28. Der Abtsstuhl in der Klosterkirche zu Maulbronn.
ie Kirche -es ehemaligen Citterzienterklosters
Maulbronn bewahrt, neben vielen Sehenswürdigkeiten,
den sogenannten Abtsttuhl,
rin prachtwerk mittelalterlicher Sculptur,
von dem unter diesjähriges Hekt eine von
Architekt C. Beisbarth gezeichnete und von
Maler H. Herdtle lithographirte Abbildung
bringt.
Vor dem beinahe in der Mitte des
Schitts der Kirche angebrachten Lettner
befindet tich der aus Eichenholz gefertigte
Abtsttuhl, welcher dem fünfzehnten Jahrhundert anzugehören tcheint.
Aut die Zeichnung verweisend, enthalten wir uns einer näheren Betchreibung
desselben, und führen nur noch die innerhalb der Baldachinen angebrachten
Intchritten an; tie find folgende: 1. tzuis isle est rex glorie? 2. Ego
sum, qui sum. 3. Vere Deus absconditus. An der reich verzierten Brüstung
des Abtsttuhls steht: Yinea Domini Sabaoth. Flores virtutum carpite o sacra
concio!
Das Kloster wurde im Jahr 1138 zu Eckenweiher von Vlalter von Lomersheim
gestiftet, bald aber an feine gegenwärtige Stelle versetzt. Die ursprüngliche,
im romanischen Styl erbaute Klosterkirche, welche jedoch im Laut der
Zeit mehrfache Veränderungen erlitt, ist im Jahr 1178 vollendet worden; der
an der Vlettfeite angebrachte, im Uebergangsttyl schön gehaltene Vorbau (Paradies)
wurde von 1215—1220 erbaut. Im Jahr 1424 itt die südliche Seite
des Langhauses in den fpätgermanitchen Styl geändert worden; in demselben
Jahr wurden auch die ursprünglich flachen Decken des Mittelschiffs und der
beiden Seitenschiffe gewölbt. Die Erneuerung des Chors tällt in das Jahr
1510 (f. auch Klunzinger, artistische Beschreibung der vormaligen Citterzienser-Abtei
Maulbronn).
29. Glasgemälde in der Stiftskirche zu Tübingen.
n der Stiftskirche zu Tübingen befinden sich vortrefflich ausgeführte
Glasgemälde, deren Verbleiung und mosaikartige Zusammenstellung
aus kleinen, meitt einfarbigen Theilen beweist, dass tie
einer sehr frühen und guten Periode angehören. Merkwürdiger
V)eite sind die einzelnen Theile der Gemälde in grosser Verwirrung
eingesetzt und die Bilder dermatsen zerritten, dass man Mühe hat, tich dieselben
aus den verschiedenen Fenstern zusammen zu denken. Vermuthlich waren
die Fenster bei dem Umbau der Kirche in Unordnung gerathen, oder von dem
Stifte zu Sindelkingen nach Tübingen verlegt worden, und bei dieser Veranlassung
in Verwirrung gekommen.
In neuester Zeit war Glasmaler und Zeichnungslehrer F. H. ptort von
Reutlingen bemüht, diese zerstreuten Kunstwerke theilweite in die ursprüngliche
Ordnung zu bringen und das Zusammengehörige, gleich einem Geduldspiel,
wieder an einander zu fügen, wodurch wir in den Stand gesetzt wurden, hier
einige Glasgemälde (gezeichnet von F. fj. ptort, und lithographirt wie in
Farbendruck ausgeführt von V). G. Baitch) wieder zu geben.
Die Gemälde stellen in der Richtung von der Linken zur Rechten folgende
Bilder dar: 1. Grat Eberhard im Bart; 2. der Ritter St. Georg; 3. Grat
Eberhard's Gemahlin Barbara geb. Markgräkin v. Mantua; 4. vermuthlich
ein ptalzgrat von Tübingen, der in Grat Eberhard's v. Vl. Diensten stand;
hietür spricht einerseits das in der Linken gehaltene Rlappen von Tübingen,
anderseits das aut der Fahne angebrachte Ivürttembergitche Vlappen.
Zu der unterer lieben Frauen und dem Ritter St. Georg geweihten, im
germanischen Styl erbauten Kirche zu Tübingen, welche nach einer an derselben
angebrachten Intchritt die dritte Kirche aut dieser Stelle itt, wurde im I. 1470
den 28. März der erste Stein am Chor gelegt. Der Bau schritt anfangs,
ohne Zweitel aus Mangel an Mitteln, langsam vorwärts; nachdem aber unter
Eberhard im Bart im Jahr 1475, als Vorbereitung für die künftige Universität,
ein Theil des St. Martinsttifts von Sindeltingen nach Tübingen verlegt und
die Kirche zur Stiftskirche erhoben worden war, sich die Baumittel durch die
Sindeltinger Stiftungen vermehrten, wurde unter der Leitung des Hans Auguttein
Dreuer, Steinmetzen von Rtietentteig, im Jahr 1478 den 29. April die südliche,
im Jahr 1483 die nördliche Seite des Langhauses vollendet, und in demselben
Jahr an St. Urbanstag der Grundstein an der Thurmseite gelegt (siehe Dr.
K. Klüpt'el, Geschichte und Beschreibung der Stadt und Universität Tübingen
S. 79 ff.). Die Kirche enthält die fürstliche Familiengruft, in der, mit Ausnahme
des im Eril gestorbenen Eberhard II., sämmtliche Herzoge von R>ürttemberg
von Eberhard im Bart bis aut Friedrich 1. beigesetzt wurden.