Eiserne Balkenbrücken 
mit polygonalen Gurten und gegliederten Wandungen 
I. Technische Entwickelung. 
1. Die älteren Constructionen. 
Bis zum Jahre 1835 waren bei schmiedeiseren Balken 
brücken ausschliesslich Parallelträger zur Anwendung ge 
kommen, erst die um diese Zeit von Laves zu Hoch- und 
Brückenbauten angewandten, nach der neutralen Axe auf 
gespaltenen, an den Enden verschraubten und zwischen den 
selben durch Sprengklötze auseinander gespreizten, hölzer 
nen Balken *) gaben zur Herstellung eiserner Balkenträger 
mit je zwei gekrümmten Gurtungen Veranlassung. Unter 
die ersten Nachbildungen der »Laves’schen Balken« in 
Schmiedeisen gehören die Träger der i. J. 1838 erbauten 
schmiedeisernen, 1,17 Mtr. breiten Fussgängerbrücke im 
gräflich-Münster’schenPark zu D erneb ur g**)mit8,18Mtr. 
Spannweite, bei welcher die beiden gebogenen Gurten durch 
einfache Verticalpfosten nebst einfachen gekreuzten Diagona 
len verbunden waren, und die Träger der in demselben Jahre 
erbauten Drehbrücke über die Einmündung des oberländischen 
Hafens im Werder in Bremen mit 23,4 Mtr. langen, über 
eine 12,12 Mtr. weite Oeffnung reichenden Brückenbalken, 
deren gekrümmte, unter sich durch vertikale schmied 
eiserne Ständer und Diagonalstäbe verbundene Rahmen 
aus theils schwedischem, theils englischem Walzeisen be 
standen. Bei der i. J. 1841 über den freiherrlich-Knigge’- 
schen Hausgraben zu Laveste erbauten, 2,92 Mtr. breiten 
Brücke mit 14,6 Metr. Spannweite war nur die untere 
Gurtung einfach, während die oberen Gurtungsstücke, die 
Vertikalen und Diagonalen zur Vermehrung ihres Wider 
standes gegen Biegung nach demselben Systeme gegliedert 
waren: eine Anordnung, welche auch eine im königlichen 
Garten zu Monbrillant erbaute, schmiedeiserne Fahr 
brücke erhielt. Unter die bedeutenderen, nach diesem Systeme 
construirten Brücken, gehört die i. J. 1850 ganz aus 
Schmiedeisen hergestellte Fahrbrücke über die Ocker 
bei Meinersen mit zwei Oeffnungen von je 17,82 Mtr. 
lichter Weite, deren 4,82 Mtr. breite, fast ebene Fahrbahn 
mittelst Stützklötzen von entsprechender, nach den Auf 
lagern hin zunehmender Höhe auf fünf — aus gebogenen 
Rahmen, Vertikalpfosten und Kreuzverbindungen gebildeten 
und durch gegliederte, zwischen jene Pfosten eingeschaltete 
Querträger verbundenen — Tragrippen ruht, aus einem 
doppelten Bohlenbeläge besteht und durch zwei schmied 
eiserne Geländer begrenzt ist. Nachdem i. J. 1834 
Laves ein Modell seiner, nach der Form eines Kör 
pers von gleichem Biegungswiderstand gebildeter Brücken 
träger mit einem nach der Kettenlinie gebogenen Spann 
gurt dem Ingenieur Brunei vorgelegt hatte, gaben 
wahrscheinlich dieses und die mittlerweile von ihm aus 
geführten Brücken den englischen Brückeningenieuren Ver 
anlassung zur Ausführung auch bogenförmiger Brü 
ckenträger aus Schmiedeisen, der sogenannten bow-string- 
girder-bridges, worunter die von den Ingenieuren Fox 
*) Vgl. Laves, L. Memoire explicatif d’unnouveau Systeme 
en construction. Havre 1839; Rom berg, Ztschr. f. prakt. Bauk. 
1841 u. 1844 u. Ztschr. d. Hann. Arch. n. Ing.-Ver. 1850. 
