Volltext: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

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BAUZE1TUNQ 
Nr, 42/43 
rer, den Kassenbericht. Er stellte hier fest, daß eine große 
Flauheit in Begleichung der Mitgliedsbeiträge bei einzel 
nen Kollegen herrschen würde und dadurch die Vereins 
kasse zur Zeit über kein großes Vermögen verfügt. Herr 
Kollege Dörfler spricht sich für eine Erhöhung des Mit 
gliederbeitrags von 20.— auf 30.— Mark aus und bringt 
einen Antrag des Bezirks IV ein, wonach die einzelnen Be 
zirksgruppen einen Betrag von 3 — Mark pro Kopf für 
ihre laufenden Ausgaben von der Hauptkasse erhalten 
sollen. Kollege Lauser unterstützt diesen Antrag und 
machen die Kollegen Siebler, Fritschi, Kühn und Schucker 
weitere Vorschläge betr. Beitragserhöhung. In der nach 
folgenden Abstimmung wird ein Antrag angenommen für 
das laufende Jahr einen Mitgliedsbeitrag von 35.— Mark 
zu erheben, wovon 3.— Mark den einzelnen Bezirksgrup 
pen zur Bestreitung kleinerer Ausgaben zurückvergület 
werden. Hierauf kommt ein weiterer Punkt der Tages 
ordnung zur Besprechung betr. Umänderung der Vereins 
satzungen. Der Vorstand schlägt vor, die Studierenden 
des Staatstechnikums nach dem Ablegen des Vorexamens 
als außerordentliche Mitglieder aufzunehmen. In der 
darauf folgenden Diskussion beteiligten sich die Kollegen 
Eichkorn, Dörfler, Lauser, Herrmann, Reißig, sowie der 
Vorsitzende des Stud.-Ausschusses. Es wird ein Antrag 
angenommen, dem Vorstand die Ermächtigung zu geben, 
neue Statuten herauszugeben, die den Eintritt der Studie 
renden des Staatstechnikums nach Ablegung des Vor 
examens als außerordentliche Mitglieder, sowie den Pas 
sus, daß bei Nichtbezahlung des Mitgliedsbeitrages Aus 
schluß des betreffenden Kollegen erfolgt, enthalten sollen. 
Alsdann erfolgte eine große Aussprache über die Titel- 
jnd Ausbildungsfrage, sowie über die Zulassung zu dem 
Gewerbelehrerberuf. Kollege Schneider spricht sich für 
die schärfste Bekämpfung des jetzigen Direktors aus und 
fordert die Kollegen auf, in die Gewerbevereine einzu 
treten, um dort unsere Interessen zu vertreten. Der Vor 
sitzende des Studierenden-Ausschusses, Herr Dreßei, 
spricht seinen Dank für die freundliche Einladung aus 
und verliest eine Eingabe, welche die Studierenden des 
Staatstechnikums betr. Besetzung der neuen Direktorstelle 
an das Ministerium gerichtet haben. Kollege Bauer be 
handelte das Thema „Allgemeinbildung der Techniker“ 
und fordert die Zulassung der Absolventen des Techni 
kums zu dem Gewerbelehrerberuf. An den Pranger stellte 
er die unfaire Kampfesweise der Gewerbeschulmänner in 
der Tagespresse, die keines gebildeten Menschen würdig 
sei. Kollege Fritschi macht längere Ausführungen über 
seine Erfahrungen im I. Semester. Mit Kopfschütteln 
nahmen die Anwesenden Kenntnis davon über die heutige 
Ausbildung der Lehrlinge in den Gewerbeschulen. Zum 
nächsten Punkt der Tagesordnung, Zeitungsbezug betr., 
ergreift Herr Kollege Hug das Wort. Ein Antrag, wo 
nach der Zeitungsbezug beibehalten werden soll, wird 
angenommen. Beim letzten Punkt der Tagesordnung, 
Erweiterung des Vorstandes, wurden vorgeschlagen die 
Kollegen Bauer und Eichkorn als weitere Beisitzer, Kol 
lege Krauß als II. Kassier und Kollege Umminger als 
II. Schriftführer. Dieselben wurden einstimmig gewählt. 
Am Schlüsse der Tagung kommt nachfolgende an das Mi 
nisterium gerichtete Resolution zur Verlesung, die ein 
stimmig angenommen wird: „Die am Sonntag, den 25. 
