Title:
Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn
Creator:
Württembergischer Alterthums-Verein Paulus, Eduard
Shelfmark:
S Mau 403/430
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1516267921934/103/
Jahr 1498 errichtet in weiten und höchst wohlthuenden Verhältnissen und mit einen: 
viel- und scharfrippigen, tonnenartigen Netzgewölbe, das noch lebhaft bemalt ist mit 
Flammen, Mdlern u. f. w.> dabei einmal die Buchstaben M E S. Mn der Ostwand 
sieht man eine große und großartig aufgefaßte, leider halboergangene gothische 
Malerei: Maria mit dem Jesuskinde, rechts ein Bischof. Darunter wurde später 
das herzoglich württembergifche Wappen groß, vermuthlich unter Herzog Ulrich, als 
Maulbronn (1504) würtlembergifch geworden war, aufgemalt. In der Südwest 
ecke steht ein steinernes Wendeltreppenthürmchen mit der Infchrifttsfel: 
Divas virgini Mariae ac posteritati bene merenti Johannes Burrus de 
Brethen Abbas per F(ratrem) Conrad Conversum de Schmye hoc opus erigens 
a fundamentis consummavit. 
Anno domini MCCCCLXXXXIII (1493) L(aus) O(ptimo) D(eo). 
Darunter steht: Restaurirt Anno Domini 1862. 
Die schön gearbeitete Treppe 
führt hinauf in das Orato- 
r i u m; es liegt gerade über den: 
Sprechsaal, ist aus derselben 
Zeit und von derselben Größe, 
sein reiches und kräftiges, von 
Konsolen getragenes Slernge- 
wölbe hat schöne Schlußsteine, 
auf denen die ausdrucksvollen 
Brustbilder der vier großen 
Kirchenväter, Mugustin, lm- 
brosius, Hieronymus und Gre 
gor, und des h. Bernhard von 
Clairvaux, dann Maria mit dem Kinde, Blattkränze und ein Engel unt Wappen 
schild, darauf ein Mblsstab und I O-B (Johannes Burrus) ausgemeißelt sind, auf 
einem andern das Zeichen des Meisters, ohne Zweifel des Conrad von Schmie; 
der 14. Nov. 1506 und 14. Mai 1513 in der Bauhütte zu Constanz vorkommende 
Steimnelze Conral voir Maulbronn (Mone, Oberrhein 5,45) ist wohl ein und der 
selbe. Mn einer schönen Engelskonsole steht die Jahreszahl 1495. Die Gewölbe 
rippen wurden in unserer Zeit wieder bunt bemalt und vergoldet, die hohen Maß- 
werkssenster mit verzierten Scheiben versehen. Min Meußern des zweistöckigen 
Gebäudes steigen (jetzt auch wiederhergestellte) Strebepfeiler »nt gedoppelten Spitz- 
säulen hoch und wirksam empvr. 
Das ziveite Stockwerk des nördlichen Ouerfchissarms wurde ebenfalls durch 
Mbl Burrus, aber bei seiner zweiten Mmtsführung (1518—1521), zum Biblio- 
thcksaal, der jetzt noch dafür dient, eingerichtet, mit hoher Decke, die aus zwei 
fpitzbogigeu auf Pfeilern ruhenden Tonnengewölben besteht. Hier zeigt man noch 
die 1450 gemalte, 1616 erneuerte Stistungstafel und ein sehr beschädigtes Mltar- 
gemälde, die Kreuzigung Christi, vom Jahre 1482.
        

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