Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 43, Bd. 2, 1883)

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Von der elektrischen Ausstellung in Wien.

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würdiger Monumentalität. Der fürstliche Wohnsitz wie die Heim—
stätte des einfachen Patriziers gewinnen unter der künstlerisch bil—
denden Hand der auserlesensten Geister an Harmonie und Schön—
heit. „Im eigenen Haus auf eigenen Füßen“ war die Devise
des sich seines Werthes bewußten Individuums. Die Ueberreste
)es römischen Alterthums, die formenreiche Sprache des geistes
yerwandten Römers zog die Künstler des Renaissance-Zeitalters
mächtig an und verlieh ihren zahlreichen Werken klassischen Charakter
und großartigen Ausdruck. Vorzugsweise war Norditalien, und
zwar Toskana dazu berufen, auf seinem Boden die herrlichen
Schöpfungen der Frührenaissance zuerst entstehen und reifen zu
sehen. Florenz, la bella, verdankt den Ruf des lieblichsten ita—
lienischen Städtebildes den mannigfaltigen Werken der Frühzeit
der Wiedergeburt der Künste und Wissenschaften, auf seiner klassi—
chen Erde entwickelte sich der Profanbau, gefördert durch die mit
fürstlichem Reichthum prunkenden alten Handelsgeschlechter, zu un—
erreichter Idealität. Doch nicht auf die Stadt allein beschränkten
sich diese Baubestrebungen, sondern als nächste Folge der Liebe
des Italieners zum Landleben entstand allmälig um Florenz ein
Kranz der herrlichsten Villen und Landhäuser, in welchen der
Florentiner ganz der Familie und der Natur leben konnte. Fast
noch größeren Prunk zeigten diese Villen vor der Stadt, als der
Palazzo innerhalb der Stadtmanern. Die Villenarchitektur der
alten Römer erlebte eine Wiedergeburt, eine Neuschöpfung in alter
Pracht und Herrlichkeit. Abgeschlossen von dem Geräusch des ge—
chäftlichen Lebens der Stadt, ganz der Familie gewidmet, lebte
der gebildete Italiener in idyllischer Landschaft ein poesievolles,
anmuthiges und trautes Leben ohne Bekümmerniß und Verdruß.
In heiterer Landschaft mit herrlichen Aussichten, liegen die vielen
Villen um Florenz in krystallheller Luft ohne Nebel nud verderb—
ichen Wind; prachtvoll und kostbar sind manche der zahllosen
Bauten anzuschauen, wie Fürstenpaläste und Schlösser. So be—
schreibt ein Autor um die Mitte des XIV. Jahrh., Giovanni
Billani, die Villegiatur des herrlichen Florenz. Schmerzlich be—
rührt die Kunde von der Zerstörung der meisten dieser köstlichen
Bauwerke bei den Kämpfen, welchen Florenz 1529 ausgesetzt war.
Von Florenz ausgehend, hielt dann die würdige Ausbildung
der städtischen Wohnnng schnell überall siegreichen Einzug; das
