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BAUZEITUNG 
Nr. 22/23 
wird. Der Verlust an Betriebswasser beträgt bei einer 
Wassermenge des Neckars von 60 Kubikmeter 5 Prozent, 
bei 15 Kubikmeter 20 Prozent; oberhalb der Enzmündung 
kann er zu 5 bis 10 Prozent der Jahreswassermenge ange 
nommen werden. 
Das gegenseitige Verhältnis zwischen Schleusen und 
Wasserkraftwerk gestaltet sich am einfachsten, wenn beide 
Einrichtungen nächst dem Wehr auf verschiedenen Seiten 
des Flusses angeordnet werden, so daß sich beide Betriebe 
möglichst wenig stören. Gleich einfach ist die Sachlage, 
wenn die Schleuse an einem Kanal liegt, der nicht zugleich 
Triebwerkskanal ist, so daß keine Strömung im Schiffs 
kanal herrscht. Liegen jedoch Schleuse und Kraftwerk an 
einem gemeinsamen Kanal, in dem das für den Werksbe 
trieb nötige Wasser fließt, so ist darauf Bedacht zu nehmen, 
daß die Schiffahrt durch die im Kanal herrschende Strö 
mung nicht gestört wird. Dieser Forderung wird dadurch 
Rechnung zu tragen sein, daß der Querschnitt des Kanals 
so bemessen wird, daß bei größtem Wasserverbrauch des 
Kraftwerks und bei Zuführung des für die Schleusenfüllung 
nötigen Wassers die zulässige Geschwindigkeit des Was 
sers im Kanal, als solche 0,7 Meter in der Sekunde gelten 
kann, nicht überschritten wird. Außerdem ist in Lage und 
Bauart des Kanals den Forderungen der Großschiffahrt 
Rechnung zu tragen. Bei einer probeweisen Entnahme 
von 20 Kubikmeter Wasser aus dem Werkskanal der Kraft 
anlage Poppenweiler auf die Dauer von 6 Minuten, wie 
dies für eine Schiffschleusung nötig würde, hat sich ge 
zeigt, daß die Leistung des Werks um nur 10 Prozent ver 
mindert wurde, daß ein Absenken des Oberwasserspiegels 
um nur 20 Centimeter eintrat und das Nutzgefäll sich um 
6 Prozent verminderte. Werden also beim Bau des Kanals 
die oben genannten Hauptgesichtspunkte: genügender Ka 
nalquerschnitt und zweckmäßige Linienführung beachtet, 
so können die zwischen Wasserkraftnutzung und Schiff 
fahrt in der Natur ihrer Betriebe begründeten Gegensätze 
ausgeglichen werden. 
Nicht außer Acht zu lassen ist bei dem Ausbau unserer 
heimischen Wasserkräfte die Tatsache, daß der Verbrauch 
des in den Kraftwerken zu erzeugenden Stroms in den 
verschiedenen Tages- und Nachtzeiten sehr schwankend ist. 
Der Nachtverbrauch ist nur ein kleiner Teil des Verbrau 
ches bei Tag. Nun aber fließt der Neckar in seinem natür 
lichen Lauf innerhalb eines Tages ziemlich gleichmäßig ab, 
ergibt also durchlaufend Kraft gleichen Umfangs. Dies hat 
zur Folge, daß bei Nacht die Wasserkraft ungenützt bleibt, 
während bei Tag der Bedarf durch die Wasserkraft nicht 
gedeckt werden kann und durch Dampf d. h. Kohlen ver 
brauch, beschafft werden muß. Um den Verlust bei Nacht 
und den Kohlen verbrauch bei Tag tunlichst zu vermeiden, 
müssen Einrichtungen geschaffen werden, um die bei 
Nacht überschüssige Wasserkraft aufzuspeichern und bei 
Tag, zu Zeiten des größten Bedarfs, wieder abzugeben. 
Es sind Tagesspeicher anzulegen, welche den Mehr- und 
Minderbedarf auszugleichen haben. Nur dann wenn die 
im Neckar erzielbare Wasserkraft voll erfaßt und restlos 
der Verwendung zugeführt wird, kann der Ausbau der 
Neckarwasserkräfte als wirtschaftlich einwandfrei gelöst 
gelten. 
