Full text : Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn

19

niedrige  Wand  mit  zehn  breiten,  vvn  großlöcherigem  spätgothischem  Maßwerk  erfüllten ­
  Spißbogensenstern.  Alle  diese  Zubauten  sind  au«  rothem  Kruprrwerkstein,
der  auch  in  der  Nähe  bricht,  während  der  alte  Van  ganz  aus  dein  schönen  grünlichgelben, ­
  warmlonigrn  Keuperwerkstein  besteht.  Aber  nicht  blos  durst)  die
Farbe,  auch  durch  die  Ausführung  sticht  der  alte  Vau  bedeutend  ab  gegen  das
nicht  untüchtig  ausgeführte  Neuere;  namentlich  die  Oberwände  des  Mittelschiffes
mit  ihren  zehn  großen,  glatt  ringeschrägten  Kundbogenfenstern,  darüber  dem  klaren
Rundbogen-  und  Zahnschnittfriefe  und  dem  zartschattigen  Kranzgesimse,  scheinen  in
ihrer  ganz  feinen  Fugung  und  ganz  trefflichen  Arbeit  wie  erst  gestern  gemacht.
Die  nun  theils  verdeckte,  theils  verschwundene  Umfaffungsnmuer  des  südlichen
Seitenschiffes  zeigte  keine  Friese,  nur  eiu  schlichtes  Kranzgesimse  und  zehn  schlanke
Rundbogensenstrr,  vvn  deneir  tut  Innern  der  Kirche  noch  die  oberen  Theile  sichtbar ­
  sind.
Betreten  ivir  dieses,  so  empfangen  wir  auch  hier  trotz  aller  gothischen  Uebergriffe ­
  den  Eindruck  eines  Vaues  aus  einem  Guffe,  die  hier  erscheinenden  Hauptformen
  sind  zu  einfach,  kraftvoll,  ruhig  und  wahr.  Starke  rechtkantige,  an  den
inneren  Seiten  von  je  einer  kräftigen  Hslbsäule  besetzte  Pfeiler  tragen  die  zehn
tiefen,  einmal  sich  abtreppenden  Rundbögen,  welche  das  Hauptschiff  mit  den  Abseiten ­
  verbinden  und  auf  denen  die  hohe  Wand  des  Mittelschiffes  ruht,  obeir
durchbrochen  von  der  das  volle  Tageslicht  spendenden  Reihe  der  zehn  Rundbogenfenster.
  Statt  der  ursprünglichen  stachen  Hvlzbalkendecken  spannen  sich  seht  im
Hauptschiffe  viel-  und  scharfrippige  Neßgewölbe,  in  den  Seitenschiffen  Rippenkreuzgewölbe
  ein;  der  geradgeschloffene,  durch  den  breiten  Triumphbogen  vom  Nuerschiff
  getrennte  Chor  hat  ein  romanisches  Rippenkreuzgewölbe:  die  Rippen  haben
eine  breite,  an  den  Kanten  gekehlte  Leibung,  die  tragenden  hvchgestreckten  Ecksäulen
  sind  streng  romanisch  mit  schlichten  Würfelknäufen,  die  Schildbogen  schivach
gespitzt.
Sv  herrscht  jeßt  in  der  Deckenbildung  der  ganzen  langhinabreichenden  Kirche
Einheit  und  Einklang,  dazu  der  prachtvolle  Abschluß  des  Thores  durch  das  große
gothische  Fenster,  und  in  der  Mitte  des  Hauptschiffes  vor  dem  Lettner  das  gewaltige, ­
  sandsteinerne  Krucifix,  dunkel  und  schivermuthsvoll  aufragend.  Die  Seitenschiffe ­
  wirken  auch  rvesrntlich  bestimmend  mit,  namentlich  das  südliche,  welches  durch
die  zehn  gothischen  Kapellen  noch  bedeutend  erweitert  und  erhellt  wird;  und  doch
war  gewiß  (innen  und  außen)  der  frühere  Abschluß  durch  die  schlichte,  vvn  zehn
schlanken  Rundbogenfenstern  durchbrochene  Wand  viel  schöner.  Das  nördliche
Seitenschiff  bringt  kein  Licht,  weil  hier  der  Kreuzgang  angebaut  ist;  es  hat  Fensteröffnungen ­
  der  verschiedensten  Form,  darunter  gegen  die  Nordwestecke  hin  zwei
schlanke  Rundbogenfenster.
Gar  nicht  in  Betracht  bei  der  Gesammtwirkung  der  Basilika  konnnen  endlich
die  beiden  Arme  des  außen  130  Fuß  langen  und  34  breiten  Nuerschiffes,  weil
sie  niedrig  sind  und  sich  nur  mit  je  einem  schmalen  Rundbogen  gegen  das  Hauptschiff ­
  öffnen,  eine  nur  in  Maulbronn  vorkommende  Anordnung;  jeder  Arin  des
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.