Volltext : Erste Abtheilung. Eiserne Brücken. Heft IV (1,4)

Vorwort.

Das  vorliegende,  siebente  Heft  der  Brücken  der  Gegenwart  enthält  eine  Monographie  der
eisernen  Bogenbrücken  mit  drei  Gelenken,  mit  zwei  Gelenken  und  ohne  Gelenke,
welcher  die  analytische  und,  soweit  als  möglich,  die  gr  a  ph  i  s  c  h  e  Berechnungsmethode  sowie  die
Darstellungen  einer  möglichst  grossen  Zahl  verschiedenartig  construirter,  meist  ausgeführter  Bogenbrücken ­
  zu  Grunde  gelegt  ist.
Die  auch  diesem  Hefte  vorausgeschickte  „Technische  Entwickelung“  erleichtert,  indem  sie
eine  kurze  Uebersicht  über  die  wichtigsten,  bislang  zur  Ausführung  gekommenen  Systeme  der  eisernen
Bogenbrücken  vorausschickt,  und  hierbei  die  Nachtheile  der  älteren  verlassenen  und  die  Vortheile ­
  der  zur  Zeit  üblichen  oder  projectirten  Systeme  hervorhebt,  die  Auswahl  der  einschlägigen
zweck  massigsten  Constructionen.
Die  statische  Berechnung  wurde,  mit  Berücksichtigung  der  ungünstigsten  Stellung  beliebiger ­
  und  beliebig  vertheilter  Lasten,  für  Gel  enk-B  ogenträger  und  elastische  Bogenträger
durchgeführt  und  hierbei,  soweit  als  möglich,  die  in  unsere  Constructionsübungen  für  Brückenbau
eingeführte,  für  die  Sicherheit  im  Ermitteln  der  Dimensionen  der  Brücken  höchst  empfehlenswerthe
gleichzeitige  Anwendung  zweier  Berechnungsmethoden  und  die  hierdurch  zu  erreichende  Controle
  ihrer  Ergebnisse  gezeigt.  Bei  der  analytischen  Behandlung  ist  durch  die  Anwendung  der
redueirten  Angriffs  momente  eine  ebenso  allgemeine,  als  einfache  Theorie  sowohl  zur  Ermittelung ­
  der  ungünstigsten  Laststellung,  als  auch  zur  Berechnung  der  Spannungen  des  Bogenträgers ­
  mit  drei  Gelenken  aufgestellt  und  deren  Anwendung  auf  ein  statisch-numerisch  behandeltes ­
  Beispiel  gezeigt  worden.  Die  statische  Berechnung  auch  der  elastischen  B  ogenträger
mit  zwei  Gelenken  erscheint  unter  möglichst  einfacher  Form  der  analytischen  Behandlung,
während  die  Ermittelung  ihrer  ungünstigsten  Laststellung  auch  auf  graphischem  Wege  gezeigt  ist.
Eine  annähernd  genaue  statische  Berechnung  der  Bogenträger  ohne  Gelenke,  welche  übrigens
eine  für  die  Praxis  hinreichende  Genauigkeit  zulässt,  wurde  in  die  Bearbeitung  des  auf  Tafel  6  dargestellten, ­
  speciellen  Beispieles  aufgenommen.
Der  dritte,  constructive  Theil  behandelt,  unter  stetem  Hinweis  auf  die  in  den  beigegebenen
Tafeln  dargestellten  Brückenbauten,  die  drei  genannten  Systeme  der  Bogenträger  in  ihrer  Anwendung ­
  auf  Eisenbahn-  und  Strassenbrücken  sowohl  nach  ihrer  Anordnung  im  Allgemeinen
als  auch  nach  der  speciellen  Anordnung  ihrer  Theile,  während  diesem  Abschnitte  das  für
den  Constructeur  Wissenswertheste  über  das  Constructionsmaterial,  die  Verbindungsmittel
sowie  über  die  festen  und  beweglichen  Verbindungen  der  schmiedeisernen  Bogenbrücken  selbst
beigefügt  ist.  Hierbei  ist  —  der  bisherigen  Annahme  der  Ingenieure,  dass  ein  Windverband  nur
beim  elastischen  Bogenträger  durchzuführen  sei,  entgegen  —  die  Möglichkeit  der  Durchführung
