Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 43, Bd. 2, 1883)

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Bauberichte aus verschiedenen Städten. 
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rials dienen und sind deshalb höher angeordnet als die beiden 
Ueberläufe. 
Bei größeren Wasser-Versorgungen wird es sich empfehlen, 
auch größere Apparate als die hier verwandten aufzustellen, also 
dielleicht Apparate von 300 oder 500 kbm Tagesleistung. Man 
hätte es alsdann immer noch nicht mit unbequemen Dimensioneu 
zu thun, denn die Leistung wächst annähernd in demselben Ver— 
hältniß, als der kubische Inhalt der Gefäße. Ein Apparat für 
500 kbm Tagesleistung würde nur ein Gefäß von ca. 1 m Durch— 
messer und 15, m Höhe erfordern. 
Die Schnellfilter werden von der Firma G. Arnold K 
Schirmer, Berlin 8W. ausgeführt und übernimmt selbige auch 
die Herstellung ganzer Filtrations-Anlagen nach dem Vieifke'schen 
System. 
Obige Filterapparate werden in 3 Größen geliefert, und 
tostet Größe J650 Mark; Größe II 340 Mark; Größe III 140 
Mark. Die Fabrik liefert indeß auch Apparate in speciell ge— 
vünschten Dimensionen. Der Preis für Filtermaterial beträgt 
Mark 1.50 pro k. 
debung des Gewerbes weder der Bund der Malermeister, noch die 
Innung irgend etwas Erhebliches geleistet hätten. Nicht durch 
Abänderung der Gewerbeordnung im reaktionären Sinne, sondern 
urch energisches Zusammenhalten der hier lebenden ca. 2500 
Malergehülfen gegenüber den 300 Prinzipalen des Gewerbes 
önnten Refultate erzielt werden. Hierauf wählte die Versamm— 
ung noch eine Tarif-Kommission, die beauftragt wurde, der 
aächsten Versammlung, zu der auch die Meister eingeladen werden 
ollen, geeignete Beschlüsse zur Hebung der Lohn- und Gewerbs— 
erhältnisse zu machen. 
Weiter wird uns berichtet: 
Die zweite öffentliche Versammlung der Töpfer— 
gesellen in Sachen der Lohnfrage fand am 5. d. M. unter 
Leitung des Vorsitzenden des „Vereins zur Wahrung der Inte— 
cessen der Töpfer Berlins, Herrn Hoffmann, statt und war außer— 
ordentlich zahlreich besucht. Zunächst wurde der von genanntem 
Verein ausgearbeitete Normal Stücklohn-Tarif, der behufs Aus— 
zleichung der jetzt für ein und dasselbe Stück Arbeit bei den ver— 
chiedenen Meistern sehr stark von einander differirenden Lohnufälle 
ind behufs Erlangung eines gleichmäßigeren durchschnittlichen 
Wochenverdienstes von 21 bis 27 Mk. allgemein durchgeführt 
verden soll, genau durchberathen und schließlich mit den von der 
Versammlung für zweckmäßig befundencn Aenderungen im Ganzen 
einstimmig angenommen. Am ersten Sonntag nach dem 15. d. M. 
zolleu im Kafé Klein, Alte Jakobstraße 75, die Verhandlungen 
iber die Lohnfrage fortgesetzt werden, und von dem Ausfall dieser 
Verhandlungen resp. von der Art der Betheiligung der Berliner 
Töpfergesellen an derselben soll es abhängen, ob der Verein die 
Berantwoͤrtlichkeit für den wirklichen Eintritt in eine Lohnbeweqgung 
auf sich nehmen will oder nicht. 
Dessau. Der vom Landtage in zweiter Lesung genehmigte 
Bau eines neuen Justizgebäudes in unserer Residenz ist im 
Laude allgemein mit Freude begrüßt worden. Miit dem jetzigen 
Berichtsgebäude wäre es auch in der That nicht länger angegangen. 
