Title:
Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn
Creator:
Württembergischer Alterthums-Verein Paulus, Eduard
Shelfmark:
S Mau 403/430
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1516267921934/139/
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Kapitals; den Würfelknauf mit glatten Schildern, oder diefe mit Sternchen, No- 
settchen, Vlättchen geschmückt, begleitet der schivere, von Sailen umschnürte, von 
kurzem antikisirendem Mkanthus oder bescheidenem Rebengewind umhüllte. Mit 
der Stilwendung um 1200 kommt ohne Vermittlung die Kelch- oder umgestürzte 
Glockenform aus, überzieht stch mit maureskem Mkanthus und keck hinausgreifen 
den Vlätteraufrollungen, stark stilisirt, phantasievoll und prächtig; dann in der Früh- 
gothik, und gerade in Maulbronn wunderbar schön und merkwürdig reich, mit 
einem Zierwerk, das den verschiedensten wildwachsenden Pflanzen streng nachge 
bildet wurde, im Laus des 14. Jahrhunderts immer loser und lockerer wird, bis 
es im 15. vollends verschivindet. — Mehnliche Wandlungen des Laubwerks zeigen 
die so zahlreichen und meist ganz herrlichen Schlußsteine, nur daß an ihnen beim 
Ostflügrl drs Ärruxgangs. 
Loserwerden in den Lücken figürlicher Schmuck, erst Thier-, dann Menschengebilde, 
stch vordrängt und schlieszlich unbestritten die ganze Stelle behauptet. 
Wie im Besonderen, so gibt auch im Groszen Stil und Stellung der ver 
schiedenen Bauwerke immer neue stimmungsvolle Einblicke, überraschende Durch 
sichten, malerische Gruppen; und dabei sind diese Bilder der Kunst meistens nicht 
allein, sondern unauflöslich verknüpft iitxf denen der Natur und prägen sich deß 
halb um so unauslöschlicher in die Seele; sei es, daß wir Aast hallen unter den 
Linden» vor uns die Vorhalle mit den rohrschlanken Säulen, im Garten des 
Kreuzgangs wandeln bei blühenden Rosenbüschen und dem Gemurmel des drei- 
schaligen Brunnens oder im großen Ephoratsgarten unter rauschenden Wipfeln 
am epheuumsponnenen Faustthurme träumen, bestaunend den Ernst der Kreuzarme 
der Kirche, oder daß wir einsam im Mbeudroth über dein Spiegel des tiefen See's 
nur noch die Spißen des Klosters auftauchen sehen. Mm schönsten im Herbst, wenn 
die Blätter fallen und die Vergänglichkeit des Naturlebens xusammenstimmt mit den: 
Geist, der diese von der Zeit verlassenen Halleir in sanfter Wehmuth durchflüstert.
        

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