Der Ausbau des Neckars für Schiffahrt und Wasserkraft 
nutzung stellt, nach dem heutigen Geldwert gemessen, 
einen Milliardenwert dar; diese Summe besagt schon, 
welche Bedeutung diesem Werk für die gesamte Volkswirt 
schaft Südwestdeutschlands und in seiner Auswirkung 
bezügl. Leistung und Erträgnis dem ganzen Reich zu 
kommt. Aufwendungen und Nutzen werden in günstigem 
Verhältnis zueinander kommen, wenn die Wasserstraße, 
gleich wie es bei der vor 7 Jahrzehnten gebauten Haupt 
bahn Bruchsal—Stuttgart—Ulm geschehen ist, so gebaut 
wird, daß sie den an einen Oroßschiffahrtsweg in vielen 
Jahrzehnten zu stellenden Ansprüchen gewachsen ist. Un 
erlässlich ist es, daß Planung und Ausführung nach ein 
heitlichen, weitschauenden und unverrückbar festzusetzen 
den Richtlinien gestaltet wird. Den Behörden des Reichs, 
der Uferstaaten und dem Wasserstraßenbeirat, der von den 
Interessenten zu stellen sein wird, der den Südwestdeut 
schen Kanalverein, der seit Jahren zielbewußt den Kanal 
gedanken gefördert hat, aufzunehmen haben wird, fällt die 
große Aufgabe aber auch die Verantwortung zu, für die 
bestmögliche Verwendung eines großen Teils des Volks 
guts einzustehen. 
Baukunstabteilung und Baukunstrat. 
Die nachstehenden Satzungen, die auf Grund des Orga 
nisationsprogramms und der „Ziele und Aufgaben“ für 
die Baukunstabteilung bezw. den Baukunstrat aufgestellt 
wurden, sollen der Vollversammlung am 3. Juli zur end 
gültigen Genehmigung vorgelegt werden. * 
Satzungen 
der Baukunstabteilung und des Baukunstrats für Württem 
berg. 
I. Baukunstabteilung. 
§ 1. Die Gesamtheit der Baukünstler Württembergs bil 
det die Baukunstabteilung einer künftigen allgemeinen 
Kunstkammer. 
§ 2. Zur Aufnahme in die Baukunstabteilung sind alle 
in Württemberg ansässigen Baukünstler berechtigt. 
Unter Baukünstler sind die wirtschaftlich selbständigen 
und unselbständigen, freien und beamteten, beruflich täti 
gen Architekten mit künstlerischer Gesinnung und Fähig 
keit verstanden. In besonderen Fällen können auch An 
gehörige verwandter künstlerischer Berufe aufgenommeu 
werden, wenn sie durch besondere Leistungen auf ver 
wandten Gebieten ausgesprochen künstlerisches Verständ 
nis für die Baukunst beweisen. 
§ 3. Neuaufnahmen erfolgen auf Grund der Ausfüllung 
eines Fragebogens und eines Nachweises, daß die in § 2 
verlangten Voraussetzungen erfüllt sind. 
§ 4. Die Aufnahme verpflichtet auf die in dem Programm 
des Baukunstrates niedergelegten Ziele und Aufgaben und 
erfolgt durch Mehrheitsbeschluß des Ausschusses der Bau 
kunstabteilung. Abgewiesenen steht ein Beschwerderecht 
an die ordentliche Hauptversammlung zu, die ein erneutes 
Aufnahmeverfahren beschließen kann. 
§ 5. Die ordentliche Vollversammlung tritt mindestens 
einmal im Jahr, in der Regel im Frühjahr, in Stuttgart zu 
sammen und muß 14 Tage vorher schriftlich unter Angabe 
der Tagesordnung einberufen werden. Außerdem können 
außerordentliche Versammlungen vom Ausschuß nach 
Bedarf oder auf Antrag von einem Fünftel der Mitglieder 
der Baukunstabteilung mit achttägiger Frist einberufen 
werden. 
§ 6. Der ordentlichen Mitgliederversammlung sind ins 
besondere Vorbehalten: 
1. Genehmigung des Tätigkeitsberichtes sowie der Rech 
nungsablegung des Baukunstrates und Erteilung der 
Entlastung; 
2. Festsetzung des Haushaltungsplanes und etwaige 
Aenderung des Jahresbeitrages; 
3. Einsetzung der Wahlkommission; 
4. Satzungsänderungen. 
§ 7. Vierzehn Tage nach der ordentlichen Mitgliederver 
sammlung erfolgt in den Jahren mit ungerader Zahl die 
schriftliche geheime Wahl des Ausschusses der Baukunst 
abteilung, wobei jedes Mitglied in doppeltem Umschlag 
die fünfzehn nach seinem Urteil besten und geeignetesten 
Vertreter der Baukunst wählt. Das Wahlergebnis wird 
nach der höchsten Stimmenzahl festgestellt. 
§ 8. Die Wahl des Ausschusses erfolgt auf 2 Jahre. 
Wiederwahl ist zulässig.
        

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