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Umstand kann gleichgültig und als blosse Künltlerlaune zu betrachten seyn.
Doch liesse lieh auch denken, der vornehme Römer, welcher den Mosaikboden
legen liess, habe einen Nebenbegrilt damit verbunden. Dafür gäbe der Rabe
und die Krähe einen Fingerzeig. Nach Ovid Met. II. 542 und Apollodor IH.
10. 3. wurde die Nymphe Koronis dem Apollo untreu, aber vom Naben, Apollos
weissagendem Nogel, verrathen und in eine Krähe verwandelt. Koronis hatte
dem Apollo den Aeskulap geboren, dieter wurde von den Blitzen des Jupiter
getödtct und Apollo rächte leinen Sohn durch Ermordung der blitzetchmiedenden
Kyklopen. Zur Strafe dakür verbannte ihn Jupiter aus dem Himmel und
er musste eine zeitlang im Dienste des König Admet die Schake hüten. Euripidcs
Alkette 8. Apollodors Bibl. III. 10. 4. Tibullus II. 3. Unter Bild zeigt nun
den Naben und die Krähe in Verbindung mit einem durch die phrvgitche
Mütze und den Hund als Hirten bezeichneten Sänger. Obgleich nun keine
Bilder der Alten bekannt tind, aut' denen Apollo in ähnlicher ttkise als Hirt
erschiene, to könnte doch in untern Orpheus eine apollinische Beziehung
hineingelegt worden tevn, tot'crn Orpheus als Apollos Sohn überhaupt nur
eine Emanation desselben ist und beide Begriffe in den orphitchcn Mysterien
zutammcntallen. Der verbannte Apollo bedeutet wie der in die Unterwelt
hinabsteigende Orpheus die linkende Jahrestonne, den Naturtod im Winter,
womit zugleich die Hoffnung der Wiedergeburt gegeben ilt. Vergl. Creuzer's
Symbolik, dritte Auslage IV. 35. Wahrscheinlich verdankten die vielen Orpheusbilder
der spätern Kaiterzeit ihre Entstehung dielen schon dem Christenthum
sich nähernden Mysterien der Untterblichkeitslehre; to wie auch bekanntlich
aut entschieden christlichen Bildwerken der ersten Jahrhunderte lieh die Darstellung
desselben Orpheus, als eines Sinnbilds Christi, öfter wiederholt. —
Andels kann der Gründer unserer Mosaikbilder auch vielleicht von dem profanen
Nebengedanken ausgegangen seyn, zu dem ihn, wenn er als vornehmer
Römer an den nordischen Grenzen leben musste, der Gegensatz des schönen
Italien mit den germanischen Wäldern und Barbaren veranlassen musste und
dann würde auch der trotzige Blick des Sängers und der Storch, als Sinnbild
und Verheilsung glücklicher Heimkehr, leine Erklärung linden. Eine Beziehung aul
Apollo würde übrigens auch in den Circuslpielen liegen, deren VorÜeher er war.
Der ganze Molaikboden aul Lalel 12 itt von Herrn Eberlein gezeichnet
und von Herrn Malte aul Stein übertragen; das Bruttbild aut Tatet 13 von
Herrn Seyer in Rottweil durchgezeichnet und von Herrn Malte in Farben
gedruckt.
14. Das heilige Grab in der Frauenkirche zu Reutlingen.
Ein Werk von lettener Schönheit in Sandltein gearbeitet aus dem Ende
des fünfzehnten Jahrhunderts. Leider hat in den städtischen Archiven nichts
über den Meitter ermittelt werden können. Die Iahrzahl 1499 findet lieh aul
dem Taulüein, der aus dem nämlichen leinen hellgrauen Stein und von deslclbcn
Meisters Hand verfertigt wahrlcheinlich ursprünglich einen symmetrischen
Gegensatz zu dem h. Grabe bildete. Denn ohne Zweifel fand das h. Grab
früher an der linken Seite des Chors an der Sakristei. Indem man es an
den Eingang im Seitenschiff links verletzte, wo es lieh jezt befindet, brach man
eine Hälfte feines prachtvollen Kranzes ab, um darüber hinweg eine Treppe
aul die Emporkirche zu führen, und auch andere Stücke am oberen Theile des
Werkes, belonders an den Thürmchen sind abgebrochen, doch noch grolsentheils
erhalten, lo dass Herr Eberlein darnach die schöne Zeichnung ergänzen konnte.
Die vier oberen Figuren (Daniel, Abakuk, Elias und Jakob) lind nur aufgesetzt,
ohne architektonischen Verband, und ihre ursprüngliche Reihenfolge iÜ
ungewiss. Von dem wunderschönen Kranze werden wir ein Detailblatt nachliefern.
Am mittleren Thürmchen tteht der aulerüandene Chriüus mit der
Siegesfahne über dem Chriüuskopf aul dem Schweilstuch (als Sieger über
Leiden und Tod). Der ganze untere Theil des Werkes iü gut erhalten. Hinter
dem heiligen Grabe selbst steht der Evangelist Johannes mit den drei Marien,
ausgezeichnet schöne Figuren von unbeschreiblicher Anmuth. Unten am Sarkophage
die Brustbilder der Apostel Bartholomäus, Andreas und Mathäus.
Vor demselben an jeder Seite ein aus dem Schlaf aufwachender Wächter. An
den Seitenpfeilern scheinen über den Conlolen kleine Figuren zu fehlen, wenn
nicht vielmehr angenommen werden muls, dass hier am Ottermorgen Lichter
angebracht wurden. — Möchte dieses herrliche Werk, eines der werthvolltten
im Vaterlande, reüaurirt werden unter einem Magistrate, der bereits durch den
verdienten Herrn Bauinspektor Rupp lo viel für Herttcllung der Kirche selbst
hat thun lassenI — Die hier vorliegende Eberlein'tche Zeichnung ilt von Herrn
Gnauth auf Stein übertragen worden. — Ein Sakramentshäuschen aus dem
Klolter Offenhaufen, jetzt aul Schlots LichtenÜein im Besitz Sr. Erlaucht des
Herrn Graten Wilhelm von Württemberg ilt feinem ganzen Style nach wahrscheinlich
vom Meitter dieses h. Grabes. Die Ornamente, die kleinen Figürchen
stimmen ganz überein.
15. Standbilder der Wirtenbergilchen Graten in der Stiftskirche zu Stuttgardt.
Die beiden stattlichen Gefallen find nach den Urbertchrilten 1) Gral
Ulrich der Stiller, zubcnannt mit dem Daumen, welcher nach dem Untergang
der Hohenttaut'en im dreizehnten Jahrhundert, als das Herzogthum Schwaben
auseinandersrel, einen neuen Vereinigungspunkt in feiner Dynastie begründete;
und 2) dessen Enkel Ulrich der Aeltere, der nicht zur Regierung kam, sondern
noch vor seinem Vater, Grat Eberhard dem Erlauchten, ltarb. Sie gehören
vor die bereits in den frühern Helten abgebildeten Graten und eröffnen die
Reihe. Zeichner und Lithograph die bisherigen.