Im Lause der Zeit hat es sich nur zu dentlich herausgestellt, daß 
ich das vormalige herzogliche Oberlandesgericht bei seinen dahin— 
gehenden Erhebungen vollständig geirrt hat. Die Geschäftsräume 
jaben sich im Laufe der Jahre weder als ausreichend noch als 
ingemessen erwiesen, und die dadurch entstaudenen Zustände machten 
»as Weiterbestehen der jetzigen Verhältnisse unmöglich. Vor allen 
Dingen ist es die feuergefährliche Bauart des alten Gebäudes, 
die eine Weiterbenutzung desselben gebieterisch untersagt. Bei einem 
Brandunglück, dessen Möglichkeit im Hinbtick auf die Lage des 
Berichtsgebäudes in der Häuserreihe einer gewerbsreichen, ziemlich 
chmalen' Straße, im Micctelpunkte der Stadt nicht von der Hand 
jewiesen werden kann, würden die Akten, die Grundbücher, die 
m Gerichtsgewahrsam befindlichen letzwilligen Verfügungen, Stan— 
»esamtsregister und Werthgegeustände auf das Aeußerste gefährdet 
ind schwere Verluste nicht abzuwenden sein. Für das neue Justiz— 
gebäude ist ein in jeder Beziehung günstig gelegener Platz im 
enen Stäadttheile erworben worden. Die Grundfläche beträgt 
Morgen 152 Qu.-R. (7204 Am); der Kaufpreis 102000 Met. 
Auf diesem Terrain wird sich der Neubau erheben, nicht prächtig, 
iber würdig und für jetzt und eine lange Zukunft, ausreichend. 
Die Kosten find mit 600000 Mk. in Voranschlag gebracht. Für 
insere Bauhandwerker eröffnen sich da wieder gute Aussichten, e — 
Glatz (13300 Einw.). Die Bauthätigkeit war im Jahre 
882 wie 1881 eine rege. Im letzteren Jahre wurden 51 Bau— 
'onsense, darunter 31 zu Neubanten, im Jahre 1882 dagegen 42, 
ind zwar 25 zu Neubauten ertheilt. 1881 wurden 8 und 1832 
7 neue Wohnhäuser erbaut. In diesem Jahre wird voraussichtlich 
eine erhöhte Baulnst eintreten, sobald mit dem Kasernenbau und 
den Vorärbeiten zum Bau einer Eisenbahn Glatz-Rückers be— 
Jonnen wird. Mit der Ausführung der letzteren hängt auch die 
krbauung eines besonderen Personenbahnhofes zusammen— Von 
uiffentlichshn Bauten ist nur der Neubau der Militärwaschanstalt 
zur Ausführung gekommen. 
Die Arbeitslöhne der Bauhandwerker sind niedrig und werden 
yro Woche gezahlt: 
a) dem Polirer . .. 9,6-2 10,2 Mk. 
dem Gesellen. 72—90, 
em Handlanger.. 5,. 422 608, 
»em Tischlergesellen inkl. Schlafstelle 7,0 — 10,00, 
dem Schlossergesellen 6,0 — 9,0, 
Die Entsestigung der Stadt ist weiter vorgegangen, so daß, 
im geregelte Zustände bezügl. neuer Bau-Ansiedelungen zu schaffen, 
zie Kufstellung eines Bebauungsplanes erfordert wurde. Seitens 
der Polizei-Verwaltung wurde diese Bedürfnißfrage bejaht, die 
Stadtverordneten hielten jedoch die Aufstellung des qu. Planes, 
»bgleich der Bezirksrath in Breslau die Nothwendigkeit eines 
Ichen beiaht hatte, für nicht erforderlich. sondern haben beim 
Bauberichte aus verschiedenen Städten. 
Berlin. (Zur Lohufrage.) Die Manrer, Zimmerleute 
ind Maler beriethen am 4. d. Mts. in drei Arbeiterversammlungen 
über die Lohnfrage für die bevorstehende Bausaison. Bei den Mau— 
rern referirte Herr Wittstock, welcher auf Grund einer allgemein als 
richtig anerkannten Aufstellung über das Haushalts-Budget einer 
Berliner Arbeiterfamilie nachwies, daß der derzeitige Lohn des 
Bauarbeiters (30 Pf. pro Stunde) zum Unterhalt einer Familie 
absolut unzureichend ist. Der Jahresverdienst eines Maurers be— 
rägt hiernach in den neun Arbeitsmonaten (vom 1. März bis 
Eude November) 693 Mk., wovon also auf jeden Tag nur 1Mk. 
