschlag zur Friedensmiete über einen be 
stimmten Prozentsatz unzulässig sein soll. Als solcher 
werden 10—20 °/° bezeichnet. In Frankreich sind bereits 
vor dem Kriege Höchstmieten für die sogen. „Billig- 
häuser“ eingeführt gewesen, d. h. für Wohnungen von 
5 Zimmern und weniger. Die Erweiterung der franzö 
sischen Mieterschutzbestimmungen steht bevor. (Was für 
die genannten Länder gilt, kann von uns lediglich zur 
Kenntnis genommen werden, da eine Gegenüberstellung 
mit unseren derzeitigen Verhältnissen nicht in Frage kom 
men kann. Die Schriftl.) 
Vereinsmitteilungen. 
Württ. Baumeisterverein. Am Samstag den 1. und Sonn 
tag den 2. Mai ds. Js. tagte im Bürgermuseum in Stuttgart 
die aus allen Teilen des Landes gut besuchte 39. Landesver 
sammlung (Baumeistertag) des Vereins. Im Vordergrund 
der Verhandlungen stand die Frage über den Ausbau des 
Lehrprogramms an der Baugewerkschule, organisatorische 
Fragen, Tarifvertrag und das Vereinsblatt. Des weiteren 
wurden behandelt: die Aenderung der Satzungen, die An 
fertigung von Eingabsplänen, die Titelfrage und die Zu 
sammenarbeit mit dem Verband der Studierenden an der 
Baugewerkschule. Als Landesvorstand wurde der seit 
herige Vorstand, Oberamtsbaumeister Vatter, Geislingen, 
einstimmig wiedergewählt, als dessen Stellvertreter Bau 
meister Rieger, Stuttgart, und als Landeskassier Baumeister 
Märkle, Stuttgart. Die rege verlaufenen Tagungen fanden 
am Sonntag Abend durch einen gut gelungenen und unter 
haltenden Familienabend ihren Abschluß. M. O. 
Vereinigung der mittleren technischen Beamten im 
Ministerium des Innern. Am Sonntag den 30. Mai, vorm. 
10 Uhr findet die Mitgliederversammlung in der „Bau 
hütte“, Büchsenstr. 53 I, in Stuttgart statt, wozu unter Hin 
weis auf die Vielseitigkeit und Wichtigkeit der zu behan 
delnden Fragen zu recht zahlreicher Beteiligung eingeladen 
wird. I. V. Steinle, 
Verein staatlich geprüfter badischer Baumeister, E. V. 
Karlsruhe. (Geschäftsstelle Lachnerstraße 13). Wegen den 
in der letzten Zeit fortgesetzten Beschwerden unserer Mit 
glieder über schlechte Zustellung oder gar teilweises Aus 
bleiben der Vereinszeitung möchten wir die Kollegen bit 
ten, zunächst beim zuständigen Postamt deswegen zu re 
klamieren. Ferner erlauben wir uns darauf hinzuweisen, 
daß bei jedem Wohnungswechsel, sei es innerhalb einer 
Stadt oder sei es von einem Platz zum andern, der vorge 
schriebene Weg der ist, daß man bei seinem seitherigen 
Postamt die Zeitung auf die neue Adresse umschreiben läßt. 
Bezirk III. Am 19. April d. J. fand im Rstaurant Prinz 
Karl die erste Bezirksversammlung in diesem Jahre statt. 
Der starke Besuch derselben zeigte, wie nötig es ist, auch 
in Karlsruhe regelmäßige Zusammenkünfte zu veranstal 
ten. Der Vorsitzende, Kollege Frischmuth, eröffnete die 
Versammlung mit Worten der Begrüßung. Ergab zunächst 
einen Ueberblick über die im Vorstand geleistete Arbeit 
und machte dann weitere Ausführungen über den derzeiti 
gen Stand der Schul-, Standes- und Titelfrage. Hieran 
schloß sich eine sehr lebhafte Diskussion, an welcher sich 
die Kollegen Fritschi, Eichhorn, Bauer, Schucker, Reissig, 
Göbel, Brockenauer, Fluhrer und Wild beteiligten. Ein
	        

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