Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

16 /31. Mai 1920. 
BAUZE1TUNG 
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Vereins- und Standesfragen der mittleren 
Baubeamten. 
Wie aus dem Bericht der letzten Mitgliederversammlung 
des Baubeamtenvereins am 8. Mai ds. Js. hervorgeht, hat 
sich dieselbe u. a. auch mit der Frage eines Zusammen 
schlusses mit dem Bauwerkmeisterverein beschäftigt, was 
nach mancher Seite hin zu begrüßen und wohl auch im 
Interesse des Standes wäre, nachdem sich der Bauwerk 
meisterverein in der Vorbildungsfrage nun auch auf den 
gleichen Standpunkt gestellt hat, wie der Baubeamten 
verein, wodurch der Hauptgrund beseitigt wäre, der im 
Jahre 1899 zur Gründung dieses Vereins führte. Doch 
gehen die Interessen der Baubeamten nach so viel Rich 
tungen hin auseinander von denen der Geschäftsinhaber 
und Bauunternehmer, wie dieses auch bei den sonstigen 
Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden der Fall ist, daß 
es in gegenwärtiger Zeit dringend geboten erscheint, daß 
sich sämtliche Baubeamten des sogenanten mittleren Dien 
stes, seien sie im Reichs-, Staats-, Korporations- oder städti 
schen Dienst, zu gemeinsamem Handeln zusammen 
schließen, um ihre Interessen künftig wahren zu können, 
was namentlich auch gegenüber der übrigen mittleren Be 
amten nötig ist, die ohne Besuch einer ösemestrigen Fach 
schule (Bauschule) bisher vielfach bevorzugtere Stellungen 
erreichen konnten und hauptsächlich nur deshalb, weil sie 
die Vorbildungsfrage zeitiger geregelt hatten und weil sie 
einiger und geschlossener ihrem Ziele zustrebten. 
Der für die mittleren Baubearaten so dringend nötige 
Zusammenschluß würde am besten dadurch bewerkstelligt, 
daß sich sämtliche mittleren Baubeamten im Baubeamten 
verein sammeln, sei es durch Anschluß ihrer besonderen 
Vereinigungen gegen eine kleine Beitragsleistung, oder 
durch Einzelmitgliedschaft, doch sollte dann, wie dieses bei 
anderen Beamtenverbänden auch der Fall ist, das Standes 
bewußtsein jeden Baubeamten selbst veranlassen hier nicht 
zur Seite zu stehen. Auch möchte Einsender dieses noch 
kurz in Erinnerung bringen, wieviel der Baubeamtenverein 
seit seinem Bestehen gelistet hat und die älteren Mitglieder 
desselben würden es kaum verstehen, wenn sich der Verein 
auflösen würde! In unserer Zeit ist es doppelt nötig fest 
zusammenzuhalten. Es könnte sich also nur darum han 
deln, daß der Baubeamtenverein in engere Verbindung mit 
dem Bauwerkmeisterverein treten würde, um gemeinschaft 
liche Interessen noch energischer zur Geltung bringen zu 
können, es dürfte sich auch hier das Wort empfehlen: „Ge 
trennt marschieren und vereint schlagen“. Das würde 
sicher zur Hebung des Standes und Pflege der Kollegialität 
beitragen und beiden Vereinen förderlich sein. P. 
Rundschau. 
Volkshochschule Darmstadt. Der Besuch der Volks 
hochschule ist ein überaus erfreulicher. Trotz der durch 
die Zeitverhältnisse bedingten Erhöhung der Teilnehmer 
gebühr und trotz der sommerlichen Jahreszeit, die man 
chen lieber in Wald und Garten locken mag, haben sich 
beinahe 700 Hörer aus allen Bevölkerungskreisen einge 
schrieben. Besonders erfreulich ist es, daß bereits ein 
treuer Stamm von Volkshochschülern vorhanden ist, die 
in ihren Kreisen eine erfolgreiche Werbetätigkeit entfalten, 
und daß sich ein schönes Gemeinschaftsgefühl zu ent 
wickeln beginnt, das zur Gesundung unseres in tausender 
lei Gegensätze zerrissenen Volkes wesentlich beitragen 
wird. 
Wohnungsnot. Die Ortsgruppe Darmstadt des Bundes 
Deutscher Architekten bearbeitet zurzeit Vorschläge zur 
Behebung der Wohnungsnot in Darmstadt. Es ist beab 
sichtigt, hauptsächlich das an fertigen und vorhandenen 
Straßen und Plätzen liegende Baugelände zeitentsprechend, 
der Umgebung angepaßt, in mehrstöckiger Bauweise zu 
bebauen, unter Berücksichtigung erreichbarer Baustoffe. 