des  Windverbandes  auch  bei  eisernen  Bogenbrücken  mit  drei  Gelenken  nachgewiesen ­
  und,  da  dieselbe  zur  Zeit  noch  nicht  ausgeführt  ist,  die  constructive  Anordnung  des  Windverbandes ­
  an  den  Kämpfern,  an  den  Auflagern  und  besonders  im  Scheitel  an  einem  bis  ins  Einzelne
durchgearbeiteten  Briickenproject  gezeigt  worden.
In  dem  vierten,  die  Beschreibung  und  sta  tisc:  h  -  n  umer  is  ch  e  Berechnung  einzelner
Bauwerke  enthaltenden  Theile  wurde  mit  Hülfe  einer  die  wichtigsten  Bogenbrücken  verschiedener
Länder  enthaltenden  Tafel  eine  Uebersicht  über  die  neueren  und  neuesten  Constructiotissysteme  gussund
  schmiedeiserner  Bogenbrücken  gegeben  und  die  Beschreibung  von  drei  kleineren  und  einer
grösseren  Gelenk-Bogenbrücke,  von  einer  elastischen  Bogenbrücke  mit  zwei  Gelenken  und  von  einer
Bogenbrücke  ohne  Gelenke,  wovon  die  letzteren  drei  mit  ausführlichen  statisch-numerischen  Berechnungen ­
  begleitet,  hinzugefügt.  Bei  der  grösseren  Gelenk-Bogenbrücke  ist  die  in  einer  analytischen
und  in  einer  graphischen  Berechnung  bestehende  Controlberechnung  von  Herrn  Assistenten
J.  Palme  mit  dankenswerther  Genauigkeit  durchgeführt  und  deren  Ergebnisse  in  einem,  in  der
ihr  beigegebenen  Texttafel  enthaltenen,  Diagramm  zum  Zweck  des  Vergleichs  zusammengestellt
worden,  während  auch  der  Bogenbrücke  mit  zwei  Gelenken  eine  Texttafel  beigegeben  ist,  welche
die  Ermittelung  ihrer  ungünstigsten  Belastungen  auf  graphischem  Wege  darstellt.
In  dem  folgenden,  fünften  Abschnitte  wurde  die  einschlägige  neuere  und  neueste  Literatur
nach  ihrer  Zeitfolge  zusammengestellt.
Um  den  diesem  Hefte  zugemessenen  Umfang  nicht  zu  überschreiten,  musste  auf  die  beabsichtigte
Mittheilung  der  Gewichtsberechnung  einer  Bogenbrücke,  wie  sie  in  den  früheren  Heften  gegeben
wurde,  sowie  auf  einen  besonderen  Abschnitt  über  Kostenberechnung,  Ausführung,  Prüfung  und
Unterhaltung  verzichtet  werden.
Schliesslich  gereicht  es  uns  zur  angenehmen  Pflicht,  allen  Fachgenossen,  welche  uns  im  Hinblick
auf  den  gemeinnützigen  Zweck  dieses  Werkes  durch  Mittheilung  von  Constructionsblättern  und  zugehörigen ­
  Berechnungen  unterstützt  haben,  hiermit  unseren  verbindlichsten  Dank  auszusprechen.
Besonderer  Dank  gebührt  ferner  der  Verlagsbuchhandlung,  welche  im  \  ereine  mit  der  in  technischen
Kreisen  vortheilhaft  bekannten  lithographischen  Anstalt  von  F.  Wirtz  in  Darmstadt,  der  xylographischen
  Anstalt  von  Zierow  und  Meusch  in  Leipzig  und  der  Universitäts-Buchdruckerei  von  Carl  Georgi
in  Bonn  bemüht  war,  auch  diesem  Heft  eine  ebenso  solide,  als  geschmackvolle  Ausstattung  zu  geben.
Möchte  das  vorliegende  7.  Heft  der  Brücken  der  Gegenwart  dem  auch  an  der  diesseitigen
Technischen  Hochschule  längst  empfundenen  Bedürfnisse  einer  Anleitung  zum  Berechnen  und  Entwerfen ­
  von  schmiedeisernen  Bogenbrücken  genügende  Abhülfe  schaffen  und  sich,  gleich  den  früheren
Heften  dieses  Werkes,  der  wohlwollenden  Nachsicht  unserer  Fachgenossen  erfreuen.
Aachen,  den  29.  November  1879.

H.
            
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