Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

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BAUZE1TUNO 
Nr. 33/34 
Vom Neubau des Deutschen Museums. Seit mehreren 
Jahren steht der gewaltige Neubau des Deutschen Mu 
seums im unvollendetem Zustand, im Rohbau da, nach 
nunmehr bereits 12jähriger Bauzeit. Die Arbeiten, im 
Frühjahr 1908 begonnen, wurden in den folgenden Jah 
ren so kräftig fortgeführt, daß mit der Fertigstellung zu 
dem vorgesehenen Zeitpunkt um etwa 1916 gerechnet wer 
den konnte. Wenn auch die Arbeiten über die Kriegszeit 
nie ganz eingestellt waren, so mußte doch der Stand der 
Gesamtarbeiteii als unhaltbar betrachtet werden. Dem 
wird nun abgeholfen. Der Bau, zu dessen vollständiger 
Fertigstellung rund 10 Millionen seinerzeit als ausreichend 
erachtet wurde, erfordert heute noch zu seiner Fertigstel 
lung 24 Millionen Mark. An verfügbaren Mitteln sind 
noch 4 Millionen Mark vorhanden, 8 Millionen Mark für 
die innere Einrichtung sollen von der Industrie aufge 
bracht und die übrigen 12 Millionen Mark durch Zu 
schüsse von Beicb und Bayern beschafft werden. Davon 
wird das Reich 9 Millionen, Bayern 3 Millionen Mark, 
verteilt auf drei Jahre, leisten. Die Summen sind bereits 
in den Haushaltplan von Reich und Bayern eingesetzt und 
angefordert. Es ist zu hoffen, daß mit dieser Hilfe der 
Bau glücklich vollendet werden kann. 
Durlach. Nach langen Verhandlungen hat sich der 
Reichsfiskus bereit erklärt, der Stadt die Schloß- und 
Schloßhofkaserne auf 15 Jahre zu verpachten. Die Stadt 
kann die Gebäude zu Wohnungen einrichten, doch müssen 
die Pläne zu baulichen Veränderungen vom Eigentümer 
vorher genehmigt werden, wie auch ein Teil der gewonne 
nen Wohnungen an Staatsbeamte vermietet werden muß. 
Neue Aktiengesellschaft. Die Maschinenfabrik Joseph 
Vögele, Mannheim, ist in eine Aktiengesellschaft 
umgewandelt worden. Das Aktienkapital beträgt 10 Mil 
lionen Mark. Die Gründer und gleichzeitig die Mitglie 
der des Aufsichtsrates sind die Herren Wilhelm Vögele, 
Dr.-lng. Joseph Vögele, Dr. jur. Herbert Engelhard, 
Oberst a. D. Hermann Knaudt und Bankdirektor Hans 
Vogelsang. Den Vorstand der neuen Gesellschaft bilden 
die Herren Direktor Leopold Grosch, Direktor Wilhelm 
Helfferich, Dipl.-Ing., ferner Direktor Walter Kaempf, Re 
gierungs- und Baurat, sowie Direktor Heinrich Schneider. 
Als Prokuristen sind bestellt die Herren Kaufmann Sieben 
eck, Kaufmann Schmitt, sowie Oberingenieur Sattelmeier 
und Oberingenieur Kaltschmitt. Das bisherige Produk 
tionsgebiet des Werkes für Eisenbahnbedarf (Weichen, 
Drehscheiben, Schiebebühnen, Stellwerke ,Anschlußgleise, 
Rangieranlagen usw.), sowie des Memagwerkes (Zerklei 
nerungsmaschinen, Apparatebau für die ehern. Industrie, 
Drahtmaschinenbau) wurden unverändert übernommen. Die 
Firma Jos.Vögele besteht seit fast 85 lahren. DerletzteAlIein- 
inhaber des Werkes war Herr Geheimrat Heinrich Vögele, 
welcher die Firma am 1. Juli 1916 seinen beiden Söhnen, 
Herrn Dr.-lng Joseph Vögele und Herrn Wilhelm Vögele, 
übergeben batte. Es ist somit wieder eine der ältesten 
deutschen /Maschinenfabriken aus dem Privatbesitz in die 
Gesellschaftsform übergeführt worden. 
Die Unterbringung der entlassenen Soldaten. Der 
Reichsverband deutscher Berufssoldaten hat der Regierung 
einen Vorschlag unterbreitet, wonach er die Unterbringung 
der zu entlassenden 100 000 Mann in gemeinsame Werk 
stätten übernehmen will. Die Werkstätten werden in den 
zahlreichen brachliegenden Betrieben des Reiches eröffnet. 
Arbeiter und Angestellte der Betriebe sind nur Kameraden. 
Der Staat erhält den Vorschuß und das angelegte Kapital 
verzinst. Als Erzeugung ist das in Aussicht genommen, 
was der Staat am nötigsten gebraucht. Der Staat würde 
also der beste Abnehmer der Waren sein. Mit den gemein 
nützigen Werkstätten werden große Siedlungen verbun 
den. Auf dem staatlichen bereits zur Verfügung gestellten 
Gelände werden die Arbeiter in gemeinsamer Hilfe sich 
selbst ihr Haus bauen und ihren Morgen Land urbar 
machen. Dieser Plan hat die grundsätzliche Zustimmung 
der Regierung gefunden. 
