Full text: Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn

Die meisten der Briefe enthalten die Zusicherung der Schirmvogtei des 
Reichs, die K. Friedrich I. übernommen hatte. Das hinderte aber nicht, dasi das 
Schirmrecht auch von andern, dem Kloster» näher liegenden Geivalten beansprucht 
nird theils mit, theils gegen den Willen desselben geübt wurde; ja, es knüpft sich 
an seine Handhabung und die Streitigkeiten darüber fast die ganze äußere Ge 
schichte des Klosters bis zum Untergang seiner Selbständigkeit. 
Dem Ursprung des Klosters, ivie den Statuten seines Ordens, entsprach es, 
dasi die Bischöfe von Speier ein Vogtrecht übten (obwohl Juli 1231 Bischof 
Veringer bekannte, qnod monasterium Mulbronn nullum alium advocatum in 
bonis suis habere debeat praeter regem Romanorum, St. Arch.), Ivie denn 
K. Wilhelm, nachdem er am 2. Februar 1235 dem Kloster versprochen, den Schirm 
nicht ohne sein Begehren zu veräußern, schon am 23. März dieses Versprechen 
aus die Beschwerde des Bischofs zurücknahm und dem Visthum das Recht be 
stätigte, jenem einen Vogt zu setzen. Ruch Kaiser Rudolph befahl 1280 dem 
Bischof den Schutz des Klosters, und noch Kaiser Karl IV. bestätigte dem Bis- 
thum seine Rechte über dasselbe 8. September 1366. Der Bischof übertrug vor 
1236 die Unterschirmvvgtei an Heinrich voll Enzberg, woraus ein langer Streik 
des Klosters mit dieser Familie entstand. 
Zwar der Genannte war ihm wohlgesinnt, aber bereits sein Sohn Heinrich 
bedrängte es, und noch mehr dessen Söhne Heinrich, Conrad, Gerhard und Albrecht. 
Sie tödteien einen Laienbruder, verwundeten Mönche und andere Laienbrüder 
tödlich, sengten und raubten, weszwegen Bischof Heinrich II. sie befehdete und zum 
Verzicht auf das Voglrecht zwang (vor 1270). Doch wurden die Enzberger noch 
2. Juli 1325 zum Schuh des Klosters verpflichtet. 
Kaiser Karl IV. übertrug die Vogtei, welche er vor 31. Mai 1361 von den 
Grafen von Wirkemberg, denen sie verpfändet war, einlösle, an Kurpfalz, wo 
durch das Kloster später zum Zankapfel zwischen dieser Macht und Wirtemberg 
wurde, welches in den KIvsterorten, die auf seinem Gebiet lagen (besonders von 
dem Anfall der Grafschaft Vaihingen herrührend), das Schirmrecht übte. ivie nicht 
minder die Markgrafschaft Vadeil innerhalb ihres Gebiets. — J>r den Kriegen 
des 14. Jahrhunderts litt das Klostergebiet Schaden von Seiten der Städte, ivesi- 
wegen 6. März 1393 die Stadt Weil Abbitte leisten mußte, sodann durch die 
Schlegler, obenan die Schlegelkönige Friedrich und Reinhard von Enzberg, denn 
dieses Verhalten, soivie das Streben gegen Landfrieden und Fürsteinnacht über 
haupt, ihre Burg Enzberg kostete, welche Pfalzgras Aupxrecht II. vor 14. Sep- 
teinber 1384 brach. — Mit Berufung auf die Landesunsicherheit befestigte das 
Kloster seit 1373 die Kirchhöfe in mehreren seiner Orte inrd verstärkte seine 
eigenen, um 1360 erbauten Mauern, ivas die Pfalzgrafen, denen es als ein Bvll- 
werk gegen Wirtemberg erschien, begünstigten (vgl. die Urk. K. Ruprechts 14. April 
1407). Seit 1457 wurde denn auch Maulbronn iir den Kampf der beiden Mächte 
verflochieir. Jm August dieses Jahrs lagen Pfalzgraf Friedrich der Siegreiche 
(der böse Pfälzer Früh) und Graf Ulrich der Vielgeliebte, jener iir Vrelten, dieser 
6
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.