nene Zeitalter siegte auch hierin über die Tradition einer vergan—
genen, überlebten Zeit.
Ju Italien war, entgegen dem Norden — eine natürliche Folge
der feineren Bildung — die Trennung der einzelnen Stände nicht
eine so scharf accentuirte und schroffe, wie nördlich der Alpen; der
Adel blickte nicht mit solcher Geringschätzung auf den Bürgerstand
herab, wogegen dieser jenem aber auch nicht den Haß und die
Feindschaft entgegenbrachte, welche auf deutschem Boden Veran—
assung zu so mancher unseligen That waren. Der Haupigrund
dieser Spaltung der Stände im Norden, das abgesonderte Leben
des Adels, bedingt durch dessen Wohnsitz vor der Stadt und auf
den Landsitzen, und der daraus entspringenden, nicht gefühlten
Verkehrsbestrebung, fiel in Italien durch das frühe Verschnielzen
der beiden Stände, durch den Einzug des Adels in die Städte,
yinweg. Schon seit dem XII. Jahrh. athmeten Adel und Bürger—
hum eine Luft und theilten sich in die Geschicke und Wechselfaͤlle
des Lebens. Und bald lag der Unterschied zwischen dem Adel
und den reichen Bürgergeschlechtern fast nur noch im Begriff; bei
heiden war das ideale Ziel, welchem sie zustrebten und einen
roßen Theil ihrer Kräfte widmeten: Beförderung von Kunst und
Wissenschaften, sowohl in egoistischem wie humanem Sinne, je
nach dem Charakter der Persönlichkeit, jedoch immer durch die
kKünste geadelt. Daneben waren Haus- und Familienleben des
Italieners wohl geordnet und mit bewußtem System innerlich und
dußerlich zusammengehalten. Wenn auch die Zeit der Renaissance
eine Zeit raffinirter Sittenlosigkeit war, wenn auch diese Sitten⸗
ofigkeit im Allgemeinen nicht eine naive, cynische war, sondern
ils eine Folge der größeren Bildung auch eine gewisse Durch⸗
hildung ersahren hatte, so wirkten diese Verirrungen auf das nicht
so streng wie im Norden gedachte Eheleben und von hier aus auf
das Familienleben übergehend, nicht so nachdrücklich wie im Norden,
vo die sittlich moralischen Begriffe der Ehe viel ängstlichere und
peinlichere waren, trotzdem der Frauendienst des Ritterthums diesem
scheinbar entgegentritt. Aus dem Familienleben als Basis ent—
wickelte sich dann das Volksleben, als unmittelbar mit diesem zu—
ammenhängend und im engen Anschluß hieran die Privatarchitektur,
welcher das Volk das meiste Interesse und, Verständniß entgegen—
bringt. Der künstlerische Ausdruck und der sinnvolle Gedanke
eines solchen, dem allgemeinen Verständniß entsprechenden Werkes
xregen Lust und Freüde am künstlerischen Schaffen und warme
Sympathie für die idealen, künstlerischen Bestrebungen.
Diesem vollen Eingehen auf die Bestrebungen der Kunst und
der lebendigen Theilnahme an ihren Werken verdankt Italien die

