Full text: Süd- und Mitteldeutsche Bauzeitung (1919/20)

102 
BAUZE1TUNO 
Nr 46 47 
im Bau begriffen. Bei der Ausführung ist der hier ver 
öffentlichte Bebauungsplan und der Entwurf des Arbeiter 
doppelhauses erfreulicherweise zu Grunde gelegt. 
lieber Bauland-Umlegung. 
In Ergänzung der Ausführungen über Bauland-Umle 
gung in Nr. 42/43 der Bauzeitung mögen noch zwei Fra 
gen erörtert werden, die bei der Bauland-Umlegung von 
besonderer Wichtigkeit sind. Es ist die Frage, nach wel 
chem Maßstab die Umlegung erfolgen soll, und die Frage, 
welchen Anteil die beteiligten Grundbesitzer an dem er 
forderlichen Straßenland zu tragen haben. 
Die Umlegung erfolgt in der Regel in der Weise, daß 
die zur Umlegung bestimmten Grundstücke eines genau 
umgrenzten Gebiets in eine Masse vereinigt werden, aus 
der zunächst das zu den öffentlichen Straßen und Plätzen 
erforderliche Gelände ausgeschieden wird. Die Restmasse, 
das Bauland, wird in demselben Verhältnis unter die be 
teiligten Grundbesitzer verteilt, in dem sie bei der ur 
sprünglichen Gesamtmasse aller umzulegenden Orund- 
und die Ausscheidung besonders hochwertiger Grund- \ 
stücke wie Handelsgärtnereien, Baumschulen, Parkanlagen ‘ 
und insbesondere mit wertvollen Gebäuden besetzter f 
Grundstücke. Die Umlegung nach der Fläche hat sich in ! 
Frankfurt am Main, wo das preußische Gesetz schon seit 1 
Jahren angewendet wird, durchaus bewährt. Es ist nun i 
allerdings nicht zu verkennen, daß die Voraussetzung der , 
Gleichwertigkeit des Orundstückseinheiten vor der Um- •! 
legung nur im allgemeinen, in mehr oder weniger weiten S : | 
Grenzen, aber niemals mit mathematischer Genauigkeit /J 
zutreffen wird, und daß deshalb die Umlegung nach dem 5t 
Werte gerechter erscheint. Theoretisch erscheint dies Ver- 
fahren zunächst einfach und gerecht, bei der Durchfüh- /.J 
rung aber häufen sich die Schwierigkeiten. Es sind zwei 
Schätzungen notwendig, eine für den Zustand vor und 'M 
eine für den Zustand nach der Umlegung. Wie weit die 
Ansichten über den Wert von Bauland, das erst aufge- |£j 
schlossen werden soll, auch unter den Sachverständigen T|| 
auseinandergehen, ist zur Genüge bekannt. Es ist offen-gl* 
kundig, daß die Umlegung nach dem Werte nur dann fei 
gerecht wirkt, wenn die beiden Schätzungen bei allenB 
Grundstücken den richtigen Wert treffen. Fehler und Un-|j| 
Doppelhaus. 
stücke nach der Fläche oder nach dem Werte beteiligt wa 
ren. Dabei hat die Neueinteilung möglichst im Einver 
nehmen mit den Beteiligten und tunlichst so zu erfolgen, 
daß die Baugrundstücke rechtwinklig zu den Straßen- und 
Platzgrenzen gelegt und in der örtlichen Fage, in der sie 
vor der Umlegung besessen wurden, sowie in einer für 
die Bebauung zweckmäßigen Form den Grundbesitzern 
zugewiesen werden. Das preußische Gesetz legt nach der 
Fläche um, d. h. das Bauland wird unter die beteiligten 
Grundbesitzer in demselben Verhältnis verteilt, in dem die 
Grundbesitzer bei der früheren Gesamtfläche beteiligt wa 
ren. Das sächsische, badische und Hamburger Gesetz 
legen nach dem Werte um. Jeder Grundbesitzer nimmt 
an dem Gesamtwert des Baulandes nach der Umlegung in 
demselben Verhältnis teil, in dem er vorher bei dem Ge 
samtwerte der nicht umgelegten Grundstücke beteiligt 
war. Der Grundgedanke bei der Umlegung nach der 
Fläche ist der, daß sämtliches Gelände in einem entspre 
chend umgrenzten Umlegungsgebiet ungefähr den glei 
chen Bodenwert hat, und daß selbst dann, wenn Unter 
schiede im Bodenwert vorhanden sind, die durch die Neu 
einteilung hervorgerufene Steigerung des Bauplatzwertes 
den Unterschied zwischen den früheren Bodenwerten als 
unerheblich zurücktreten läßt. Voraussetzung dafür ist 
eine entsprechende Umgrenzung des Umlegungsgebiets 
gleichheiten werden sich auch beim besten Willen nicht 
vermeiden lassen und zu Anfechtungen und Weiterungen 
Anlaß geben. Bei dieser Sachlage ist es wertvoll, zu 
sehen, wie sich die Anwendung der auf dem Grundstücks 
wert aufgebauten badischen und sächsischen Bestimmun 
gen in der Wirklichkeit gestaltet. Und da finden wir die 
überraschende Tatsache, daß sowohl in Baden als in Sach 
sen tatsächlich nicht nach dem Werte, sondern nach der 
Fläche, oder wenn man so sagen will, nach der bewerteten 
Fläche umgelegt wird. Es werden keine Preise heraus 
gerechnet und Werte zugewiesen, sondern es werden Flä 
chen mit annähernd gleichwertiger baulicher Aus 
nützungsmöglichkeit umgelegt. Dem Wortlaut der be 
treffenden Gesetze entspricht dies nun allerdings nicht, 
aber es wird mit Zustimmung der staatlichen Behörden 
tatsächlich so gemacht. Hält man sich die Erfahrungen, 
die in Frankfurt am Main, in Sachsen und Baden gemacht 
worden sind, und die Schwierigkeiten genauer Wert 
schätzungen vor Augen, so wird man der Umlegung nach 
der Fläche den Vorzug vor der nach dem Werte geben. 
Wird noch bestimmt, daß bei der Zuteilung des neuen 
Grundstücks die Lage des früheren möglichst beibehalten 
und kleinere Unterschiede in der günstigeren oder un 
günstigeren Bebaubarkeit der Grundstücke durch Ver 
kleinerung oder Vergrößerung der Fläche unter Umstän
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.