Full text: Erste Abtheilung. Eiserne Brücken. Heft V. (1,5)

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oder aus Blechen und Faqoneisen zusammengesetzt, oben 
mit einer gusseisernen Kopfplatte für die Lager der Träger 
geschlossen und unten in eine mit erhöhten Bändern ver 
sehene, mit dem Mauerwerk verankerte, gusseiserne Fuss- 
platte eingesetzt und an jenen Bändern festgeschraubt, s. 
Taf. II, Fig. 3—7. Zur Querverbindung dieser Aufsätze 
dienen einfache oder doppelte schmiedeiserne Querbalken 
mit I-förmigem Querschnitt, welche neben oder zwischen 
denselben mittelst Winkellappen angeschlossen und bei grös 
seren Brückenbreiten noch durch Winkelbleche ausgesteift 
werden, s. Taf. II, Fig. 3 u. 4. 
Die Ankerpfeiler, welche zur Befestigung der Rück- 
halter und zur Bewältigung des von diesen ausgeübten 
Zuges dienen, sind im Inneren mit den für die jeweilige 
Verankerung erforderlichen Schächten und Kammern aus 
zustatten und müssen hierbei ein Gewicht erhalten, welches 
einer verticalen Hebung und einer horizontalen Verschie 
bung des Mauerwerkes zugleich vorbeugt. Jene Anlage 
der geraden oder gebrochenen, senkrechten, geneigten oder 
theils senkrechten, theils geneigten Ankerschächte und der 
Verankerungskammern ergiebt sich aus den Darstellungen 
der Tafel V und der zugehörigen, unter IV enthaltenen Be 
schreibung, wozu noch allgemein zu bemerken bleibt, dass 
die beiden Verankerungskammern meist durch einen Stol 
len verbunden werden, s. Taf. V, Fig. 4 u. 6, und einen 
gemeinschaftlichen Einsteigeschacht, s. Taf. V, Fig. 10 u. 12, 
erhalten. Die geneigten Ankerschächte werden theils über 
wölbt, theils mit Deckplatten abgedeckt, während die grös 
seren Ankerkammern mit Gewölben überspannt werden. Um 
die wagrechte Verschiebung des Verankerungsmauerwerks 
bei nicht ausreichender Beibung desselben an dem Baugrunde 
durch künstliche Mittel zu verhindern, lässt man entweder 
bei Anwendung von Pfahlrosten die Bostschwellen vorsprin 
gen und einmauern, s. Taf. I, Fig. 9, oder die Köpfe der Bost 
pfähle in das Mauerwerk eingreifen oder den Endpfeiler nach 
der Endöffnung hin mit einer starken Spundwand versehen, 
s. Taf. I, Fig. 23, oder die Pfeilerbasis nach der Oeffnung hin 
mehr oder minder stark ansteigen, s. Taf. I, Fig. 23, oder 
man erzeugt durch einhüftige Gewölbe, s. Taf. V, Fig. 6 
u. 31, einen Gegendruck auf das Ankermauerwerk. 
8. Das Constructionsmateriai. 
Die Herstellung der Hängbrücken erfordert, je nach 
dem sie Ketten-, Draht- oder Fachwerkbrücken sind — von 
dem nöthigen Stein- und Holzmaterial abgesehen — zunächst 
theils gewalztes, theils gezogenes Eisen- oder Stahl- 
fabrikat für die Trag wände, Gusseisen für Lager 
und Wurzelplatten sowie für einzelne Theile eiserner 
Zwischenpfeiler und verzinktes, entweder gewalztes oder 
gepresstes Eisen für Herstellung der Fahrbahntafel. 
a. Eisen und Stahl. 
. a) Stabeisen und Stabstahl. Flacheisen werden 
in Stärken von 1 bis über 2 cm, in Breiten von 5 bis 60 cm, 
und in Längen von 5 bis über 10 m; Bund - und Quadrat 
eisen in Durchmessern und Dicken von 1 bis über 2 cm 
bei gleichen Längen angewandt und von den meisten deut 
schen Walzwerken in diesen Abmessungen für den Handel 
geliefert*). 
ß) Eisen- und Stahl-Bleche werden in Stärken 
von 1 bis über 2 cm, in Breiten von 1 bis 1,5 m, in Län 
gen von 1 bis 6 m angewandt und von den Blechwalzwerken 
auch in diesen Maassen für den Handel geliefert**). 
y) FaQoneisen und Fagonstahl. Winkeleisen 
werden in Stärken von 5x5x0,5 bis über 15x15x1,5 cm 
mit Längen von bezw. 12 bis 5 m, T-Eisen in Stärken von 
6x6x0,6 bis über 10x10x1 cm, C-, Z- und I-Eisen 
in Stärken von 7,5x5xO,5 bis 20x10x1 cm mit ähn 
lichen Längen verwendet und von den meisten Walzwerken 
auch in diesen Maassen für den Handel geliefert***). 
*) Vgl. u. a. Deutsches Bauhandbuch, Bd. I. S. 91 ff. 
u. Heinzerling, Die angr. u. widerst. Kräfte etc., Zweite Aufl. 
