Full text: Erste Abtheilung. Eiserne Brücken. Heft IV (1,4)

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aus gusseisernen, in (len Lagerflächen sorgfältig abgedrehten 
Gelenkbolzen von 15,7 cm Durchmesser nebst 5,5 cm Wand 
stärke bei den grösseren und von 11,75 cm Durchmesser 
nebst 4,9 cm Wandstärke bei den kleineren Oeffnungen ge 
bildet und mit gleichfalls gusseisernen, ausgeschliffenen 
Lagern versehen. Diese, aus je 2 Hälften bestehenden 
Lager sind mit den Anfängen und Scheitelenden der Bogen 
mittelst besonderer angegossener Lappen verbolzt, während 
die mit halben Lagern versehenen Stützplatten mit den 
Widerlagern verankert sind. Zur Unterstützung der ge 
pflasterten Fahrbahn, der sandsteinernen Wasserrinnen und 
der aus Granitplatten bestehenden Trottoirs dienen guss 
eiserne, auf den oberen Gurten der Bogenträger ruhende, 
mit Wasserabzugsöffnungen versehene Platten, während 
die früher benutzten Fahrschienen und Längsbohlen nebst 
den sie unterstützenden Querschwellen auf den oberen 
Gurten der zugehörigen Bogenträger ruhten. 
In Frankreich erfolgte die Anwendung zweier Char- 
niere an den Anfängen und eines dritten Charnieres im 
Scheitel der Bogen erst bei der i. J. 1867 vollendeten 
Militärstrassenbrücke über den Canal St. Denis bei Vil- 
lette, sowie bei einer in demselben Jahre aufgestellten 
Wegbrücke in der öffentlichen Anlage Butte Chau- 
mont bei Paris. Die erstere hat 42 m Spannweite und 
ist schräg angelegt. Ihre Fahrbahn besteht aus einer 
20 cm starken Beschotterung mit einem 2 cm starken As 
phaltüberzug und wird von Bogen getragen, deren Höhe 
im Scheitel nur je 82 cm beträgt. Die Aufstellung dieser 
Brücke wurde ohne Lehrgerüste und ohne Störung der 
Kanalschifffahrt derart bewirkt, dass man nach Verlegung 
der gusseisernen, mit den Drehzapfen versehenen Wider- 
lagplatten die zusammengehörigen Bogenhälften mit Hebe 
zeugen aufzog, zuerst mit ihren Zapfenlagern auf jene 
Zapfen niederliess, hierauf mit ihren Scheiteln gegenein 
ander neigte, mittelst Einschaltung des Scheitelbolzens zum 
Schluss brachte und endlich mittelst der an den Bogen 
anfängen untergelegten Keile regulirte. 
Neben den Charnierbogenbrücken erfuhren indess auch 
die elastischen Bogenbrücken weitere Anwendung und 
Vervollkommnung. Hierher gehören die i. J. 1859 von 
Hart wich erbauten schiefen Ueberbrückungen der Trank 
gasse und des Lupusplatzes in Cöln, die im Jahre 1863 
von Schmick ausgeführte Brücke über die Lahn in 
Ems, sowie die von Gerwig erbauten Brücken über den 
Rhein bei Constanz und über eine Schlucht bei Walds 
hut. Jede der beiden erstgenannten Brücken besitzt vier, 
je 1,73 m von einander entfernte Bogen mit I-förmigem 
Querschnitt der unteren kreisförmigen und oberen, in deren 
Scheitel auslaufenden geraden Gurtung, welche durch Ver 
tikale und Diagonale mit einander verbunden sind und 
deren Anfänge sich auf gusseiserne, mit 0,7 cm dicken 
Bleiplatten unterlegte, mit dem Mauerwerk verankerte 
Platten stützen. Die sodann erwähnte, 9 m breite Lahn 
brücke wird von 7 je 1,5 m von einander entfernten 
Bogenträgern unterstützt, welche aus einer polygonalen 
unteren und einer wagerechten oberen Gurtung — beide mit 
I-förmigem Querschnitt — bestehen, die in den Bogen 
zwickeln durch im Querschnitt kreuzförmige Vertikale und 
Diagonale verbunden sind. Zur Vermeidung schädlicher Ma 
terialspannungen bei Temperatur- und Belastungswechsel 
wurde die Höhe des Bogens im Scheitel auf 30 cm ermäs- 
sigt. Die Unterlage der Fahrbahn wurde durch Brück 
schienen gebildet, welche auf die Obergurten der Querträger 
gelegt, mit Backsteinen ausgemauert und dann mit einer 
Betonschicht belegt wurden, in welche vor deren Abbinden 
eine Lage von Schottersteinen eingewalzt wurde. Die Troit- 
toirs sind etwas über die Fahrbahn erhöht und mit sauber 
geschliffenen Sandsteinplatten abgedeckt. Die vier Blech 
bogenträger der Rheinbrücke bei Constanz hängen über 
alle drei Oeffnungen zusammen und überführen zwei Bahn 
geleise von je 3,9 m Breite, eine 5,85 m breite Strassen- 
fahrbahn und zwei vorgekragte Trottoirs von je 2,1 m 
Breite. Die Blechbogen sind fast ganz geschlossen und 
besitzen nur in den Bogenzwickeln kleine dreieckige, durch 
gitterartige Füllungen verzierte Durchbrechungen. Die 
oberen Gurten derselben werden von hölzernen Querschwel 
len durchsetzt, welche sowohl die Langschwellen der Geleise 
als auch die Streckbäume der Fahrbahn nebst deren Boh 
lenbelag aufnehmen. Die zwei Blechbogenträger der zuletzt 
erwähnten Schluchtbrücke bestehen aus einer geraden 
oberen und einer gekrümmten unteren Gurtung, welche 
sich im Scheitel berühren und in den Bogenzwickeln mit 
telst im Querschnitt U-förmiger, im Kreuzungspunkt mit 
telst scheibenförmiger Futterbleche vernieteter Stäbe ver 
bunden sind. Ueber den Bogen, welche durch Querbänder 
und Diagonalkreuze seitlich versteift sind, liegen Quer 
schwellen, welche die Fahrgeleise aufnehmen. 