Juli 1Q20, im Saale des Gasthauses zum Krokodil in 
Karlsruhe versammelten staatl. gepr. bad. Bauwerkmeister 
als Vertreter der Technik haben Kenntnis genommen von 
dem Bericht ihres I. Vorsitzenden. Mit Bedauern müssen 
sie feststellen, daß sich das Ministerium ihren seit Jahren 
gestellten billigen Forderungen verschließt und auf jewei 
lige Anfragen statt der zu erteilenden Genehmigung einen 
sogenannten Hoftrost gibt. Angeregt durch einen letzten 
Schmähartikel des Vereins Bad. Gewerbeschulmänner in 
der öffentlichen Tagespresse sehen sich die Vertreter des 
Gewerbes und der Technik Badens gezwungen, protest 
artig auf die alsbaldige Genehmigung ihrer seit langem 
verschleppten, gerechten und idealen Forderungen zu 
drängen. Die praktisch schaffenden Männer aus der Praxis 
müssen zusehen, wie sie von ihren ehemaligen Gewerbe 
lehrern in schändlicher Weise verleugnet werden, ohne 
hierzu rechtlich Stellung nehmen zu können, weil sich die 
verflossenen Regierungen in unverzeihlicher Weise den 
Forderungen der mittleren Techniker verschlossen, inso 
fern sie den Absolventen der früheren Baugewerkschule 
das Reifezeugnis versagte. Von der jetzigen Regierung 
verlangen sie, daß die nun endlich die Reorganisation des 
Staatstechnikums tatkräftig fördert, und zwar im Sinne 
des von dem badischen Berufsschulausschuß unter Vorsitz 
des Prof. Kärcher aufgestellten Programm, damit der Un 
terricht des kommenden Wintersemesters im Sinne dieses 
Programms gegeben werden kann. Auch wolle die Re 
gierung Sorge tragen, daß künftighin neben den semina 
ristisch gebildeten Gewerbelehrern den Tüchtigsten unter 
den Absolventen des Staatstechnikums Gelegenheit gebo 
ten wird, in den Gewerbelehrerberuf eintreten zu können.“ 
Um 1 Uhr mittags schließt der 1. Vorsitzende die Ver 
sammlung und spricht den Mitgliedern für ihr gezeigtes 
Interesse und für den harmonischen Verlauf der Tagung 
seinen besten Dank aus. Hieran anschließend spricht 
Kollege Dörfler dem Oesamtvorstand für die große bisher 
geleistete Arbeit die Anerkennung und den Dank der Ver 
sammlung aus. Zu dem am Abend veranstalteten Familien 
abend fanden sich erfreulicherweise sehr zahlreich die Kol 
legen mit ihren Familienangehörigen ein, die gewiß alle 
hochbefriedigt von dieser Feier nach Hause gegangen sein 
werden. Es würde hier zu viel Raum in Anspruch neh 
men, auf all das Gebotene einzugehen, und möchten wir 
daher an dieser Stelle nur nochmals unseren herzlichsten 
Dank denjenigen aussprechen, die für das gute Gelingen 
des Abends beigetragen haben. 
Bezirk 111. Die Bezirksgrunne Karlsruhe des Vereins 
hat am Sonntag, den 10. d. M. auf Einladung des Bau 
kontrolleurs Biesdorf eine Besichtigung der im Bau be 
griffenen Lehmbauten in Rastatt vorgenommen. Eine statt 
liche Anzahl, insgesamt 32 Herren, beteiligten sich und 
gaben dadurch ihr Interesse an dieser neuen Bauweise 
kund. Vom Staatstechnikum waren die Herren Professoren 
Graf und Müller, sowie Herr Fachlehrer Fritschi erschie 
nen. Die überaus interessanten Ausführungen des Herrn 
Biesdorf, der Leiter des Baues, gab ein anschauliches 
Bild über die Stampflehmbauweise. Die Vor- und Nach 
teile der Lehmbauten wurden eingehend besprochen und 
wurde man darüber eins, daß 1. die Lehmbauweise nur 
da wirtschaftlich rentabel ist, wo keine Zufuhren von 
Lehm erforderlich sind, also am Bauplatz gewonnen wer 
den kann, und 2. daß die Mauern mit außerordentlicher 
Sorgfalt erstellt werden müssen. Die Druckproben des 
Stampflehms, sowie der an Ort und Stelle hergestellten 
Lehmformsteine haben ganz außerordentlich günstige Re 
sultate gezeitigt. — 
Bezirk I hält Sonntag 21. Nov. nachm. 1 Uhr, im Hotel 
„Schlüssel“ zu Konstanz eine Bezirksversammlung ab, auf die 
heute schon hingewiesen sei. Sämtliche Hen-pn Kollegen des 
Bezirks I werden gebeten, nach Möglichkeit an der Ver 
sammlung teilzunehmen. Der Vorstand des Vereins, Herr 
Frischmuth von Karlsruhe, hat mit einem Vertreter des 
Württ, Baumeistervereins bereits sein Erscheinen zuge 
sagt, um über verschiedene Fragen gemeinsamer Arbeit 
Bericht zu erstatten. Die Versammlung kann selbstver 
ständlich nur dann von Bedeutung sein, wenn sie gut be 
sucht ist. Es ergeht daher an alle Herren des I. Bezirks 
die dringende Bitte, den noch ergehenden Einladungen 
Folge zu leisten. Sch. 
Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart.' 
Druck; Gustav Stürner in Waiblingen.
	        

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