Volltext : Erste Abtheilung. Eiserne Brücken. Heft III (1,3)

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bogenen,  über  die  ganze  Bahnbreite  reichenden  Blechröhre
mit  elliptischem,  5,18  Mtr.  breitem  und  3,66  Mtr.  hohem
Querschnitt,  der  Untergurt  aus  zwei  übereinanderhängenden
—  aus  je  vierzehn,  17,5  Cmtr.  hohen,  2,5  Cmtr.  breiten,  nebeneinander ­
  hängenden  Kettengliedern  bestehenden  —  Ketten,
während  die  hohen,  im  Querschnitt  kreuzförmigen  Vertikalen
durch  Querverbindungen  und  gekreuzte,  im  Querschnitte
T-förmige  Diagonalbänder  gegeneinander  abgesteift  sind.
Unter  die  in  Nordamerika  ausgeführten  Balkenbrücken ­
  mit  polygonalen  Gurten  gehören  die  in  Guss-  und
Schmiedeisen  ausgebildeten,  durch  Fach  werk  versteiften
Bogenträger  von  Murphy  Whipple,  bei  welchen  die  obere
Gurtung  die  Form  eines  in  eine  Parabel  eingeschriebenen
Polygons  hat  und  zur  Beseitigung  des  Horizontalschubes
mit  den  Enden  der  unteren  Gurtung  verbunden  erscheint,
während  zwischen  beiden  Gurtungen  ein  System  von  vertikalen ­
  Druckpfosten  und  gekreuzten  Zugstangea  angebracht ­
  ist.  Dieses  System  ist  wegen  seiner  Leichtigkeit
hauptsächlich  bei  Strassenbrücken  vertreten,  unter  welchen
die  Brücken  über  den  Newyork-Erie-Kanal  bei  Buffalo ­
  mit  einer  Spannweite  von  21,94  Mtr.  (72'  engl.),  bei
Ko  ehest  er  mit  einer  Spannweite  von  15,59  Mtr.  (51'2"
engl.)  und  bei  Albany  mit  einer  Spannweite  von  24,38  Mtr.
(80'  engl.)  hervorzuheben  sind.  Die  beiden  erstgenannten
Brücken  besitzen  einen  gusseisernen,  im  Querschnitt  verkehrt ­
  U-förmigen,  nach  unten  hin  allmälig  verbreiterten
Obergurt  und  einen  doppelten,  aus  schlingenförmigen  Gliedern ­
  bestehenden  Untergurt,  welcher  mit  jenen  mittelst
bolzenförmiger  Vertikalen  —  an  welche  die  Diagonalen
einerseits  mit  Schlingen,  andrerseits  mit  Schrauben  angeschlossen ­
  sind  —  verbunden  ist.  Die  Fahrbahn  der  ersteren
ruht  auf  Querschwellen,  welche  von  den  Vertikalpfosten
durchsetzt  und  hierdurch  festgehalten  werden,  und  zwischen
sie  eingeschalteten,  von  schmiedeisernen  Bügeln  getragenen
Langschwellenstücken,  worauf  ein  Belag  von  Querbohlen
genagelt  ist.  Die  Fahrbahn  der  Rochesterbrücke  besteht
aus  durchgehenden,  auf  Querbohlen  genagelten  Langschwellen, ­
  welche  auf  oben  geraden,  unten  polygonalen  Querträgern ­
  ruhen.  Die  Brücke  bei  Albany  trägt  zwei  Fahrbahnen ­
  und  zwei  Fusswege  mittelst  dreier,  je  4,57  (13'  engl.)