**) Die Abbildungen und Literatur dieser und der meisten, 
nachstehend erwähnten Brücken s. Heinzerling, Die Brücken 
in Eisen. Lpzg. 1870. 
und Henderson unter der Leitung von Josef Lok e erbaute 
zweigeleisige, in der Verbindungsbahn der Blackwall 
und East er n-Counties-B ahn mit 36,57 Mtr. Spannweite, 
sowie die von Brunei i. J. 1849 erbaute, schiefe Victoria 
brücke über die Themsezur Verbindung einer Zweigbahn 
mit der Great-Westernbahn bei Windsor von 60,96 Mtr. 
Spannweite und 7,6 Mtr. Pfeilhöhe hervorzuheben sind. 
Erstere besitzt zwei Tragwände mit je einem gebogenen, 
mit kastenförmigem Querschnitt versehenen Obergurt und 
einem, aus abwechselnd 9 und 10 aufrechten, je 2,44 Mtr. 
langen, unter sich vernieteten Kettengliedern von 20 Cmtr. 
Höhe und 1,87 Cmtr. Stärke hergestellten, wagrechten Ober 
gurt, der durch doppelt T-förmige, je 2,44 Mtr. von einander 
entfernte Vertikalständer und zwischen dieselben einge 
schaltete flache Diagonalstäbe mit dem oberen Gurt ver 
bunden ist. Die Victoriabrücke enthält für 2 Geleise 
von je 2,13 Mtr. Spurweite drei Tragwände, deren Enden 
auf je zwei gusseisernen Säulen von 1,83 Mtr. Durch 
messer ruhen und bildet ein versteiftes, ganz aus Schmied 
eisen construirtes Bogenhängwerk. Der nach einer Parabel 
gebogene, im Querschnitt dreieckige Obergurt ist 1,07 Mtr. 
breit und 0,96 Mtr. hoch, während der I-förmige Unter 
gurt bei einer Höhe von 1,8 Mtr. eine 0,75 Mtr. breite, 
abwärts gebogene Kopf- und eine abwärts gebrochene Fuss-' 
platte besitzt. Zu beiden Seiten des Ober- und Un 
tergurts sind Laschen angenietet, woran die versteiften, im 
Querschnitt H-förmigen Vertikalständer sowie die flachen 
regulirbaren Diagonalbänder befestigt sind. Die Fahrbahn 
besteht aus einem auf schmiedeisernen, im Querschnitt 
I-förmigen Querträgern ruhenden Bohlenbelag, welche beide 
sich kreuzen, während zur Versteifung des oberen Theiles der 
Bogen, soweit es der Fahrraum gestattet, schräge Quer 
verbindungen mit dazwischen eingeschalteten, schrägen 
Kreuzen angebracht sind. Eine Nachbildung dieses Systemes 
inFrankreich zeigt die i. J. 1858 erbaute, zweigeleisige Brücke 
der Paris-Cherbourger Bahn über die Orne bei Caen mit 
e i n e r Oeffnuug von 44 Mtr. lichter Weite, deren 46,5 Mtr. 
lange, mitten 4 Mtr. hohe Bogenträger T-förmige Gurten 
besitzen, welche an den Enden durch Blechtafeln, in der 
Mitte durch Vertikale und gekreuzte Diagonale verbunden 
sind. Statt des, mit einem parabolisch gekrümmten Ober 
gurt verbundenen, geraden Untergurts wandte Brunei bei 
den zwei, je 138,68 Mtr. weiten Hauptöffnungen 'der in 
den Jahren 1856—58 erbauten, eingeleisigen Brücke über 
den Tamar bei Saltash in der Gornish-Eisenbahn un 
weit Plymouth zwei, nach einer Parabel gebogene Unter 
gurten an, welche mit dem eintheiligen Obergurt durch je 
12,2 Mtr. entfernte Vertikale und gekreuzte Diagonale ver 
bundensind. Ihre32Mtr. über Hochwasser gelegene Brücken 
bahn besteht aus zwei wagerechten, 2,44 Mtr. hohen, im 
Querschnitt I-förmigen Blechwänden mit abwärts geboge 
nem Obergurt und abwärts gebrochenem Untergurt — welche 
durch Querträger verbunden sind und den auf starken Bohlen 
ruhenden Oberbau der Eisenbahn einschliessen — und ist an 
die zu diesem Zweck verlängerten Vertikalen der Haupt 
träger, sowie mittelst besonderer, in der Mitte zwischen 
jenen Vertikalen angebrachten Hängeisen an die untere 
Gurtung angehängt. Der Obergurt besteht aus einer ge- 
l
        

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