Gegen die Feuchtigkeit. Nasse Keller und Wohnräume 
schaden der Gesundheit der Bewohner und beeinträch 
tigen den Wert des Hauses; sie müssen daher beseitigt 
werden. Wie das wirksam und unter verhältnismäßig ge 
ringen Kosten geschehen kann, darüber herrscht vielfach 
noch Unklarheit. Es empfiehlt sich daher im eigenen Inter 
esse, sich mit den Wunnerschen Bitumenwerken G. m. b. 
H., Urna i. W., in Verbindung zu setzen und Drucksachen 
über das seit vielen Jahren im In- und Auslande erprobte, 
durch Deutsche^ Reichspatent geschützte Mörtel-Dich 
tung-Mittel Ceresit DRP. einzufordern. Der Ceresit-Putz 
haftet auf jedem Mauerwerk, ganz gleich, ob es alt oder 
neu ist, ob es aus Ziegelsteinen oder Bruchsteinen besteht. 
Außerdem erübrigt sich jede Zwischenlage von Isolier 
pappe oder Vormauerung von Klinkersteinen. Die Ver 
arbeitung des Ceresit ist äußerst einfach, sodaß selbst 
schwierige Grundwasserdichtungen von jedem nur halb 
wegs geübten Maurer mit Erfolg durchgeführt werden 
können. Neuerdings bringen die Wunnerschen Bitumen 
werke auch einen Isolieranstrich Ceresitol DRP. in den 
Handel, welcher die Streichflächen weder in der Farbe 
noch in ihrem sonstigen Aussehen irgendwie verändert. 
Ceresitol DRP. dient dazu, Giebel, Wände usw. vor 
Schlagregen zu schützen und zur Konservierung poröser 
Kunststeine, Dachziegel, Ziegelsteine usw. Bei den ge 
genwärtig teuren Preisen und der Knappheit des Zemen 
tes, sowie guter Oelfarben werden bei einem Ceresitol- 
Anstrich große Kosten gespart. 
Bücher. 
Die Baukunst, ein Werkstein zum Neuaufbau des deut 
schen Geistes. Mit 4 Zeichnungen. Von Otto Stiehl, 
Professor an der Technischen Hochschule in Char 
lottenburg. Preis 3 M. Verl. v. J. Hoffmann in Stuttgart. 
Im Wettbewerb der Künste, am Wiederaufbau des 
deutschen Geistes mitzuwirken, steht nur die Baukunst 
bis jetzt abseits. Und doch ist gerade sie berufen, mit der 
eindringlichen und leicht verständlichen Sprache ihrer 
dauerhaften Werke dem ganzen Volke seelische Erhöhung 
und gesteigerte Daseinsfreude zu bringen. Aber wer ver 
steht heute inmitten gleichgültiger Mietswohnungen oder 
im Taumel von Mode zu Mode, ein Bauwerk künstlerisch 
zu genießen? Hier setzt Professor Otto Stiehl mit seiner 
Schrift „Die Baukunst, ein Werkstein zum Neuaufbau des 
deutschen Geistes“ ein, und er führt uns in bewußter 
Scheidung von aller historischen und philosophischen Be 
trachtung zu einem gefühlsmäßigen Erfassen des Bau 
werks und zum lebendigen Empfinden seiner Schönheit. 
Die reiche Erfahrung langjähriger Hochschulpraxis und 
ehrliche Begeisterung für seine hohe Aufgabe lassen Prof. 
Stiehl die richtigen Worte finden, um den Erziehern des 
Volkes Ziel und Weg klar aufzuweisen und um breite 
Kreise wieder zu lebhafter Anteilnahme am baukünstle 
rischen Schaffen aufzurütteln. Der Verfasser geht aus von 
der Baukunst, die von den einfachsten Grundlagen der 
Formgebung zu den größten Erhebungen des Gemüts 
emporführt. Die so gewonnene Anschauung findet An 
wendung nicht nur auf die bildenden Künste, sondern 
auch auf die alltägliche Umgebung, die Kultur des täg 
lichen Lebens. Kunst ist nichts Lebensfremdes, sondern 
ein notwendiger Bestandteil der Lebensfreude, eine täg 
liche Bereicherung des Daseins, ein Besitz des ganzen 
Volkes. Von solch belebter Anschauung der Wirklichkeit 
ist eine heilsame Gegenwirkung gegen die blutleere Be 
griffswirtschaft unserer schlagwortseligen Zeit zu erwar 
ten; die Einführung in die großen Gesetze künstlerischer 
Wirkungen aber führt zu einer neuen Zielsetzung für den 
alten deutschen Idealismus. 
Dieser Nummer liegt ein Prospekt der Deutschen 
Abwasser-Reinigungs-Ges. m. b. H., Städtereinigung, 
Wiesbaden, bei über „Oms“-KläranIagen. 
Verantwortlich: Karl Sehul«, Stuttgart
	        

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