Full text: Erste Abtheilung. Eiserne Brücken. Heft IV (1,4)

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men sich gegen starke gusseiserne, in die Widerlager ein 
gelassene Stützplatten, auf welchen sie mittelst eingelegter 
doppelter Keilpaare regulirt wurden, während die Enden 
der Obergurten auf gusseisernen Lagerplatten ruhen. Die 
Brückenbahn liegt auf quer über die Obergurte gestreckten 
Zoreseisen, welche bei der Fahrbahn mit einer Betonlage, 
bei den Fussbahnen mit einer Betonschichte auf einer Unter 
lage von Sand bedeckt sind, die bei jener ein Klotz 
pflaster, bei dieser eine Asphaltlage aufnimmt. 
Die zweigeleisige Moselbrücke bei Güls mit zwei 
Hauptträgern und zwei ausgekragten Banketten besitzt 
drei mit eisernen Bogen überbrückte Oeffnungen von je 64 
m lichter und 65,6 m Stützweite bei 7 m Pfeilhöhe, an 
welche sicli zwei je 17,26 m weite überwölbte Oeffnungen 
anschliessen. Die Hauptträger bestehen aus einem para 
bolischen, durchweg 0,726 m hohen Unter- und einem wage 
rechten Obergurt, welche beide durch gekreuzte Stäbe 
verbunden sind. Die Bogenfüsse endigen in eine ebene 
Platte, welche auf einer gusseisernen, mit dem Mauer 
werk verankerten, in der Mitte ausgehöhlten Stützplatte 
ruht. 
Nach dem Vorstehenden hat in der Gegenwart, mit 
Ausnahme einer einzigen neueren Brücke, das zähere 
Walzeisen das sprödere Gusseisen als Constructionsma- 
terial der Bogenträger verdrängt und dieses auch nur 
bei einer auf Biegung wenig beanspruchten Charnierbogen- 
brücke Anwendung gefunden. Der Stahl, welcher zur 
Herstellung der Tragrippen bis jetzt nur vereinzelt benutzt 
worden ist, dürfte bei dem fast gleichen Preise und der 
mindestens doppelten Druckfestigkeit gegenüber dem Walz 
eisen eine allgemeinere Anwendung finden, wenn es ge 
lingt, denselben homogener und zuverlässiger herzustellen, 
als dies zur Zeit möglich ist. 
Was das Constructionssystem betrifft, so haben 
die Bogenbrücken der neueren Zeit theils keine, theils 
zwei, theils drei Charniere erhalten. Die ersteren beiden 
Systeme, welche als elastische Bogenträger erscheinen, 
haben, ausser den durch die Belastung erzeugten, noch die 
durch Temperaturwechsel veranlassten Spannungen aufzuneh 
men und werden theils mit gebogenem und geradem Gurt 
mit eingeschaltetem Fachwerk, theils mit einem gebogenen, 
in zwei Gurte zerlegten Untergurt mit eingeschaltetem 
Fachwerk construirt: je nachdem alleTheile des Trägers 
oder nur der gegliederte Untergurt desselben sämmtliche 
Druck- und Biegungsspannungen aufnehmen soll. Die mit 
3 Charnieren versehenen unelastischen Bogenträger da 
gegen werden durchweg mit geschlossener oder gegliederter, 
also versteifter Tragwand construirt. Die letzteren dürften 
als die theoretisch, die beiden ersteren als die praktisch 
rationellsten anzusehen sein und muss es einer reiferen 
praktischen Erfahrung, fortgesetzten wissenschaftlichen Be 
handlung und sorgfältigen Beobachtung ausgeführter Brü 
cken überlassen bleiben, das eine oder andere dieser Systeme 
für concrete Fälle als das relativ beste zu bezeichnen. Als 
eine Verbesserung des Bogenträgers mit 3 Charnieren ist 
die auf Tafel 4 dargestellte Durchführung des zwischen 
denObergurt eingeschalteten continuirlichen Windver 
bandes anzusehen. 
Nach diesen Ergebnissen sind in den nachfolgenden 
Abschnitten als die zur Zeit praktisch wichtigsten nur die 
schmiedeisernen Bogenbrücken, unter diesen aber alle 
die genannten Systeme zu berücksichtigen. 
II. 
Statische 
Berechnung. 