Abweichend hiervon erhielt die in den Jahren 1862 
—64 in der Linie Coblenz - Lahnstein unter Hartwichs 
Oberleitung erbaute kühne Rheinbrücke bei Coblenz mit 
drei gleichen Oeffnungen von 96,65 m Spannweite, in jeder 
derselben drei — aus je einem durch Fachwerk verbundenen 
concentrischen Doppelbogen bestehende — Tragrippen, deren 
Anfänge sich auf Kämpfercharniere stützen, während man 
von den Scheitelgelenken als einer angeblich zu künstlichen, 
durch die infolge des Temperaturwechsels voraussichtlich ein 
tretenden Materialspannungen nicht gebotenen Construction 
absah. Die gleichzeitig zu Eisenbahn- und Strassenverkehr 
dienende Brückenbahn ruht auf einem Obergurt, welcher den 
Bogenträger annähernd tangential zu seinem unteren Bogen 
durchschneidet und nur durch Vertikale mit dem Unter 
gurt verbunden ist. Der letztere besteht aus zwei 3,14 m 
von einander entfernten, aus Platten und Winkeleisen zu 
sammengesetzten Gurten mit U-förmigem Querschnitt, 
welche durch ein System gekreuzter, im Querschnitt 
I-förmiger Gitterstäbe und senkrechter, durch Winkeleisen 
zu einem I-förmigen Querschnitt verstärkter Platten verbun 
den sind. An den beiden Enden sind die Gurten des Bogens 
nach dessen Stützpunkt hin zusammengezogen, wo sich 
zugleich die zur Drehung dienende Pfanne befindet, wäh 
rend der in dieselbe passende Halbzapfen in einen starken, 
mit den Widerlager verankerten, durchbrochenen, gusseiser 
nen Schuh eingelassen ist. Verkröpfte, gusseiserne Platten am 
Bogenende und Widerlager, zwischen welche doppelte Keile 
eingeschaltet sind, beugen einem Herabgleiten der Bogenenden 
vor, ohne deren Zapfendrehung zu verhindern. Nach der 
aufgestellten Berechnung sollte sich beim Zusammentreffen 
der grössten Temperaturdifferenzen mit der grössten Be 
lastung der mittlere normale Bogenstand im Scheitel um 
8 cm ändern und für diesen selten oder nie eintretenden 
Fall die Druckspannung des qcm der Bogeugurtungen 976 kg 
betragen. In der That hat sich die Construction dieser 
Brücke so gut bewährt, dass die i. J. 1873 an Stelle eines 
früheren Trajects der Rheinischen Bahn erbaute Brücke über 
den Rhein bei Rheinhausen fast ganz dieselbe Anord 
nung und Construction erhielt. Unter die nur mit Kämpf er- 
Charnieren versehenen Brücken gehören die i. J. 1865 in 
der Linie Osterrath-Essen von Hart wich erbaute, zwei 
geleisige Brücke über die Ruhr bei Mülheim mit drei 
durch eiserne Bogen überbrückten Stromöffnungen von je 
37,08 m Spannweite und die in der Linie Wien-Triest von 
Etzel erbaute, dreigeleisige Brücke über die Drau bei 
Marburg mit 3 Oeffnungen von je 42,47 m Spannweite. 
Die Ruhrbrücke hat in jeder Stromöffnung vier, je 1,78 m 
von einander entfernte, unter sich verbundene, parabolische 
Bogenträger, wovon jeder, aus einer unteren bogenförmigen 
und einer oberen geraden Gurtung, beide mit I-förmigem 
Querschnitt, ferner aus im Querschnitt + förmigen Ver 
tikalen und Diagonalen besteht. Zwischen die Gurten ein 
geschaltete Windversteifungen und zwischen die Vertikalen 
eingeschaltete Querverbände verhindern eine Seitenverschie 
bung. Die aus Gusseisen bestehenden, mit einem Spalt 
versehenen, nach unten allmählig verdickten Bogenschuhe 
sind mit den schmiedeisernen, in jenen Spalt eingelassenen 
Bogenanfängen verschraubt und enthalten die Pfanne für 
den Halbbolzen, welcher in einem gusseisernen, mit einer 
Bleiplatte unterlegten und mit dem Mauerwerk veranker 
ten Bock ruht und durch zwei Keile regulirt werden kann, 
während die Enden des oberen Gurts auf gusseisernen, mit 
dem Mauerwerk verankerten Schiebeplatten ruhen.
	        

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