Full text: Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn

Fertigkeit in lroninischen Versen, die sich vom 14. Jahrhundert an reichlich im 
Kloster finden, doch eine gewiste literarische Betriebsamkeit der Mönche. — Noch 
einen berühmten gelehrten Namen, welcher freilich fast nur eben rin Name ist, 
verknüpft die Sage inil Maulbronn, deil des Schwarzkünstlers Johannes Faust, 
der, unzweifelhaft in Knittlingen geboren, um 1516 bei Abt Entenfnfz hier gewesen 
fein soll, vermuthlich um ihm Gold zu machen. Die Sage, welche Sattler Topogr. 
549 auf „gute Nachrichten" zurückführt, und die sich in einem Aebteverzeichniffe 
auf dem Archiv zu Stuttgart aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts 
findet, hat nichts unwahrscheinliches, während die Lokalitäten in Maulbronn, die 
Fausts Namen tragen, der Faustthurm, die Faustküche und das Faustloch, wohl 
erst später auf ihn bezogen worden sind. 
Von Kechtsalterthümern des Klosters ist folgendes bekannt. Cs war nach 
der Urkunde K. Karls IV. vom 25. Oktober 1376 von jeder weltlichen Gerichts 
barkeit, als der des Kaisers und Königs gefreit. Der Abt war Gerichtsherr in 
Illingen, Lienzingen, Oetisheim und Mühlhausen und bildete die zweite Instanz. 
In Weistach hatte er das Wildfangsrecht, hier und in Oelbronn wurde von einer 
jeden Person, die dem Kloster leibeigen war, der jedesmalige Werth einer Salz 
scheibe an Geld als Brautlauf und Gürlelgewand eingezogen. Von König Hein 
rich VII. hatte das Kloster 29. Juni 1231 das Recht erhalten, diejenigen von seinen 
Leibeigenen zu beerben, welche sich in einer Stadt ansiedelten und keine mit einer 
Stadtbürgerin erzeugten Kinder hinterließen. Mit Graf Eberhard im Bart machte 
es 14. November 1485 einen Vertrag, daß die beiderseitigen Leibeigenen unter 
einander heiraihen dürfen (die Ungenosteoschaft aufgehoben sein solle). Nach dein 
Lagerbuch von 1572 geben des Klosters leibeigene Mannspersonen in den Amts- 
flecken von Altersher keine Leibsteuer, dagegen die außerhalb derselben und die 
in den theilbaren Flecken Dürrn, Enzberg und Kieselbronn, hinter andern Vogls- 
herren gefeffen, geben je zwei Schilling, Wirtemberger oder Pfalzgräfer, jedes 
Ortes Währung. Die leibeigenen Frauen hatten jährlich je eine Leibhenne zu 
leisten, die der Hühnervogt einzog. Vom verstorbenen Leibeigenen wurde 1572 
in den wirtembergifchen Vvgteien oder andern fremden Herrschaften von 100 Pfund 
Heller 1 fl. Landeswährung, deßgleichen fein best Oberkleid als Hauptrecht einge 
zogen, von Frauen nur das Kleid. Die Kleider fielen de«: einziehenden Hühnervogt 
zu. Der Erbschaftsabzug erfolgte nach dem Tübinger Vertrag, die Ausländischen 
aber, so des Tübinger Vertrags nicht fähig, hatten, wenn sie etwas ererbten, dem 
Kloster den zehnten Pfennig zu Abzug oder Nachsteuer zu geben. Das Bürger 
recht kostete 2 fl., einen dem Flecken, einen dem Kloster, dasselbe der Abzug in ein 
anderes Fürstenthum. Die sieben Orte: Freudenstein, Hvhenklingen mit Oelbronn, 
Schnüe, Lienzingen, Zaifersweiher, Diefenbach, Schützingen hießen Burfchtflrcken; 
sie waren Handfrohnen zur Bebauung der Klostergüter, des Jahrs 8 Tage, schuldig. 
Der Besitz unseres Klosters ist merkwürdigerweise bis in's 16. Jahrhundert 
herein in fast stetiger Zunahme begriffen. Die im 13. Jahrhundert zweimal, 1244 
xinb 1257 berichtete Geldarmut war bald wieder verwunden, da sie hauptsächlich
	        

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