von  einander  entfernten  Träger,  deren  obere  Gurten  aus
gusseisernen,  an  ihren  Enden  durch  Muffen  verbundenen,
Röhrenstücken  bestehen.  Durch  diese  gehen  die  schmiedeisernen, ­
  zur  Vermehrung  ihrer  Stabilität  unten  gabelförmig
gestalteten  Pfosten,  deren  untere  Enden  die  aus  Flacheisen
bestehenden  Querträger  umfassen.  An  diese  letzteren  ist
der  aus  zwei  Rundstäben,  welche  durch  Muttern  an  den
Enden  der  oberen  Gurten  festgehalten  werden,  bestehende
untere  Gurt  mittelst  oben  hakenförmiger,  unten  mit
Oesen  versehener  Bügel  angehängt.  Die  unten  die  Querträger ­
  durchsetzenden,  oben  die  Vertikalen  umfassenden
Diagonalen  kreuzen  sich  in  Ringen,  worin  sie  durch  Muttern ­
  angezogen  werden.  Zwischen  und  an  den  Querträgern
hängen  mittelst  Bügeln  Langschwellen,  worauf  der  Bohlenbelag ­
  ruht.  Ein  leichtes,  aus  Rundstäben  bestehendes
Horizontalgitter  ist  zwischen  die  Querträger  eiugespannt
und  in  die  darüber  befindlichen  Langschwellen  etwas  eingeschnitten. ­

Um  die  nach  einem  Kreissegment  oder  nach  einer
Parabel  gekrümmten,  nach  ihrer  Länge  ungleich  beanspruchten ­
  Gurten  der  vorgenannten  Brückenträger  durch
solche  zu  ersetzen,  welche  nach  ihrer  ganzen  Längenausdehnung ­
  gleiche  Normalquerschnitte  erhalten  können, ­
  nahm  v.  Pauli  i.  J.  1856  ein  Patent  auf  Brückenträger,
deren  Rahmen  so  gebrochen  sind,  dass  deren  Spannung
für  die  Maximalbelastung  nach  ihrer  ganzen
Länge  constant  bleibt.  Diese  Bedingung,  welche
nicht  allein  die  Gleichheit  der  einzelnen  Spannungen  der
oberen  und  unteren  Gurtung,  sondern  auch,  um  den  Horizontalschub ­
  zu  vernichten,  eine  Gleichheit  der  Spannungen ­
  beider  Gurten  erforderte,  wurde  durch  die  Anordnung ­
  symmetrisch  und  verhältnissmässig  etwas
stärker  —  als  diejenigen  der  parabolischen  Träger  —
gekrümmter  Gurten  erreicht,  welche  durch  steife  Vertikalständer ­
  und  durch  flachgekreuzte,  zwischen  dieselben

eingeschaltete,  an  den  Kreuzungspunkten  nicht  verbundene
Diagonalen  versteift  waren.  Die  Fahrbahn  steht  nur  mit
den  Vertikalpfosten,  nicht  aber  mit  den  Gurten  und  Diagonalen ­
  in  Verbindung  und  befindet  sich  theils  über,
zwischen  und  unter  den  Gurten,  zu  welchem  Zweck  die
Vertikalen,  wo  nöthig,  über  oder  unter  die  Gurten  hinaus
verlängert  sind.  Lothrecht  unter  dem  Durchschnitt  ihrer
Gurten  ruhen  die  Träger  auf  zwei  Unterlagen  aus  stumpfen,
etwas  abgerundeten  Stahlschneiden,  wovon  die  eine  fest
mit  dem  Pfeiler  verbunden,  die  andere  —  zur  Ausgleichung ­
  der  durch  Temperaturwechsel  bewirkten  Längenveränderungen ­
  —  auf  einem  Rollenstuhl  aus  hohen  und
schmalen  Cylindersegmenten  verschieblich  ist.  Träger  dieser
•Art  wurden  von  Gerber  in  der  Eisenbauanstalt  von
Klett  &  Cie.  in  Nürnberg  für  Brücken  mit  zum  Theil  bedeutender ­
  Spannweite  hergestellt.  Die  erste,  nach  diesem
System  in  der  Linie  München-Rosenheim-Salzburg  erbaute,
im  Jahre  1857  vollendete  Brücke  über  die  Isar  bei
Grossheselohe  besitzt  zwei  mittlere  und  zwei  äussere
Oeffnungen  von  je  52,54  Mtr.  bezw.  je  26,56  Mtr.  Spannweite ­
  und  ist  zur  Ueberführung  zweier  Geleise  bestimmt.