I. Die schmiedeisernen Bogenträger im Allgemeinen. 
der linken Stütze, 
der rechten Stütze, 
Betrachtet man den Träger einer schmiedeisernen 
Bogenbrücke von der Stützweite l und bezeichnet mit 
A den lothrechten Gegendruck 
H den Horizontaldruck 
B den lothrechten Gegendruck 
Hi den Horizontaldruck 
so ergeben sieh aus den drei allgemeinen Bedingungen 
des Gleichgewichtes der äusseren Kräfte gegen lothrecht 
und wagerecht fortschreitende, sowie gegen drehende Be 
wegung von den vier unbekannten äusseren Kräften A, 
B, H und H die drei, Kräfte B, II und A, während die 
vierte Kraft Hi unbestimmt bleibt*). 
Führt man in einem beliebigen Abstande vom linken 
Stützpunkt einen lothrechten Schnitt, ersetzt die in den 
durchschnittenen Gurten stattfindenden Widerstände durch 
äussere Kräfte und bezeichnet mit 
V x die Vertikalkraft in jenem Schnitte, 
H 0 die Horizontalkraft der oberen Gurtung, 
H u die Horizontalkraft der unteren Gurtung, 
so ergeben sich aus den drei allgemeinen Bedingungen des 
Gleichgewichtes der äusseren und inneren Kräfte die drei 
inneren Kräfte 
Fx, H, und Ho, 
während der Horizontalwiderstand H auch hier unbestimmt 
bleibt. 
Setzt man, um ihn zu bestimmen, H o =0, was einer 
Unterbrechung des oberen Gurts, also einer Berührung 
nur der unteren Gurthälften in ihren Scheiteln entspricht 
und versieht dieselben dort und an ihren beiden Füssen 
mit Gelenken, so entstehen die Charnierbogenträger. 
Findet eine Unterbrechung des oberen Gurtes nicht statt, so 
*) Die Ableitung dieses und des nachfolgenden Resultates 
s. Heinzerling, Grundzüge d. constr. Anordnung u. stat Ber. 
d. Brücken- u. Hochbau-Constructionen. Lpzg. 1874. II. Sp. 35 ff. 
bildet der Bogenträger einen gekrümmten elastischen Balken 
mit entweder drehbar beweglichen , oder festverankerten 
Enden, also einen elastischen Bogenträger und man 
bestimmt alsdann den Horizontal widerstand 11 mit Hülfe 
der Elasticitätstheorie. In beiden Fällen hängt die sta 
tische Berechnung der Bogenträger von den Kräften ab, 
welche ihn auf Drehung und auf Verschiebung nach zwei 
zu einander senkrechten Richtungen beanspruchen. 
Bezeichnet a M das Angriffsmoment und w iU das 
Widerstandsmoment eines Bogenträgers, so erfordert dessen 
Construction, dass das grösste Angriffsmoment dem klein 
sten Widerstandsmomente höchstens gleich oder 
1) a üfmax< w Jfmin, 
dass die grösste Axialkraft dem kleinsten Axialwider 
stand eines Querschnittes höchstens gleich oder dass 
2) a l , max< w jfmin 
und dass die grösste Scheerkraft dem kleinsten Scheer- 
widerstand jenes Querschnittes höchstens gleich oder dass 
3) a Nraax< w Nmin 
sei. Hierbei bestehen a M, a T und :i S aus den Antheilen, 
welche die Verkehrslast, das Trägergewicht und das 
Gewicht der Brückenbahn, beiden elastischen Bogenträ 
gern ausserdem die Temperatur liefern. Die Verkehrs- 
b e 1 as t u ng besteht bei Eisenbahnbrücken und Strassenbrücken 
aus ungleichen, ungleich vertheilten Einzellasten, deren 
ungünstigste — in dem zu berechnenden Trägertheile 
die relativ grösste Anspruchnahme hervorrufende — Last 
stellung zu ermitteln ist. Sie kann nur annäherungs 
weise als eine gleichförmig, entweder stetig oder auf 
Knotenpunkte vertheilte, das Eigengewicht der Trä 
ger meist als eine gleichförmig vertheilte, das Eigenge 
wicht der Brückenbahn als eine entweder stetig oder 
auf Knotenpunkte vertheilte Belastung in die Rechnung 
eingeführt werden.
	        

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