1./15. Aug. 1920. 
BAUZE1TUNO 
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Der „Baumeister“. 
Die Bemühungen der mittleren Techniker, den Absolventen 
der Baugewerkschule die Bezeichnung „Baumeister“ zu ver 
leihen, gejjen schon auf viele Jahre zurück. Es dürfte überflüssig 
sein, hier nochmals die Gründe aufzuführen, die Anlaß zu dieser 
Forderung gegeben haben. Die ablehnende Haltung, welche bis 
Kriegsende seitens der maßgebenden Stellen dieser Frage gegen 
über eingenommen worden ist, hat die mittleren Techniker bei 
der bekannten Anschauungsweise dieser Kreise nicht weiter 
überrascht. Wir hofften aber trotzdem, daß auch einmal für uns 
die Zeit gekommen sein würde, da wir die Rolle des Aschen 
brödels ausgespielt hätten. — Als sich dann vor mehr als Jahres 
frist sämtliche technischen Vereinigungen Württembergs zu dem 
von allen lebhaft begrüßten Entschluß aufrafften, zwecks För 
derung der gemeinsamen Interessen den Verband technischer 
Vereine Württembergs zu gründen, glaubten auch wir, unseren 
Zielen etwas näher gerückt zu sein. 
Weit gefehlt! Die Kreise, die aus den Ereignissen des No 
vember 1918 nichts gelernt haben, sind in diesem Verband so 
zahlreich vertreten, daß wir ruhig die Hoffnung aufgeben kön 
nen, durch dessen Vermittlung für unsere Zwecke etwas zu er 
reichen. Der Verfasser der in der Nr. 29^30 dieser Zeitung mit 
„Der wiirtt. Akademikerbund“ überschriebenen Einsendung hat 
vielen aus der Seele gesprochen, wenn er sagt, daß die Zeit nach 
der Revolution nur zwischen unterem und mittlerem Dienst ein 
geebnet habe, daß sie aber den Graben breiter und tiefer und 
die Mauer höher gemacht habe, die den mittleren vom höheren 
Dienst schon in der vorrevolutionären Zeit trennte. Ein neuer 
Beweis hiefür ist die Tatsache, daß sich die im Verband ange 
schlossenen Vereinigungen höherer Techniker geschlossen gegen 
unser Gesuch um Verleihung der Bezeichnung „Baumeister“ aus 
gesprochen haben. Von,den rein akademischen Vereinigungen 
war ja kaum anderes zu erwarten; daß aber der B. D. A. (Bund 
Deutscher Architekten), zu dessen Mitgliedern doch eine Reihe 
von Absolventen der Baugewerkschule gehören, in der Art 
seiner ablehnenden Aeußerung den Vogel abgeschossen hat, gibt 
doch zu bedenken. 
Ohne der Abstimmung, die in dieser Angelegenheit noch im 
Verband erfolgen wird, vorzugreifen, wollen wir uns doch dar 
über klar sein, daß unsere Zugehörigkeit zum Verband — und 
für die im Staatsdienst verwendeten Kollegen zum Staatstech 
nikerverband nur dann noch einen Wert haben kann, wenn 
auch tatsächlich Ersprießliches für uns dort geleistet wird. Stehen 
dem aber solche unüberwindliche Hindernisse entgegen, so wol 
len wir daraus die Folgerungen ziehen und uns daran erinnern, 
daß der mittlere Techniker, wenn er einmütig zusammenhält, 
eine Macht carsiellt, mit der noch gerechnet werden muß. 
Zu den maßgebenden Behörden haben wir das Vertrauen, 
daß sie uns in der Frage unserer Berufsbezeichnung wohlwollen 
der gesonnen sind, als dies von Seiten unserer „höheren Kolle 
gen“ der Fall ist. 
Künstliche Bausteine. 
Für fehlende gebrannte Steine kann man Ersatz schaf 
fen durch künstliche Bausteine. Es ist eine große Anzahl 
Maschinen und Apparate zur Herstellung von künstlichen 
Bausteinen auf dem Baumarkte. Dagegen ist die Auswahl 
billiger Apparate für den Gebrauch des Bauhandwerk- 
meisters gering, die ihm gestatten, nicht nur Bausteine 
eines Formats, sondern alle möglichen Formengebungen 
mit demselben Apparate zu erzielen. Auch muß er in 
der Verwendung des Rohmaterials freie Hand haben. Er 
braucht Oeläufsteine zur Erstellungwon Fenster- und Tür 
gewänden, desgleichen Profilsteine für Gewände und Ge 
simse. Nur ein Apparat, der alle diese Steinformen zu 
fertigen ermöglicht, entspricht den Anforderungen, die 
ein Baugeschäft an einen Mauersteinapparat stellen muß. 
Auch Lehmsteine müssen damit gefertigt werden können. 
Ein Mauerstein-Handapparat, den Herr Schlosser 
meister K. Feifel, Stuttgart, Kernerstraße 14, in verbesser 
ter Form unter dem Namen „Rapid“ verfertigt, erfüllt alle 
vorbenannten Forderungen. Die Anschaffungskosten sind 
so, daß auch das kleinste Baugeschäft denselben erwerben 
kann. Die bisherigen Erwerber des Apparates sind mit 
denLeistungendesselben sehr zufrieden. Er ist berufen, 
zur Behebung unserer Baumaterialiennot ein treuer Helfer 
zu sein. 
Abb. 5. 
Die Hochbaunormung Baden. 
Der besonderen baulichen Verhältnisse wegen und zur 
Wahrung der Sonderinteressen bestehen für die Bundes 
staaten Landesnormenausschüsse, deren badische Ge 
schäftsstelle als „Hochbaunormung Baden“ beim Landes 
gewerbeamt Karlsruhe gegründet ist. Auf Veranlassung 
der Reichshochbaunormung beabsichtigt die Hochbau 
normung Baden, nunmehr eine Liste zu führen über die 
Firmen, die die Herstellung genormter Bauteile wie Fen 
ster, Türen, Dachrinnen, Abfallrohre, Holztreppen, Be 
schläge usw. nach den Normen des Normenausschusses 
der Deutschen Industrie übernehmen und gegebenenfalls 
auf Lager halten wollen. Die Hochbaunormung Baden 
fordert die in Betracht kommenden Firmen auf, ihre An 
gaben für diese Listen zu machen. 
Der merkantile Minderwert eines mit Kellerschwamm be 
haftet gewesenen Hauses trotz völliger Beseitigung des 
Schwammes. 
Der Kläger hatte wegen der Einbuße an Wertschätzung, 
die das ihm von dem Beklagten verkaufte Haus auch nach 
der Beseitigung des Schwammes, der sich im Keller des 
Hauses gezeigt hatte, dauernd erleide, Schadenersatz in 
Höhe von 4500 Mark von dem Beklagten gefordert, und 
die Vorinstanz batte ihm auch den geforderten Betrag zu 
erkannt. ln seiner Revision gegen dieses Urteil hatte der 
beklagte Verkäufer sich darauf berufen, daß es sich hier
        

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