Die  Brückenbahn  ruht  in  allen  vier  Oeffnungen  auf  den
nach  oben  verlängerten  Druckpfosten  von  je  vier  Trägern,
deren  oberer  Gurt  oder  Druckbogen  im  Querschnitte  die
Form  eines  oben  und  unten  offenen  Kastens  hat  und  aus
vier  Winkeleisen  und  Flacheisen  besteht,  welche  vernietet
und  in  Abständen  von  je  1,5  Mtr.  durch  Bolzen  und  gusseiserne ­
  Röhren  unter  sich  verbunden  sind.  Der  untere
Gurt-  oder  Spannbogen  ist  aus  über-  und  nebeneinander
gelegten  Flacheisen  mit  verwechselten  Stössen  mittelst  konischer ­
  Bolzen  zusammengesetzt  und  sind  beide  Bogen  durch
einen  gusseisernen,  im  Querschnitt  umgekehrt  T-förmigen,
mit  seitlichen  Ansätzen  versehenen  Bogenschuh  verbunden,
gegen  welche  letztere  sich  der  Druckbogen  stemmt,  während ­
  der  Spannbogen  an  seine  untere  Fläche  geschraubt
ist.  Die  zur  lothrechten  Verbindung  der  Gurten  dienenden ­
  Pfosten  bestehen  aus  je  vier  Winkeleisen,  welche  in
Entfernungen  von  je  1  Mtr.  mittelst  sich  kreuzender  Bolzen ­
  und  U-förmiger  Zwischenlagplatten  unverschwächt
mit  einander  verbunden  sind.  Die  Verbindung  dieser
Pfosten  mit  dem  Druckbogen,  durch  welchen  sie  hindurchgehen, ­
  ist  durch  eine  Querplatte  und  je  vier  Winkeleisen,
diejenige  mit  dem  Spannbogen  durch  eine  auf  den  letzteren
genietete  Platte  bewirkt,  in  welche  eine  mit  dem  unteren
Ende  der  Vertikalpfosten  vernietete  Vertikalplatte  mittelst
flacher  Zinken  eingreift.  An  diese  letztere  und  eine  ähnliche, ­
  unter  dem  Druckbogen  und  zwischen  die  Winkeleisen ­
  der  Pfosten  genietete  Vertikalplatte  sind  die  diagonalen, ­
  mit  constanter  Dicke  und  wachsender  Breite  versehenen ­
  Zugbänder  mittelst  doppelter  Laschen  und  Bolzen
angeschlossen.  Die  Auflagerstühle  sind  theils  fest  als
Kipplager,  theils  beweglich  als  auf  Stelzen  ruhende
Kipplager  construirt.  Zur  Verhütung  von  Seitensclvwankungen
  ist  eine  Querverspannung  der  Druckbogen  durch
Winkeleisen  und  diagonale  Flacheisen,  sowie  eine  Vertikalverspannung ­
  der  Druckpfosten  aus  wagrechten  Rundeisen ­
  zwischen  den  Spannbogen  und  aus  diagonalen  Flacheisen ­
  angebracht.  Ausser  einer  Anzahl  kleinerer  Eisenbahn- ­
  und  Strassenbrücken,  welche  nach  v.  Pauli’s  System ­
  ausgeführt  wurden  und  worunter  die  Eisenbahnhrüeke
über  die  Rodach  in  der  Linie  Hochstadt-Stockheim
mit  33,3  Mtr.  sowie  die  Strassenbrücke  über  den  Main
in  Sch  wein  furt  mit  35,5  Meter  Spannweite  hervorzuheben ­
  sind,  wurde  in  den  Jahren  1860  bis  1862  die  in
der  hessischen  Ludwigseisenbahn  gelegene,  eingeleisige
Brücke  über  den  Rhein  bei  Mainz  mit  4  Hauptöffnungen
von  je  105,21  Mtr.  Stützweite  und  mit  28  kleineren  Oeffnungen ­
  von  35,5  bis  15  Mtr.  Spannweite  als  das  hervorragendste ­
  Beispiel  dieses  Systems  erbaut.  Die  Druckbogen ­
  der  4  grössten  Träger  sind  mit  [-förmigen,  die
Vertikalpfosteu  mit  doppelt  I-förmigem  Querschnitt,  die
Spaunbogen  und  Diagonalen  aus  Flacheisen  construirt,
wovon  die  ersteren  aus  zwei  nebeneinander  befindlichen
Lagen  von  Flacheisen  bestehen.  Die  im  Jahre  1873  für
das  zweite  Geleise  jener  Linie  auf  denselben  Pfeilern  er-
            
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