S. 168—171. 
**) A. a. 0. Bd. I, S. 94 bezw. S. 196 u. 197. 
***) A. a. 0. Bd. I, S. 92—94 bezw. S. 172—195. 
<5) Drahtseile aus Eisen und Stahl werden mit 
Durchmessern von 1 bis über 20 cm Durchmesser ange 
wandt und werden bis zu Stärken von 7,5 cm für den 
Handel geliefert*). 
e) Belag eisen (Zoreseisen) werden in Höhen von 
5 bis über 100 cm und in Breiten von 10 bis 20 cm bei 
Stärken von 3 bis 10 mm verwandt und werden z. B. von 
den Walzwerken Phönix und Hörde sowie von den Lothrin 
ger Eisenwerken für den Handel geliefert**). 
t) Trägerwellenbleche werden in Wellenhöhen 
von 5 bis über 10 cm, Wellenbreiten von 9 bis 10 cm, 
Stärken von 1 bis 5 mm, bei Breiten von 0,5 bis 1 m, bei 
Längen von 1 bis 2 m verwandt und von verschiedenen 
Blechwalzwerken in solchen Maassen für den Handel ge 
liefert***). 
rj) Buckelplatten können in Breiten und Längen 
von 50 bis 150 cm, Höhen von 2,5 bis 13 cm, Stärken 
von 6 bis 10 mm verwendet und innerhalb dieser Grenzen 
u. a. von der Dillinger Hütte und dem Eisenwerk 
Styrum in Oberhausen bezogen werdenf). 
b. Gusseisen. 
Die zu Fundamentplatten, Lagerplatten u. s. w. die 
nenden Gussstücke sind wegen der damit verbundenen Mög 
lichkeit eines exacteren Gusses und einer leichteren Be 
arbeitung aus grauem Gusseisen in der Begel mittelst 
Kasten-, seltner mittelst Heerdguss herzustellen und erfor 
dern die dem jeweiligen Zweck entsprechenden Formen und 
Stärken, welche letztere jedoch, z. B. bei Lagerplatten, 
nicht unter 2 bis 2,5 cm anzunehmen sind. Die einzelnen 
Theile zusammengesetzter Gussstücke sind in annähernd 
gleicher Stärke zu halten, damit ein möglichst gleich- 
mässiges Zusammenziehen des Gusseisens beim Erkalten 
stattfinden kann. 
9. Die Verbindungsmittel. 
a. Die Schrauben, welche bei den Hängbrücken 
Verwendung finden, sind Kopf-, konische und Stein 
schrauben. 
a) Die Kopfschrauben, welche zur beweglichen 
Verbindung von Kettengliedern oder zur festen Verbindung 
von mehreren Eisenlagen dienen, erhalten je nach deren 
Anspruchnahme Bolzendurchmesser d von 1 bis über 5 cm. 
Quadratischen Schraubenköpfen giebt man bei Befesti 
gungsschrauben meist die Seitenlange 0,4+ 1,5 d und die 
Höhe von 0,7 d, während 6-eckige Schraubenköpfe und 
Schraubenmuttern den Durchmesser D des dem Sechseck 
umschriebenen Kreises von 0,5+1,7 d und bezw. die Höhe 
von 0,7 d und d erhalten. Der Schraubenmutter giebt 
man eine Unterlagseheibe von 4 / s D Durchmesser und 1 / l0 1) 
Dicke. Bei Gelenkschrauben, deren Bolzen meist nur auf 
Abscheeren beansprucht werden, können Kopf und Mutter 
schwächer gehalten werden. 
ß) Die konischen Schrauben, welche theils als 
Befestigungs-, theils als Gelenkschrauben, s. Taf. III, Fig. 
38, 39, dienen, werden ohne Kopf, nur mit einer Ver 
jüngung des Schaftes von V20 hergestellt und erhalten 
Muttern von den unter a angegebenen Dimensionen, wobei 
d für Befestigungsschrauben den kleinsten Durchmesser 
bezeichnet. Neue Bolzen werden abgedreht und die Bolzen 
löcher mit Reibahlen ausgerieben, um einen dichten An 
schluss zu erreichen. Vor dem Einziehen dieser Schrauben 
werden unter die Muttern Vorlagscheiben gelegt. 
y) Die Steinschrauben, welche zur Befestigung 
der Lagerplatten an die Unterlagquader dienen, erhalten 
2 bis 4 cm Spindeldurchmesser, bezw. 3 bis 5 cm grösste 
Seitenlänge des unteren vierseitigen, pyramidenförmig ge 
*) A. a. 0. Bd. I, S. 96 bezw. S. 202 u. 203. 
**) Für die Construction empfiehlt sich die Anwendung 
von Fa^oneisen (y) und Belageisen («) nach den deutschen Nor 
malprofilen, vgl. deren Abmessungen in Heinzerling u. Intze, 
Deutsche Normalprofile für Walzeisen. Berlin. 1880. 
***) U. a. von Hein, Lehmann & Cie. in Berlin, Hilgers 
in Rheinbrohl und Buderus in Neuwied. 
t) Vgl. Deutsches Bauhandbuch, Bd. I, S. 95 und 
Heinzerling, Die angr. u. widerst. Kräfte. 2. Aufl. S. 200 u. 261.
	        

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