Wenn auch hierbei nicht immer der idealsten Bauweise 
Rechnung getragen werden kann, so ist in erster Linie aber 
auf die Zeitverhältnisse Rücksicht genommen, wie der Woh 
nungsnot am raschesten und billigsten gesteuert werden 
kann. Nach Fertigstellung dieser Vorschläge werden diese 
in Form einer demnächst stattfindenden Ausstellung be 
kannt gegeben werden. 
Lauterbach (Hessen). Auf Anregung der hiesigen 
Ortsgruppe des Hessischen Wohnungs- und Heimstätten- 
Vereins (Kriegerheimstätten-Vereins) wurde hier eine Ge 
meinnützige Heimstättenbaugesellschaft m. b. H. gegrün 
det. Das Stammkapital beträgt 182 000 Mark, wovon die 
Hälfte auf die Stadt Lauterbach, 25 000 Mark auf die Frei 
herren Riedesel zu Eisenbach, 5000 Mark auf den Kreis 
Lauterbach, 1000 Mark auf den Hessischen Wohnungs- und 
Heimstätten-Verein und der Rest auf private Geldgeber ent 
fällt. 
Ludwigshafen a. Rh. Ein Freund unseres Blattes teilt 
uns mit, daß in Ludwigshafen ein größeres Kasernements 
seitens des Reichs gebaut wird. 
Im Bayer. Landtag wurde ein Antrag auf Inangriff 
nahme des Neubaues des abgebrannten Lehrerseminars in 
Eichstätt angenommen. 
Freiburg. Der Stadtrat hat beschlossen, beim Bürger 
ausschuß den Ankauf des großen Dampfsägewerks von 
Fischer u. Brauch, zum Preise von 700 000 Mark zu bean 
tragen. Der Sägereibetrieb soll in erster Linie dazu dienen, 
der unerträglich gewordenen Wohnungsnot durch die Her 
richtung von Bauholz aus den städtischen Waldungen zu 
steuern. 
Der württ. Akademikerbund. 
Von einem mittl. technischen Beamten. 
Wir wir aus der Tagespresse entnehmen, haben sich die 
verschiedenen Akademischen Berufsvereinigungen des Lan 
des zu einem württ. Akademikerbund zusammengeschlos 
sen, um die allen Akademikern gemeinsamen Interessen 
mit Nachdruck wahrzunehmen. 
Wir begrüßen vom Standpunkt der Organisationsfrage 
diese Gründung und werden in den bestehenden Arbeits 
gemeinschaften die Bestrebungen dieses Bundes soweit 
unterstützen, als es sich um wirkliche, die Akademikerschaft 
als solche berührende Fragen handelt. Wenn aber der 
Bund eines seiner Hauptziele darin sieht, der drohenden 
„Entakademisierung des Beamtenstandes“ einen Riegel vor 
zuschieben, so werden wir, soweit es die technischen Be 
rufe anbelangt, uns erlauben, auch ein Wort mitzureden. 
Woher rührt denn letzten Endes der Ruf nach Entaka 
demisierung des Beamtenstandes? Doch nur daher, daß 
wir in den letzten Jahren unter einer „Ueberakade- 
m i s i e r u n g“ ganz erheblich zu leiden hatten. Es ist 
doch auffallend und mit den Grundsätzen der Verbilligung 
der Staatsverwaltung nicht zu vereinbaren, daß auf einer 
großen Anzahl von Aemtern im Laufe der letzten Jahre 
die bisher von mittleren technischen Beamten zur allgemei 
nen Zufriedenheit geleisteten Arbeiten Akademikern über 
tragen worden sind und zwar lediglich deshalb, weil eine 
andere Beschäftigungsmöglichkeit nicht vorhanden war. 
Wo dieser Weg der Versorgung nicht gangbar war, hat 
man vielfach Stellen geschaffen, um die überzähligen Aka 
demiker in gebührender Weise unterzubringen — es müßte 
also, um dem Akademikerstand wieder seine frühere Gel 
tung zu verschaffen, eine der vornehmsten Aufgaben des 
Akademikerbundes darin bestehen, daß überall seine Mit 
glieder nur mit solchen Aufgaben betraut sind, zu deren 
Erledigung eine wissenschaftliche Ausbildung Voraus 
setzung ist; die Wirkung einer solchen Reinigungsaktion 
müßte eine hervorragende sein. 
—ixa.— ' - 
U m. .
	        

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