kntstehung seiner herrlichen Wohnpaläste. Im Anschluß an das
porangegangene Florenz wetteiferten bald die vornehmen Geschlechter
und reichen Patrizierfamilien in der Gründung künstlerisch monu—
mentaler Heimstätten für das Familien- und Gesellschaftsleben.
(Forts. folgt.)
Von der elektrischen Ausstellung in Wien.

Driginal⸗Bericht.)
Es dürften folgende, speziell bautechnische Mittheilungen für
die Leser des ‚Baugewerksblattes“ ein besonderes Interesse haben:
Das Ausstellungsgebäude, 33000 qm Raum darbietend,
chließt sich eng an die noch von der Wiener Weltausstellung stam—
nende imposante Rotunde an, die von einem nahezu quadratischen
Bebäudekomplex umschlossen wird. In einem der hierdurch ent—
tandenen zwickelförmigen Höfe ist das, einen großen gemeinfamen
diertheiligen Schlot in rechtem Winkel umfassende Kesselhaus er—
haut, in welchem 52 Kessel — 30 für stabile Maschinen, 22 für
Lokomotiven — untergebracht sind. Eine Vorstellung von den
riesigen Dimensionen dieser Anlage wird wohl am besten die An—
jabe gewähren, daß zum Bau des Dampfschornsteins allein
700 kbm Mauerwerk verwendet wurden.
Das Kesselhaus bedeckt eine Fläche von rund 2250 qm.
Im Gegensatze zu der Pariser elektrischen Ausstellung, wo man
von den 32 Resseln mit der bedeutenden Heizfläche von 1339 qm
außer den von de Nayer aus Willebröck ausgestellten, wenig sah,
st das Kesselhaus in Wien ebenso zugänglich, als die Maschinen—
halle, die sich in den beiden dem Kesselhaus benachbarten und
mit diesem durch gedeckte Gänge in Verbindung stehenden Trakten
des Gebäude-Quadrats befindet. Diese Halle umschließt 52 Dampf—,
11 Gas- und 2 kalorische Motoren mit der imposanten Gesammt—
zahl von 1450 Pferdekräften durch Maschinen von nur ! /z bis zu
Biganten von 240 Pferdestärken vertreten. Von 50 Ausstellern
sind an 160 Dynamomaschinen vorgeführt.
Die gesammte Erdbewegung in den die Rotunde umschließen—
den Gallerien und im Kesselhause beläuft sich nach Mittheilungen
der „Elektrotechnischen Zeitschrift“ auf rund 2000 kbm; an Mauer—
verk entfallen auf das Kesselhaus und dessen Rauchabzüge 250 kbm,
ruf die Fundamente für 14 stabile Dampfkessel 150 kbiu, auf
die Fundamente für 22 Dampfmotoren (Lokomobilen und Halb—
okomobilen), welche eigene Feuerung besitzen, 150 kbmm, auf die
Fundamente für stabile Dampfmaschinen und 8 Gaskraftmaschinen
nit rund 1200 Pferdekräften zum Betriebe der Dynamomaschinen
1200 kbm, auf die Fundamente für die Transmissionen, Dynamo—
naschinen und diverse andere Einrichtungen etwa 900 khm, im
Hanzen also etwa 3350 kbm Mauerwerk.
Gewiß durfte auf einer elektrischen Ausstellung das Theater,
welches ja die größten Anforderungen in Bezug auf den Wechsel
der Beleuchtung stellt, nicht fehlen. Dasselbe nimmt die ganze
103 mwelange und 14,5 mebreite Südostgallerie für sich in An—
pruch und kann wohl mit Recht ein Kabinetsstück von impro—
pisirter Architektur und Dekorationskunst genannt werden. Durch
ein in reichen Renaissanceformen ausgeführtes Portal wird das
Theater gegen das Osttransept abgeschlossen. Durchschreitet man
den 4 mme breiten Haupteingang, so gelangt man zunächst in ein
Entree mit den Kassenräumen und von da in eiun splendid aus—
gestattetes Foyer mit Konditorei. Von hier aus führen zwei
Treppenaufgänge in das gegen die Bühne zu abfallende, 23 m
ange Parterre des Zuschauerraums, der zugleich bei den populär—
vissenschaftlichen Vorlesungen und Demonstrationen als Hörsaal
dient und ungefähr 300 Personen fassen dürfte. Hinter den Sitz—
reihen erhebt sich eine erhöhte Plattform für die Darstellung mit
dem Bildmikroskop und ähnlichen optischen Instrumenten, während
vor denselben ein vertieftes Orchester für 25 Musiker den Zu—
schauerraum von der 14 mm breiten und 111m tiefen Bühne trennt,
an welche sich die 10 mm tiefe Hinterbühne anschließt.
Die Bühneneinrichtung erfolgt nach dem System Gwinner,
hei dem Versenkung und Dekorationszug auf hydraulischem Wege
»etrieben wird, zu welchem Zwecke man die vorhandene Wasser⸗
eitung mit nur 3 Atmosphären Druck benutzt. Ein Hauptkenn⸗
eichen für die Veränderung im Dekorationswesen, welche dieses
System bedingt, bildet der Wegfall der bisher üblichen Soffiten,
Prospekte und Koulissen, an deren Stelle lauter doppelt konturirte
Lersetzstücke treten, die von einem sogenannten „Horizonte“ um—
chlossen werden. Den Rest der Gallerie füllen die Garderoben,
Dienerzimmer und die Räume für die funktionirenden Elektriker.
Sowohl der Parterreraum, als auch die Bühne und, die Garde—
roben haben mehrfache Ausgänge, die theils in den Hof, theils in's
Freie führen, so daß das Theater betreffenden Falls in einem
Zeitraum von 12 Minuten vollständig eutleert werden kann.
Allabendlich während der Dauer der Ausstellung werden in
            
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