Volltext: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

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I6./30. Sept. 1920. 
BAUZEITUNG 
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Sicherheit notwendige Maßregel darstellt. Durch das 
Zeugnis des Sachverständigen ist glaubhaft gemacht, daß 
sich das fragliche Hintergebäude in derart baufälligem 
Zustande befand, daß Personen, die sich in dem daran 
anstoßenden Garten aufhielten, Gefahr liefen, durch her 
abfallende Dachziegel, Steine oder sonstige Gebäudeteile 
verletzt zu werden. Der Abbruch ist baupolizeilich offen 
bar nur deswegen nicht verlangt worden, weil das Ge 
bäude nicht an der Straße liegt. 
War der Abbruch darnach gerechtfertigt, so kann der 
Hypothekengläubiger auch nicht dagegen Widerspruch 
erheben, daß der Eigentümer über das Abbruchsmaterial 
verfügt. 
Eingenügende Abdeckung eines Lichtschachtcs, 
Haftung des Bauausführenden. 
Ein Hausbesitzer in Leipzig ließ sein Haus umbauen 
und übertrug die Oberleitung dem Architekten N. Zur 
Erneuerung eines Eisenrostes, der auf dem Bürgersteig 
vor dem Laden über einem Lichtschacht gelegen war, 
wurde die Schachtöffnung einstweilig mit einem Holz* 
brett überdeckt. Als eine Frau eines Abends beim Vor 
übergehen auf das Brett trat, kippte es um; sie geriet mit 
dem Fuß in die Oeffnung und brach das Bein. Ihre gegen 
den Hausbesitzer sowie gegen den Architekten gerichtete 
Schadensersatzklage wurde vom Landgericht Leipzig ab- 
.gewiesen, das Sächsische Oberlandesgericht dagegen gab 
der Klage gegen den Architekten N. Staat. Das Reichs 
gericht wies die Revision des Beklagten zurück und führte 
aus: Die Bedeckung des Lichtschachtes mußte wegen des 
darüber flutenden starken Verkehrs so ausgeführt und be 
aufsichtigt werden, daß jede Gefahr für die Fußgänger 
ausgeschlossen war. Der Beklagte hatte sich persönlich 
darum zu kümmern, genaue Weisungen zu erteilen, was 
zu geschehen hatte, und ihre Befolgung zu überwachen. 
Es handelte sich nicht um irgend eine mehr oder weniger 
bedeutungslose Einzelheit des Baues, die der Bauführer 
selbständig, ohne daß er fortgesetzt kontrolliert wurde, 
besorgen konnte, sondern wegen der augenfälligen Ge 
fährdung der Vorübergehenden, falls die Abdeckung nicht 
untadelhaft hergestellt und in diesem Zustande erhalten 
wurde, um eine Angelegenheit von besonderer Wichtig 
keit. War der Beklagte wegen des großen Umfanges 
seines Geschäftes oder aus anderen Gründen zur Aufsicht 
in Person außerstande, so mußte er hierfür einen anderen 
geeigneten Fachmann bestellen. Er durfte sich aber sol 
cher nicht völlig enthalten und seinem 23jährigen Bau 
führer umsoweniger alles überlassen, als der Ersatz des 
Eisenrostes lange Zeit in Anspruch nahm. Bei der ge 
botenen ordnungsmäßigen Geschäftsführung durfte und 
konnte es nicht Vorkommen, daß die gefährliche Ab 
deckung drei Tage ohne Nachschau blieb. 
Rundschau. 
Württemb. Kunstverein Stuttgart. Neu ausgestellt seit 
26. September 1Q20: Oelgemälde und Graphik von Leo 
Bauer, Stuttgatr, Plastik von Friedrich Thoma, Radie 
rungen und Aquarelle von Fr. Rud. Schweimer, München, 
Oelgemälde und Zeichnungen von Hans Oaugler, Stutt 
gart, Marie Wildt, Stuttgart, Oelgemälde von Ernst Grae- 
ser, Stuttgart, Oelgemälde von Rudolf Thost, Stuttgart, 
Oelgemälde von M. Lang, M. Bühl, P. O. Groeber, Fr. 
Steißlinger, Radierungen von Hans Emil Braun, Kirch- 
berg a. jagst, Radierungen von Werner Leonhard, Karls 
ruhe in Baden. 
Der Innungs-Verband Deutscher Baugewerksmeister 
hielt am 15. und. 16, September d. J. in Breslau unter der 
Teilnahme von annähernd 300 Vertretern des Baugewer 
bes aus allen Gegenden des Reiches seinen 43. V er 
bau d s t a g ab. Der langjährige Verbandsvorstand, Ar 
chitekt G e s t r i c h (Berlin) leitete die Verhandlungen. 