90 Pf. entfällt. Nach Bestreitung von Wohnungsmiethe, Mieths— 
stteuer ꝛc. bleiben für alle übrigen Bedürfnisse der Familie (von 
durchschnittlich 5 bis 6 Köpfen) nur noch 492 Mk. 44 Pf., die 
aber zum Lebensunterhalt der Familie nicht ausreichen. Ein 
Minimallohn von täglich 4 Mk. sei also eine unumgäugliche 
Mehrforderung. Nach lebhafter Diskussion, in der sich allgemein 
der feste Wille kundgab, die bezeichnete Forderung zu verwirk— 
lichen, nahm die Versammlung einstimmiag eine hezüaliche Reso— 
ution an. 
Bei den Zimmerlenten führten die Herren Marzian und 
Schöppe den Vorsitz. Ersterer refexirte zunächst über die Thätig— 
keit der „Dezember-Kommission“ bezüglich ihres bekannten Lohn— 
erhöhungsantrages von 4 Mik. täglichem Minimallohn beim Vor— 
sttande des Bundes der Bau-, Maurer- und Zimmermeister (jetzt 
Bau-Innung). Den günstigen Erfolg dieses Antrages, dessen dringeude 
Nothwendigkeit und' volle Berechtigung anerkaunt wurden, dürfen 
wir hier als bekannt voraussetzen. Wie der Referent betonte, hat 
der Bund sein Versprechen bis jetzt so gut wie möglich zu er— 
füllen gesucht, indem er sich mit einer geeigneten Denkschrift an 
die städtischen und staatlichen Baubehörden gewendet und die von 
ihm befürwortete Forderung der Gesellen bei sämmtlichen Meistern 
und Banunternehmern Berlins hat zirkuliren lassen. Die bisher 
erfolgten zahlreichen Antworten der Unternehmer sind, durchweg 
zünstig ausgefallen. Alle verlangen übereinstimmend ein direktes 
Vorgehen der Gesellen bei sämmtlichen Arbeitgebern. Nach einer 
lebhaͤften Diskussion erklärte sich die Versammlung mit dem Vor— 
gehen der Dezember-Kommission in der Lohnfrage einverstanden 
ind macht es sämmtlichen Kameraden zur Pflicht, mit allen gesetz- 
ichen Mitteln für die Durchführnug und Aufrechterhaltung der 
Forderuug eines Minimallohns von z. 8. 4Mk. pro Tag bei 
ehnstündiger Arbeitszeit kräftig einzutreten. — In Betreff des 
Heucralfods zur Unterstützung gemaßregelter oder in Folge der 
Lohnbewegung arbeitslos gewordener Zimmerleute beschloß die 
Versammlung, die Sammlung für den Unterstützungsfonds wieder 
zu eröffnen, und zwar mit 50 Pf. pro Mann. 
In der Versammlung der Malergehülfen referirte Herr Gehrke 
über die Lohnverhältnisse und jetzigen Schäden des Gewerks, sowie 
iber deren Beseitigung. Dem Referenten zufolge währt die durchschnitt— 
iche Arbeitszeit der hiesigen Maler im Jahre nur 40Wochen, während 
sich der Durchschnittsverdienst für 26 Wochen im Sommer auf 
woöchentlich 22 Mik. 50 Pf., für6 Wochen in Uebergangsperiode 
nuf 19 Mk. wöchcntlich und für 8 Wochen im Winter auf 15 Mk. 
wochentlich, also im Ganzen auf jährlich 819 Mk— beziffert. Hier⸗ 
bvon gehen — wie der Referent ausführte — als unvermeidliche 
Ausgaben für Miethe, Steuern ꝛc. 268 Mk. ab. Der verbleibende 
—D 
Arbeiterfamilie nicht aus. Für Kleidung, Wäsche, Arzt ꝛc. ist 
unter solchen Umständen nichts vorhanden. Bezuͤglich der zahl— 
Lichen Schäden im Gewerk hob der Referent hervor, daß zur
	        

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