Title:
Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn
Creator:
Württembergischer Alterthums-Verein Paulus, Eduard
Shelfmark:
S Mau 403/430
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1516267921934/70/
48 
In dem an die Kirche angebauten Krenzgangsflügel wurde jedeir Abend vor 
dem Schlnßgottesdienst die sog. geistliche Lesung (lectio) abgehalten, d. h. es wurde 
unter dem Vorsitz des Abts ein entsprechender Abschnitt ans einem Werbe er 
baulichen Inhalts vorgetragen. Von diesen Vorlesungen erhielt die Halle den 
Namen „Lesegang". Für die Zuhörer waren auf beiden Seiten des Ganges 
Sitzbänke von Stein oder auch von Hol; angebracht und weil die bis zum Boden 
herablaufenden Halbsäulen den freien Gebrauch der Sitzbänke gehindert haben 
würden, traten an ihre Stelle die Konsolen, wie wir es in Maulbronn an der 
Außenwand der Kirche sehen. — In den Areuzgangshallen fanden ferner die Futz- 
waschungrn statt, welche die Mönche jeden Sonnabend an sich, jeden Gründonnerstag 
an den Armen vorzunehmen hatten. Es lag nahe, den mit Bänken versehenen 
Lesegang dafür zu benutzen; so finden sich eben im Südfiügrl des Maulbronner 
Krcnzgangs in den Fensterbänken zwei Ausgußsteine; zwei schön gearbeitete kon 
solenartige Ausgußsteine erhielten sich im Bebenhauser Kreuzgang, ebenso im Krenz- 
gang des österreichischen Cisterzienserklvsters Zwettl (vergl. Tscherning, a.d. a. O.). 
Wie schon gesagt, setzen sich die lebhaften und stüssigen Rebergangsformen 
des Südstügels am Vst- und Weststügel je mit einem Gewölbejoch fort, nur haben 
die Veffnungen an der Westseite Kleeblatlfüllnngen und 
Säulen anstatt der Fenstergeivände. Noch ein Strebe 
pfeiler und der Anfang eines neuen Bogens, sowie ein 
urthümlicher Wasserspeier, der einzige am ganzen Kreuz- 
gang, dann wird die Wand des Westflügels um etwas 
schmäler und eine ganz andere, 40—50 Jahre jüngere 
Formenbehandlung tritt ein; und ähnlich ist es im Ost- 
flügel. Im Nordflügel dagegen mahnen die Wandxfeiler mit ihren Säulchrn in 
den Ecken noch ganz an die Uebergangszeit, aber die Formen sind viel eintöniger 
und schwerer; — die Gewölbe und die am Kreuzgarten hinziehende Umfassungs 
mauer stammen dagegen aus gothischer Zeit. 
Die Steinmetzzvichen an den oben beschriebenen Gebäuden sind folgende: 
An der Vorhalle (Paradies): J_A4" t' t Dl £ kc°Z K 
Am Herrenrefektorium: 
tV'Ot'T) 0 Dt» Cü+* V 
An der Brunnenkapelle unten: ^ “□ T /* *1* 
Am Südflügel des Kreuzgangs: 
Der grohe Keller. 
Dreimal treten, wie rin Blick auf den Grundriß zeigt, aus dem Klostercom- 
plex gegen Norden mächtige, langgestreckte Gebäude hinaus; von Westen an ge 
rechnet, zuerst das Laienrrfektorium, dann das Hcrrcnrefektorium und endlich der 
VlsitllUstollmig.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.