Volltext : Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn

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In  dem  an  die  Kirche  angebauten  Krenzgangsflügel  wurde  jedeir  Abend  vor
dem  Schlnßgottesdienst  die  sog.  geistliche  Lesung  (lectio)  abgehalten,  d.  h.  es  wurde
unter  dem  Vorsitz  des  Abts  ein  entsprechender  Abschnitt  ans  einem  Werbe  erbaulichen ­
  Inhalts  vorgetragen.  Von  diesen  Vorlesungen  erhielt  die  Halle  den
Namen  „Lesegang".  Für  die  Zuhörer  waren  auf  beiden  Seiten  des  Ganges
Sitzbänke  von  Stein  oder  auch  von  Hol;  angebracht  und  weil  die  bis  zum  Boden
herablaufenden  Halbsäulen  den  freien  Gebrauch  der  Sitzbänke  gehindert  haben
würden,  traten  an  ihre  Stelle  die  Konsolen,  wie  wir  es  in  Maulbronn  an  der
Außenwand  der  Kirche  sehen.  —  In  den  Areuzgangshallen  fanden  ferner  die  Futzwaschungrn
  statt,  welche  die  Mönche  jeden  Sonnabend  an  sich,  jeden  Gründonnerstag
an  den  Armen  vorzunehmen  hatten.  Es  lag  nahe,  den  mit  Bänken  versehenen
Lesegang  dafür  zu  benutzen;  so  finden  sich  eben  im  Südfiügrl  des  Maulbronner
Krcnzgangs  in  den  Fensterbänken  zwei  Ausgußsteine;  zwei  schön  gearbeitete  konsolenartige ­
  Ausgußsteine  erhielten  sich  im  Bebenhauser  Kreuzgang,  ebenso  im  Krenzgang
  des  österreichischen  Cisterzienserklvsters  Zwettl  (vergl.  Tscherning,  a.d.  a.  O.).
Wie  schon  gesagt,  setzen  sich  die  lebhaften  und  stüssigen  Rebergangsformen
des  Südstügels  am  Vst-  und  Weststügel  je  mit  einem  Gewölbejoch  fort,  nur  haben
die  Veffnungen  an  der  Westseite  Kleeblatlfüllnngen  und
Säulen  anstatt  der  Fenstergeivände.  Noch  ein  Strebepfeiler ­
  und  der  Anfang  eines  neuen  Bogens,  sowie  ein
urthümlicher  Wasserspeier,  der  einzige  am  ganzen  Kreuzgang,
  dann  wird  die  Wand  des  Westflügels  um  etwas
schmäler  und  eine  ganz  andere,  40—50  Jahre  jüngere
Formenbehandlung  tritt  ein;  und  ähnlich  ist  es  im  Ostflügel.
  Im  Nordflügel  dagegen  mahnen  die  Wandxfeiler  mit  ihren  Säulchrn  in
den  Ecken  noch  ganz  an  die  Uebergangszeit,  aber  die  Formen  sind  viel  eintöniger
und  schwerer;  —  die  Gewölbe  und  die  am  Kreuzgarten  hinziehende  Umfassungsmauer ­
  stammen  dagegen  aus  gothischer  Zeit.
Die  Steinmetzzvichen  an  den  oben  beschriebenen  Gebäuden  sind  folgende:
An  der  Vorhalle  (Paradies):  J_A4"  t'  t  Dl  £  kc°Z  K
Am  Herrenrefektorium:
tV'Ot'T)  0  Dt»  Cü+*  V
An  der  Brunnenkapelle  unten:  ^  “□  T  /*  *1*
Am  Südflügel  des  Kreuzgangs:
Der  grohe  Keller.
Dreimal  treten,  wie  rin  Blick  auf  den  Grundriß  zeigt,  aus  dem  Klostercomplex
  gegen  Norden  mächtige,  langgestreckte  Gebäude  hinaus;  von  Westen  an  gerechnet, ­
  zuerst  das  Laienrrfektorium,  dann  das  Hcrrcnrefektorium  und  endlich  der

VlsitllUstollmig.
            
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