Den Bericht über die Ausführung der Beschlüsse der vor 
jährigen Tagung zu Kassel gab Syndikus Schlegel. 
Baumeister Kret/schmar (Leipzig) und Zimmer 
meister Böge (Hamburg) behandelten das Lehrlings 
wesen und stellten für dessen Regelung durch die Innungen 
Leitsätze auf, denen die Versammlung zustimmte. DipL- 
Ingenieur W e i ß (München) und Justizrat Professor Dr. 
C r ü g e r (Berlin) sprachen über die Sozialisierungsfrage 
und das Genossenschaftswesen.. Es wurde hierauf noch 
eine Entschließung gegen die Sozialisierungsbestre 
bungen angenommen und ferner den Innungen empfohlen, 
die Frage der Genossenschaftsbildung in ihren Kreisen 
einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Für die Bil 
dung von eigenen Haftpflichtversicherungsanstalten bei 
den Baugewerksberufsgenossenschaften traten Architekt 
M ü 11 e r (Stettin) und Architekt Scher m er (Hanno 
ver) unter großem Beifall der Versammlung ein Für die 
Regelung der Baumeister-Berufsbezeichnung wurden nach 
dem Vorschläge von Baumeister C a p p i u s (Essen) eine 
Reihe/on Leitsätzen angenommen. Dem vom Vorstande 
vorgeschlagenen Anschluß für das Schiedsgerichtswesen 
stimmte die Versammlung zu, ebenso den Anregungen 
von Architekt B e r e n d t (Bremen) und Baumeister K i r- 
s t e n (Dresden) auf Herbeiführung engerer Beziehungen 
mit dem B. D. A. Hierfür wurde eine besondere Kom 
mission eingesetzt, nachdem Professor Strauraer (Ber 
lin) namens des Architektenbundes seine Befriedigung 
über die eingeleitete Gemeinschaftsarbeit Ausdruck ge 
geben hatte. Die schon seit mehreren Jahren vom In 
nungsverband angeregte planmäßige Forschungsarbeit 
auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Baubetriebes wird 
nunmehr von der ins Leben gerufenen Forschungsgesell 
schaft, für die Dr. Günther (Berlin) sprach, nachdrück 
lich betrieben werden. Weiterhin wurden Bauschulfragen 
behandelt durch Regierungsbaumeister Wolfram (Bres 
lau) und Fragen des Deukmaipflegeschutzes durch xMau- 
rermeister Hirschberg (Neuruppin). Ueber die Re 
vision der Gebührenordnung des Innungsverbandes be 
richteten Ratszimmermeister Weise (Berlin) und Mau 
rermeister Zimmermann (Kattowitz). Den Beschluß 
der umfangreichen Verhandlungen machten geschäftliche 
Vorlagen verschiedener Art. Bemerkenswert ist daraus 
der Bericht über die „Feierabend- und Bernhard Felisch- 
Stiftung", deren Vermögen jetzt über 120 000 Mark be 
trägt. Der geschäftsführende Ausschuß des Verbandes 
wurde einstimmig wieder gewählt, als dessen neue Mit 
glieder wurden außerdem noch bestimmt, Ratszimmer 
meister V o r p a h 1 (Berlin) und Obermeister Lehmann 
(Hannover). Als Ort der nächstjährigen Tagung wählte 
die Versammlung München. Mit dem Verbandslag wa 
ren eine Reihe \on Veranstaltungen der Breslauer Fach 
genossen verknüpft, die allen Teilnehmern großen Genuß 
und Belehrung bereiteten. Mit besonderer Befriedigung 
wurde entgegen genommen der Vortrag und die kunst- 
geschichtlichen Führungen von Universitätsprofessor 
P a t z a k (Breslau) und das überaus eindrucksvolle Or 
gelkonzert, umrahmt von Oesangsvorträgen, unter der 
gewaltigen Kuppel der Jahrhunderthalle. Ein gemein 
sames großes Festmahl und eine spätere Fahrt nach Frei 
burg, Fürstenstein und Salzbrunn beschloß die in jeder 
Beziehung ausgezeichnet verlaufene Tagung, die einen 
erneuten Beweis für das bedeutsame Wirken des Innungs 
verbandes in allen sozialen und technischen Fragen des 
deutschen Bauhandwerkes abgelegt hat. 
Braunkohlen-Vorkommen bei Isny? Eine Tageszei 
tung berichtete, daß, wie man höre, die Bohrungen am 
Menelzhoferberg bei Isny das Vorhandensein einer abbau 
würdigen Kohlenschichte ergeben hätten. Es solle nun 
die Eröffnung des bergmännischen Betriebes in sichere 
Aussicht genommen werden. — Von berufener Seite 
wurde uns, an sich recht bedauerlich, so gut wie das Ge-
	        

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